Arbeitszeit Ein Ingenieur kann durch zwei Teilzeitkräfte ersetzt werden

Oder aber sie scheiterten an verkrusteten Strukturen. Denn in vielen Unternehmen sind die Jobs immer noch auf Vollzeitstellen zugeschnitten, ganz besonders dann, wenn sie mehr Verantwortung beinhalten. Das führt dazu, dass es entweder den Posten in der Abteilungsleitung oder gar der Chefetage gibt, mit 40 Stunden aufwärts. Oder die Teilzeitvariante, mit 20 Stunden pro Woche und ohne Aufstiegs- und vor allem Aufstockchancen.

Das ist ungerecht. Denn meist entscheiden sich vor allem Mütter für die Teilzeit, um sich um ihre Kinder zu kümmern. Eine Arbeitswelt, die von vornherein darauf eingestellt wäre, dass der Großteil der Mitarbeiter nicht immer fünf Tage die Woche und jeden Tag acht Stunden lang im Büro ist, würde so auch helfen, die Berufschancen von Mann und Frau anzugleichen.

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Eine gerechtere Verteilung der Arbeitszeit würde gleichzeitig auch zu einer gerechteren Gesamtgesellschaft beitragen. Denn mehr zu arbeiten heißt immer auch mehr zu verdienen. Die Stundenlöhne in Teilzeitjobs sind im Schnitt um rund 18 Prozent niedriger als bei Vollzeitstellen. In den ärmsten Haushalten ist die Arbeitszeit seit den 1990ern um fast 31 Prozent gesunken, in der Oberschicht dagegen nur um 6,5 Prozent. Nähme man der breiten Masse einen Teil ihrer Arbeitszeit, so wie es sich ja ohnehin viele wünschen, und gäbe diese Stunden denjenigen, die zu wenig davon haben, würde sich die Schere zwischen Arm und Reich ein klein wenig schließen. Das ist machbar.

Die Verkürzung der Vollzeit ist der beste Weg

Einen Ingenieur kann man natürlich nicht einfach durch zwei ungeschulte Minijobber ersetzen, aber vielleicht durch zwei Teilzeitkräfte, die qualifiziert sind, aber wegen ihrer familiären Situation eben nicht bereit, 40 Stunden pro Woche zu arbeiten. Dazu kommt, dass unter den Top- 15-Jobs mit den meisten Arbeitsstunden ohnehin auch Berufe sind, für die man kein langjähriges Studium braucht. Maurer, zum Beispiel, Schweißer, Lastwagenfahrer, Soldat oder Polizist.

Wie diese neue Arbeitswelt dann letztendlich aussieht, ob es die Vier- oder sogar Dreitagewoche ist und ob Menschen sechs Stunden arbeiten oder vielleicht nur fünf, wird sich zeigen. Wichtig ist allein, dass Arbeit nicht nur fair entlohnt, sondern auch gerechter verteilt wird. Am besten ginge das über eine Verkürzung der Vollzeit. Zum Nutzen der Arbeitnehmer, der Unternehmen und vor allem auch der Gesellschaft. Die Firma Perpetual Guardian in Neuseeland wird ihr Experiment jedenfalls in Zukunft fortsetzen: Von Oktober an soll dort die Viertagewoche auf Dauer gelten.

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