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Atemwegserkrankung:Was über das neuartige Coronavirus bekannt ist

Coronavirus Reisende

Furcht vor dem unbekannten Virus: Flugreisen auf einem Airport in Toronto

(Foto: AP)

Das Coronavirus aus China greift weiter um sich. Immer mehr Länder und auch Deutschland melden Infektionen und Verdachtsfälle. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Virus "2019-nCo".

Was sind Coronaviren?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO nennt das Virus bislang "2019-nCoV". Wie das Middle East Respiratory Syndrome (Mers) oder das Severe Acute Respiratory Syndrome (Sars) gehört es zur Familie der Coronaviren, allesamt recht große Exemplare mit einer Hülle, die üppig mit Molekülen gespickt ist. Die brauchen sie zum Beispiel, um in Zellen einzudringen und sich dort zu vermehren. Diese Moleküle verleihen den Viruspartikeln unter einem Mikroskop ein Aussehen wie eine Krone, daher der Name Coronavirus.

Diese Viren können sowohl Menschen als auch verschiedene Tiere infizieren, darunter Vögel und Säugetiere. Bei Menschen verursachen sie unterschiedliche Beschwerden, von gewöhnlichen Erkältungen bis hin zu gefährlichen oder sogar potenziell tödlich verlaufenden Krankheiten wie Sars und Mers.

Wie gefährlich ist der neue Erreger?

Anhand der Daten aus China schätzen Experten die Sterblichkeit durch das Virus auf etwas mehr als zwei Prozent der Infizierten. Es ist jedoch möglich, dass es sehr viel mehr Infektionsfälle gibt, als die bislang bekannten. Dann würde der Anteil der Verstorbenen sehr viel geringer ausfallen. Für Menschen mit Vorerkrankungen scheinen die Viren besonders gefährlich zu sein. Rund 17 Prozent der Infzierten erkranken schwer, acht Prozent müssen künstlich beatmet werden. In den meisten Fällen löst das Virus jedoch nur schwächere Symptome aus, die an eine Grippe erinnern, dazu zählen etwas Husten, Fieber und Kurzatmigkeit.

Wie wird das Virus übertragen?

Ziemlich sicher gelangen Viren per Tröpfcheninfektion von einem Menschen zum anderen, etwa wenn ein Infizierter niest oder hustet und jemand in der Nähe die ausgestoßenen Tröpfchen einatmet. Vielleicht wird es auch per Schmierinfektion übertragen. Dabei nimmt man Viren von einer kontaminierten Hand oder Oberfläche auf und transportiert sie ins Gesicht - wenn man sich unbewusst an der Nase kratzt oder die Augen reibt.

Wie kann man sich schützen?

Die üblichen Hygienemaßnahmen, die auch vor Erkältungen, Grippe- und Durchfallviren schützen, bewahren am besten vor einer Ansteckung: regelmäßiges und sorgfältiges Händewaschen mit Seife und warmem Wasser, "Husten- und Nies-Etikette" einhalten, wie das Robert-Koch-Institut schreibt, also in die Armbeuge zielen oder besser in ein Taschentuch und dieses gleich entsorgen, Abstand halten zu Erkrankten.

Ein Mundschutz bietet nur bedingt Schutz. Ob er funktioniert, hängt von vielen Faktoren ab: Wird die Maske richtig und konsequent getragen? Schließt sie überall bündig mit der Haut ab? Wird sie regelmäßig gewechselt? Wie gut filtert die Maske? Ein Mundschutz hilft jedoch auch unabhängig von der Porengröße: Er erinnert den Träger und die Trägerin daran, nicht mit den eigenen Fingern ins Gesicht zu fassen. Denn die Schleimhäute von Augen, Mund und Nase sind die wichtigsten Einfallstore für viele Virusarten. Und ziemlich sicher schützt man mit einer Maske andere Menschen, wenn man selbst krank ist.

Ab wann streut ein Infizierter neue Viren?

In dieser für den Seuchenschutz sehr wichtigen Frage verdichtet sich zunehmend die Gewissheit, dass auch Menschen, die keine Symptome zeigen bereits infektiös sein können. Der erste in Deutschland nachgewiesene Coronavirus-Fall deutet darauf ebenfalls hin. Ein 33-Jähriger hatte sich offenbar bei einer chinesischen Kollegin angesteckt, die zu einem Seminar in den Landkreis Starnberg gekommen war. Die Frau hatte erst während ihres Rückflugs Symptome gespürt und später, als ihre Infektion bestätigt war, die Firma informiert. Erst auf diesen Hinweis hin wurde der Mann, der nur über leichtere Atemwegsbeschwerden klagte, als erster Coronavirus-Patient Deutschlands identifiziert. Solche asymptomatischen Infektionen machen die Seuchenkontrolle um einiges schwieriger.

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Wo kommt der Erreger her?

Wahrscheinlich ist, dass das neue Virus von einem Tier stammt. Sars und Mers zirkulierten lange Zeit in Fledermäusen, wahrscheinlich ohne diese krank zu machen, bis die Erreger über Zwischenwirte auf den Menschen sprangen. Schleichkatzen halfen Sars beim Wirtswechsel, Mers kam über Kamele zum Menschen. Auch nCoV scheint aus Fledermäusen zu stammen, der Zwischenwirt ist jedoch noch nicht gefunden. Es gibt eine molekularbiologische Untersuchung, nach der es den Anschein hat, dass nCoV von Schlangen auf Menschen wechselte. Das wäre ein Novum. Schlangen wurden zwar auf dem Markt in Wuhan verkauft, der als Ursprung der Seuche gilt, dennoch glauben die meisten Virologen nicht an einen solchen ungewöhnlichen Wirtswechsel. Wildtiere, die auf Märkten auf engstem Raum angeboten werden, sind bekannte Brutstätten für neue Viren, die sich verändern und auch auf Menschen übertragen werden können.

Wie werden Erkrankte behandelt?

Weltweit wird nach einem wirksamen Medikament oder einem Impfstoff gesucht, aber das kann Jahre dauern. Laut Robert-Koch-Institut steht bislang keine spezifische Therapie zur Verfügung. Betroffene Patienten werden bisher nur mit gängigen Medikamenten behandelt. Als "sehr wirkungsvoll" hat sich jedoch laut RKI eine unterstützende Behandlung erwiesen. Dazu gehört die zusätzliche Gabe von Sauerstoff und weitere Hilfen zur Beatmung, zusätzliche Flüssigkeit und gegebenenfalls auch die Gabe von Antibiotika zur Behandlung von bakteriellen Begleitinfektionen.

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Gibt es Tests für das neue Coronavirus?

Ja, es gibt einen Test speziell für das Coronavirus. Sofort nach der Entzifferung der Erbgutsequenz des neuartigen Erregers machten sich Labore daran, einen Test zu entwickeln, mit dem sich möglichst sicher nachweisen lässt, ob ein Patient mit dem Erreger infiziert ist.

Wie lang ist die Inkubationszeit?

Zwischen Infektion und Auftreten der ersten Symptome können nach Angaben der amerikanischen Seuchenschutzbehörde CDC zwei bis vierzehn Tage vergehen.

© SZ.de/hij/lala/bix/stein
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