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Coronavirus:Ein Erreger, viele Fragen

Coronavirus: Forscher in Deutschland auf der Suche nach einem Impfstoff

Forscher des Instituts für Virologie der Philipps-Universität Marburg sind an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus beteiligt.

(Foto: dpa)

Welche Symptome weisen auf eine Corona-Infektion hin? Wie ansteckend ist die Krankheit? Ist ein Mundschutz sinnvoll? Was über das neue Virus bekannt ist.

Die Zahl der Toten durch das neue Coronavirus in China ist wieder schneller gestiegen als in den Tagen zuvor. Innerhalb eines Tages waren bis Donnerstag 73 neue Todesfälle zu beklagen, wie die chinesische Gesundheitskommission in Peking berichtete. Damit stieg die Zahl der Toten in China auf 563. Die bestätigten Infektionen mit der Lungenkrankheit kletterten auch stark um 3694 auf 28 018 Fälle. Die Kommission sprach von mehr als 24 000 Verdachtsfällen. Auch unter Ärzten und Pflegern gibt es viele Infektionen.

In Deutschland gibt es zurzeit dreizehn nachgewiesene Fälle. Am Mittwoch forderte der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO die Staatengemeinschaft dazu auf, sich auf eine Pandemie vorzubereiten. Laut Tedros Adhanom Ghebreyesus wird die WHO 250 000 Tests an 70 Labors, sowie Masken und Anzüge in 24 Länder schicken. Um insbesondere ärmeren Ländern mit marodem Gesundheitssystem zu helfen, forderte Tedros am Mittwoch 675 Millionen Dollar von der Weltgemeinschaft. "Das ist eine Menge Geld, aber es ist weit weniger, als es kosten wird, wenn wir uns jetzt nicht vorbereiten. Ohne Solidarität können wir diesen Ausbruch nicht begrenzen."

Die SZ fasst zusammen, was man jetzt wissen sollte.

Mein Kind hat Fieber, ist es das neue Coronavirus?

Wenn das Kind nicht gerade in China war, oder mit jemandem Kontakt hatte, der in China war, ist es höchstwahrscheinlich nicht das Coronavirus. Influenzaviren breiten sich zurzeit rapide in Deutschland aus. Auch einfache Erkältungen greifen gerade um sich. Wer sich krank fühlt, sollte zum Hausarzt oder zur Hausärztin gehen. Sie können beurteilen, ob ein Test auf das neue Coronavirus angezeigt ist.

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Woran erkennt man eine Infektion?

Ohne einen Test im Labor lässt sich eine Infektion mit dem neuen Virus nicht sicher diagnostizieren. Zu Beginn kann sich die Infektion wie eine gewöhnliche Erkältung mit Husten und Fieber anfühlen. In schweren Fällen kann sich eine Lungenentzündung entwickeln und Atemnot hinzukommen. Die Inkubationszeit der neuen Coronaviren liegt zwischen zwei und 14 Tagen. Influenzaviren hingegen machen meist schlagartig sehr krank, mit Fieber und Gliederschmerzen ein bis zwei Tage nach der Infektion. Hat man den Verdacht, an einer Infektionskrankheit zu leiden, sollte man seinen Arzt anrufen. Unbedingt sagen, falls und weshalb man den Verdacht hat, das Coronavirus zu haben.

Wie gefährlich ist der neue Erreger?

Anhand der Daten aus China schätzen Experten die Sterblichkeit durch das Virus auf etwas mehr als zwei Prozent der Infizierten. Es ist jedoch möglich, dass es sehr viel mehr Infektionsfälle gibt, als die bislang bekannten. Dann würde der Anteil der Verstorbenen sehr viel geringer ausfallen. Für Menschen mit Vorerkrankungen scheinen die Viren besonders gefährlich zu sein. Rund 17 Prozent der Infzierten erkranken schwer, acht Prozent müssen künstlich beatmet werden. In den meisten Fällen löst das Virus jedoch nur schwächere oder sogar gar keine Symptome aus.

Wie zuverlässig ist der Test auf das Virus?

Der Test gilt als sehr zuverlässig. Allerdings ist kein Test je hundertprozentig treffsicher. Zudem können Fehler in der Entnahme oder Handhabung der Proben das Ergebnis verfälschen.

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Warum müssen Verdachtsfälle isoliert bleiben, wenn der Test negativ ausfällt?

Die derzeit verfügbaren Tests weisen Erbgutstücke des Coronavirus in Abstrichen oder Spülungen der Atemwege nach. Bei symptomfreien Verdachtsfällen kann es sein, dass die Zahl der Viren noch zu gering für diesen Nachweis ist. Diese Personen müssen isoliert oder unter häuslicher Quarantäne bleiben, bis die Inkubationszeit von zwei Wochen vorüber und keine Erkrankung aufgetreten ist.

Wie kann man sich schützen?

Warmes Wasser und Seife sind die besten Waffen gegen die meisten Infektionskrankheiten und auch gegen das neue Virus. Die WHO empfiehlt häufiges Händewaschen als erste Schutzmaßnahme. Abstand halten zu seinen Mitmenschen macht es Viren ebenfalls schwer, neue Wirte zu finden. Ist jemand mit dem Virus infiziert, verteilen sich mit jedem Atemzug Viruspartikel in der Umgebungsluft. Ein bis zwei Meter Mindestabstand empfiehlt das Robert-Koch-Institut (RKI), wenn jemand hustet, niest oder sonst wie "krankheitsverdächtig" ist. "Diese Maßnahmen sind in Anbetracht der Grippewelle aber überall und jederzeit angeraten", heißt es auf der Webseite des RKI. Außerdem gilt: Hände raus aus dem Gesicht. So verhindert man, dass Viren, die man an Türklinken oder anderen Oberflächen aufgenommen hat, in Augen, Nase oder Mund gelangen. Das sind die wesentlichen Einfallstore für Viren dieser Art in den menschlichen Körper. Regelmäßige Nasenspülungen mit Salzwasser schützen laut WHO nicht vor dem Erreger.

Hilft ein Mundschutz?

Tragen Kranke eine Gesichtsmaske, so verteilen sie zumindest weniger Viren in der Umgebung. Unter Umständen kann eine Maske auch vor Infektionen schützen. In jedem Fall erinnert eine Maske daran, nicht mit den Fingern ins Gesicht zu fassen.

Wie lange lebt das Virus außerhalb des menschlichen Körpers?

Dazu gibt es noch keine zuverlässigen Angaben. Die WHO macht auf ihrer Webseite jedoch klar, dass von gewöhnlichen Paketlieferungen aus China keine Gefahr ausgeht. Auch eine Übertragung durch Lebensmittel ist unwahrscheinlich, solange die Hygieneregeln eingehalten werden.

Wird das Virus übertragen, bevor Symptome auftauchen?

Das ist noch strittig. Es ist davon auszugehen, dass bereits Patienten mit ersten, sehr schwachen und unklaren Symptomen wie Rückenschmerzen das Virus übertragen können. In einer aktuellen Untersuchung haben Forscher der Charité in Berlin, des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr und des Klinikums Schwabing in München gezeigt, dass bei den deutschen Patienten trotz schwacher Krankheitszeichen Viren in den Schleimhäuten der Nase zu finden sind. Auch das ist ein Zeichen, das selbst vor Kurzem infizierte Menschen ansteckend sein könnten. Die Mehrheit der Infektionen geht aber von Erkrankten mit ausgeprägter Symptomatik aus.

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