bedeckt München 11°

Förderung von Jungen in der Schule:"Die Mädels werden nicht weggejagt"

Weil er Lokalpolitiker ist, hat er lokal nach Lösungen gesucht und landete wieder im Kindergarten. St. Maximilian hat seit November 2008 eine Werkbank. Es ist ein ordentliches Gerät - mit Sägen, Hämmern und was so dazu gehört, Kosten knapp 1000 Euro. Ihre Schützlinge, sagt Rosmarie Kratzer, Leiterin des Kindergartens, arbeiten fast jeden Tag an der Werkbank. 24 Kinder im Alter von zweieinhalb bis sieben Jahren besuchen derzeit die Einrichtung.

Nicht nur wirtschaftliche Gründe

"Die Jungs sind genauso dran wie die Mädchen. Wir haben auch ein paar Mädchen, die sehr gerne an der Werkbank stehen", so Kratzer. Es sei wie bei den anderen Spielsachen auch. "Sie sind für alle da, die Kinder entscheiden, womit sie spielen wollen." Sie zählt auch nicht nach, wie viele Jungs gerade mit Puppen spielen oder wie viele Mädchen an der Werkbank stehen. "Für uns sind sie alle Kinder", sagt Kratzer. "Es ist ja nicht so, dass die Mädels weggejagt werden, wenn sie an der Werkbank arbeiten", sagt Ponndorf.

Finanziert hat das Ding die Bauer-Stiftung. Ponndorf arbeitet für den Bau- und Maschinenbau-Konzern Bauer, die Eigentümer des Familienunternehmens haben auch die Stiftung gegründet. Sie gab auch Geld für die neue Orgel von St. Jakob und sponserte unter anderem die neue IT- und Telefonanlage der Volkshochschule in Schrobenhausen. "Aber nicht alles, was jemand tut, der aus der Wirtschaft kommt, muss wirtschaftliche Gründe haben", sagt Firmenchef Thomas Bauer, Vater von zwei Söhnen.

Gewaltige Unterschiede

Schon vor Jahren seien ihm die "gewaltigen Unterschiede" zwischen Jungen und Mädchen beim Abitur aufgefallen. Und die Mädchen, die bei Bauer in die Lehre gehen, bringen eine "bessere Ausgangsbasis mit als die Jungen". Auch dem CSU-Mann Bauer geht es nach eigenem Bekunden nicht darum, die Mädchen "wieder zu benachteiligen, es geht nur darum, beide Geschlechter gleich zu behandeln. Wir müssen gerecht sein".

Noch vor 50 Jahren seien Jungen die Bildungsgewinner gewesen. Mittlerweile seien sie "eindeutig die Bildungsverlierer". Das oft gehörte Argument, dass sei ausgleichende Gerechtigkeit hält er für idiotisch. Auch glaubt Bauer nicht, dass die Mädchen vor 50 Jahren dümmer waren und es nun die Buben seien. "Ich bin überzeugt, das hat nicht das Geringste mit angeborenen Fähigkeiten zu tun, sondern allein mit Förderung."

Die Partnersuche für Frauen wird schwieriger

Das Thema kann Bauer, einen für gewöhnlich ruhigen Mann, in Rage bringen. Die Entwicklung dieser Ungerechtigkeit habe erhebliche gesellschaftliche Folgen, "die niemand wollen kann - auch nicht die Frauen", sagt er. Wenn etwa, wie bei Ärzten schon deutlich, es viel mehr Frauen gebe als Männer, sei der "ganz natürliche Konflikt zwischen Beruf und Familie immer schwerer zu organisieren". Und Frauen, führt Ponndorf an, "heiraten deutlich seltener Männer mit niedrigerer Ausbildung als umgekehrt". Die Partnersuche werde also für Frauen und Männer schwerer, je stärker die Bildungsunterschiede zunehmen.

Wirtschaftlich spielt das Thema für Bauer noch keine Rolle. Die wird es aber bekommen, sagt Wissenschaftlerin Stöger. Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, gibt es in den Disziplinen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik bereits jetzt eine Fachkräftelücke von etwa 140.000 Personen. Diese werde in den nächsten Jahren noch größer, wenn nicht ausreichend Männer und Frauen höhere Bildungsabschlüsse absolvieren.

Die Werkbank ist erst der Anfang

Ponndorf hat nicht mit der Werkbank aufgehört. Im Frühjahr 2009 organisierte er bei der Firma Science Lab ein paar Forscherkisten für zwei Kindergärten, um den Kindern Naturwissenschaften spielerisch beizubringen. Eine Einweisung gab es auch. Und für zwölf Monate hat der Kindergärtner Eric ein Praktikum im Kindergarten Maria Ward gemacht. Die Grundschule wurde mit 30 Notebooks ausgerüstet, die haben Bauer und das IT-Unternehmen K&L Electronics aus Weidenberg mitfinanziert. "Es ist dringend geboten, mit der Trendumkehr zu beginnen", sagt Firmenchef Bauer. Denn die Entwicklung lasse sich nur mit einem Zeithorizont von 20 Jahren wieder ändern.

© SZ vom 18.03.2010/holz
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema