Covid-19:Viele Eizellen, fitte Spermien

Coronavirus - Letzte Erstimpfungen in Hamburger Impfzentrum

Junge Frauen brauchen die Impfung nicht zu scheuen.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Gerüchte, dass die Impfung gegen Covid-19 unfruchtbar mache, halten sich hartnäckig. Das Robert-Koch-Institut hat sich nun dem Thema gewidmet - mit eindeutigem Fazit.

Von Christina Berndt

Könnte die Impfung gegen Covid-19 womöglich unfruchtbar machen? So unbegründet diese Sorge ist, sie ist mittlerweile so verbreitet, dass das Robert-Koch-Institut (RKI) dieses Thema jüngst in seinen Katalog der häufig gestellten Fragen rund um die Covid-19-Impfung aufgenommen hat. "Seit einiger Zeit kursiert vor allem im Internet eine Fehlinformation", heißt es auf der Seite des Instituts, "sie besagt, dass die Impfung gegen Covid-19 mit mRNA- oder Vektorimpfstoffen unfruchtbar macht oder machen kann." Eine Klarstellung erfolgt unmittelbar und fettgedruckt: "Diese Aussage ist falsch."

Wie unnötig die Angst ist, dafür gibt es mittlerweile einige sehr überzeugende Belege aus dem echten Leben: Babys geimpfter Mütter. Die ältesten stammen noch aus der Zeit der ersten klinischen Studien zu den Covid-19-Impfstoffen. So machten alle Teilnehmerinnen der umfassenden Studie, die Biontech und Pfizer vor der Zulassung ihres Impfstoffs mit 38 000 Probanden durchführten, vor Beginn einen Schwangerschaftstest. Nur wer nicht schwanger war, durfte teilnehmen. Zudem wurden die Probandinnen ausdrücklich gebeten, während der gesamten Studie zu verhüten, da man damals noch wenig Erfahrungen mit dem Impfstoff in der Schwangerschaft hatte. Erst in einer späteren Studie wurde das Vakzin auch an Schwangeren getestet.

Doch trotz der Bitte um Verhütung wurden 23 Frauen während der Studie und dem Nachbeobachtungszeitraum von zwei Monaten schwanger. Es waren elf in der Gruppe, die lediglich Spritzen ohne Wirkstoff erhalten hatten, und zwölf in der gleich großen Gruppe, denen der Biontech-Impfstoff gespritzt worden war. Alle Kinder der geimpften Frauen wurden gesund geboren.

Männer müssen ebenfalls keine Probleme fürchten

Auch solchen Frauen, die nicht so leicht Kinder bekommen können, schadet die Impfung nicht. Das zeigte eine im Mai 2021 publizierte Studie aus Israel mit 36 Paaren, die sich im Chaim Sheba Medical Center in Ramat Gan einer Kinderwunschbehandlung unterzogen. Die Ärzte untersuchten über viele Wochen sowohl die Eizellen der Frauen als auch die Spermien der Männer, und sie fanden weder in deren Qualität noch der Anzahl Unterschiede nach der Impfung. Dass sich Männer um ihre Zeugungsfähigkeit keine Sorgen machen müssen, erhärtete im Juni 2021 auch eine Studie der University of Miami: Vor und nach der Impfung mit zwei Dosen eines mRNA-Impfstoffes waren die Spermien der untersuchten 45 Männer zwischen 18 und 50 Jahren gleich fit.

Wer Falschinformationen über mögliche Fruchtbarkeitseinbußen durch die Corona-Impfung verbreitet, argumentiert oft molekularbiologisch. Das Spike-Protein des Corona-Virus ähnele einem Protein namens Syncytin-1, das während der Schwangerschaft an der Bildung der Plazenta beteiligt ist, heißt es da. Deshalb können die Antikörper, die der Körper nach der Impfung gegen das Spike-Protein bildet, die Plazentabildung beeinträchtigen. Doch so logisch sich das zunächst anhören mag: Die beiden Proteine ähneln einander in Wahrheit kaum. Zudem müsste, dieser vermeintlichen Logik folgend, dann auch die natürliche Infektion mit dem Coronavirus unfruchtbar machen, weil sie ebenfalls zu Antikörpern gegen das Spike-Protein führt. "Auch dies wurde jedoch weltweit nicht beobachtet", schreibt das RKI.

Es ist vielmehr so: Weil eine Corona-Infektion gefährlich für Mutter und Kind ist, beginnen viele Fortpflanzungsmediziner erst gar keine Fruchtbarkeitsbehandlung, wenn eine Frau nicht gegen Covid-19 geimpft ist.

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