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Covid-19:Zweifel an chinesischen Impfstoffen

Corona-Impfung in China

Eine Covid-19-Impfung in der chinesischen Stadt Wuhan

(Foto: Getty Images)

Die Wirksamkeit chinesischer Impfstoffe gegen Covid-19 wird international seit Langem infrage gestellt. Nun räumte sogar Pekings oberster Seuchenschützer ein, dass die Vakzine keine hohe Schutzwirkung haben.

Von Christina Berndt

So wie Sputnik V für Russland waren auch die chinesischen Corona-Impfstoffe immer mehr als nur ein Mittel gegen Covid-19. Sie sollten neben der körpereigenen Abwehr stets auch das Nationalgefühl und die landeseigene Abwehr gegen Kritik von außen stärken. Umso außergewöhnlicher ist das Statement, das Gao Fu am Samstag während einer Konferenz in Chengdu im Südwesten der Volksrepublik abgab: Die Wirksamkeit der chinesischen Corona-Impfstoffe sei nicht besonders gut, sagte der Leiter der Pekinger Seuchenschutzbehörde chinesischen Staatsmedien zufolge: Sie "haben keine sehr hohe Schutzrate."

Gao räumte damit erstmals ein, was internationale Erfahrungen schon an den Tag gebracht haben, zum Beispiel in Brasilien. Dort schützte der Impfstoff der Firma Sinovac, eines von fünf chinesischen Vakzinen, in einer klinischen Studie lediglich jeden zweiten Geimpften vor einer mit Symptomen verbundenen Infektion mit Sars-CoV-2. Auch in Chile, wo schon viele Millionen Menschen den Sinovac-Impfstoff erhalten haben, kam eine Studie zu einem ähnlichen Ergebnis.

In Chile stieg die Zahl der Infektionen, obwohl schon viele Menschen geimpft waren

Schon im März war in Chile aufgefallen, dass sich die Corona-Infektionen dramatisch häuften, obwohl das Land eine effektive Impfkampagne vorweisen kann: Mitte Februar waren dort bereits mehr als elf Prozent der Bevölkerung geimpft, als die EU noch kaum die Fünf-Prozent-Marke erreicht hatte - allerdings mit Sinovac. Und in den Vereinigten Arabischen Emiraten waren im vergangenen Monat Impflinge zu einer dritten Dosis eines anderen chinesischen Impfstoffs der Firma Sinopharm eingeladen worden, nachdem sich gezeigt hatte, dass ihre Immunantwort nicht ausreichend war.

Die chinesische Regierung bleibt zwar dabei, dass Sinovac schwere Krankheitsverläufe zu 80 Prozent verhindern könne. Dies bestätigen auch die brasilianischen Daten, wonach Geimpfte zu 84 Prozent vor einer Einweisung ins Krankenhaus und zu 100 Prozent vor Tod durch Covid geschützt sind. Doch die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna verhindern mehr als 95 Prozent aller symptomatischen Infektionen. Gao Fu sagte daher: "Jeder sollte die Vorteile in Betracht ziehen, die mRNA-Impfstoffe der Menschheit bringen können. Wir müssen sie sorgsam verfolgen und sie nicht ignorieren, nur weil wir bereits mehrere Impfstoffe haben."

Um die Wirksamkeit seiner Impfstoffe zu erhöhen, erwägt China Gao zufolge nun, verschiedene Präparate zu vermischen. Die Behörden müssten "über Wege nachdenken, wie das Problem gelöst werden kann, dass die Wirksamkeit der existierenden Impfstoffe nicht hoch ist", sagte Pekings oberster Seuchenschützer während der Konferenz, auch wenn er am Sonntag zurückruderte: Die internationale Interpretation seiner Bemerkungen sei ein "Missverständnis", sagte er der Global Times, einem Organ der Kommunistischen Partei Chinas. "Die Schutzraten von allen Impfstoffen in der Welt sind manchmal hoch und manchmal niedrig. Wie ihre Wirksamkeit verbessert werden kann, ist eine Frage, die von Wissenschaftlern rund um die Welt bedacht werden muss."

In China wurden mittlerweile 161 Millionen Dosen einheimischer Impfstoffe verabreicht, zudem hat das Land Hunderte Millionen Impfdosen exportiert und dabei immer wieder aktiv Zweifel an westlichen Impfstoffen gesät. So begannen die chinesischen Behörden im März wieder damit, Visa für Einreisende aus ausgewählten Ländern auszustellen - aber nur unter der Voraussetzung, dass sie zuvor mit einem chinesischen Impfstoff geimpft wurden.

© SZ
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