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Europäischer Impfausweis:Digitaler Impfpass kommt von IBM und Kölner Start-up Ubirch

Warum der gelbe Impfpass für Reisende so wichtig ist

Soll bald EU-weit eine digitale Ergänzung bekommen: Der gelbe internationale Impfausweis ist schon heute ein wichtiges Reisedokument.

(Foto: Sophia Kembowski/dpa)

Der Nachweis soll in der gesamten EU funktionieren und Geimpften unnötige Einschränkungen ersparen.

Von Max Muth

Der US-Technologiekonzern IBM hat die Ausschreibung für den digitalen Impfnachweis in Deutschland gewonnen. Das lässt sich seit Montag im europäischen Ausschreibungsportal TED nachlesen. Für die Entwicklung bekommt IBM 2,7 Millionen Euro, dafür soll die Firma "eine Impfnachweis-App, eine Prüf-App und ein Backendsystem für die Integration in Arztpraxen und Impfzentren" liefern. Der Nachweis soll auf dem Smartphone gespeichert werden können und den gelben Papier-Impfpass ergänzen. Der US-Konzern setzte sich unter anderem gegen die Deutsche Telekom durch, die mit SAP die deutsche Corona-Warn-App gebaut hatte. Gültig wird der Vertrag des Bundesgesundheitsministeriums mit IBM nach zehn Tagen Einspruchsfrist.

Ganz überraschend kommt die Vergabe an IBM nicht, der Konzern hat schon mehrere Ausschreibungen im deutschen Gesundheitswesen gewonnen. So kam er bei der elektronischen Patientenakte zum Zug, das E-Rezept liefert er mit dem Start-up E-Health-Tec aus Berlin. Auch beim digitalen Impfnachweis hat sich IBM mit einer jungen deutschen Firma zusammengetan.

Kölner Start-up liefert die Technologie

Nach SZ-Informationen kommt die Technologie für den Impfnachweis vom Start-up Ubirch aus Köln. Ubirch-CEO Stephan Noller sagte, er sei überrascht über den Zuschlag für das Konsortium. "Geholfen hat sicherlich, dass wir schnell liefern können", sagt er.

Das Unternehmen hat sein System schon in zwei Landkreisen eingerichtet: Ende Januar im oberbayerischen Altötting und Mitte Februar im Zollernalbkreis in Baden-Württemberg. An beiden Orten bekommen Bürger mit der zweiten Corona-Impfung den digitalen Impfausweis der Firma in Form eines QR-Codes auf einer Plastikkarte. Der Code verweist auf einen Impfstatus, den Behörden und andere befugte Stellen abfragen können sollen. Verschlüsselt gespeichert liegt der eigentliche Impfnachweis auf verschiedenen Blockchains. Laut den Anforderungen der Bundesregierung soll der Impfstatus aber auch offline prüfbar sein.

Die Lösung mit dem QR-Codes auf Kärtchen war ursprünglich gar nicht vorgesehen, sagt Ubirch-Chef Stephan Noller. Doch der Altöttinger Landrat Erwin Schneider (CSU) wollte den Bürgern etwas Handfestes geben, die kreditkartenähnlichen Ausweise boten sich an. Die bisherigen Versuche zeigen Noller zufolge, dass die bislang überwiegend älteren Geimpften den "Ausweis" sehr schätzen. Bislang können die Bürger damit zwar noch nichts anstellen, doch vielen gibt er schon ein gutes Gefühl. Nach der Entscheidung der Bundesregierung für IBM und Ubirch dürfte der Ausweis bald praktisch einsetzbar sein, etwa bei Reisen ins europäische Ausland.

Hauptaufgabe von IBM und Ubirch wird nun sein, die von der Bundesregierung gewünschten Apps und die Anbindung an Arztpraxen zu bauen sowie die Interoperabilität mit EU-weiten Lösungen sicherzustellen. Die EU will demnächst den europäischen Standard beschließen. Die Staats- und Regierungschefs haben bereits angekündigt, mehrere Lösungen zuzulassen, die kompatibel sein sollen.

© SZ/jab
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