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Interview am Morgen: Digitaler Impfnachweis:"Microsoft will das bauen - wir haben's schon"

Landrat Erwin Schneider

Seit gut 20 Jahren Landrat im Landkreis Altötting: Erwin Schneider (CSU).

(Foto: Landratsamt)

Der Landkreis Altötting bietet von dieser Woche an Geimpften ein digitales Zertifikat als Nachweis an. Landrat Erwin Schneider glaubt, dass seine Bürger es bald brauchen könnten.

Interview von Max Muth

Erwin Schneider (CSU) ist seit mehr als 20 Jahren Landrat im Landkreis Altötting in Oberbayern. Mit einem digitalen Impfnachweis will er den Geimpften in seinem Landkreis ein Dokument an die Hand geben, das sie vielleicht schon bald für Reisen ins Ausland brauchen werden. Geimpfte erhalten einen gedruckten Code, der mit dem Handy auslesbar ist. Später soll er auch rein digital auf dem Handy selbst gespeichert werden können. Wie das Pilotprojekt mit Technologie der Kölner Firma Ubirch zustande gekommen ist, erklärte Schneider in einem Videotelefonat.

SZ: Herr Schneider, in der Bundespolitik wird emotional über Impfpflichten und Privilegien für Geimpfte diskutiert. Für solche Privilegien bräuchte man einen digitalen Impfnachweis. Während im Bund noch debattiert wird, soll es diesen Nachweis bei Ihnen schon von dieser Woche an geben.

Erwin Schneider: Also im Prinzip läuft das jetzt schon, aber am Donnerstag oder Freitag gibt es die ersten Zweitimpfungen. Und wir brauchen eine solche bestätigte Zweitimpfung, bevor wir einen Nachweis offiziell ausstellen dürfen.

Das als Landkreis einfach so zu machen, während im Bund noch debattiert wird, ist schon ein bisschen ungewöhnlich, oder?

Also ich finde das gar nicht so besonders, weil ich in diesen Dingen gern proaktiv bin, aber es scheint schon ein bisschen Neuland zu sein, zumal ich gestern im Radio gehört hab, dass Microsoft und Oracle gerade dabei sind, so etwas aufzubauen. Da habe ich mir gedacht: "Mensch, wir haben's schon."

Ihre Geimpften bekommen von dieser Woche an einen digitalen Nachweis ihrer Impfung, wenn sie das wollen. Vorteile haben die geimpften Altöttinger dadurch aber keine?

Natürlich nicht. Die Diskussion über Privilegien und Derartiges ist ohnehin noch ein bisschen verfrüht. Aber mir war schon vor ein paar Monaten klar, dass das Thema kommen wird. Und wenn es nicht national kommt, dann wird es international kommen. Also wenn man irgendwo einreisen will, nehmen wir zum Beispiel Israel. Dort ist man mit der Impfung schon weiter, und sie werden so etwas verlangen. Deshalb habe ich eine Möglichkeit gesucht, unsere Bürger dafür vorzubereiten.

Mussten Sie lange suchen?

Zuerst hatten wir eine andere Variante: Wir drucken eine Scheckkarte aus, mit Bild, und da kommen noch die beiden Impftermine sowie der Impfstoff darauf. Diese Scheckkarte könnte dann jeder haben. Wie das akzeptiert wird, ist natürlich eine andere Frage. Aber dann habe ich mit einem jungen Bürgermeister bei uns im Landkreis geredet, und er hat mir gesagt: 'Des is a oida Huat, des is old fashioned, des brauchst du digital.'

Was passierte dann?

Dann hab ich mit dem Rudi Schleyer von der AKDB geredet. Dort sitze ich im Verwaltungsrat. Schleyer hat gesagt: So etwas haben wir. Dann hab ich gesagt, machen wir's gemeinsam, das rollen wir aus. So ist das entstanden. Da war auch ein bisschen ein Zufall dabei.

Was ist die AKDB?

Das ist die Anstalt für kommunale Datenverarbeitung in Bayern, die gehört den Städten und Gemeinden in Bayern. Sie sind unser Dienstleister für EDV-Anwendungen. Daher kommt auch die Software für den Führerschein, die Kfz-Zulassung, die Einwohnermeldedaten. Sie haben auch für solche digitale Nachweise schon eine Technologie, die von der Firma Ubirch kommt.

In Israel gibt es bald einen digitalen "grünen Pass" als Impfnachweis. Sind die Altöttinger die Ersten in Deutschland, die so eine Technologie einsetzen?

In Deutschland haben wir da momentan ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal, glaube ich. Aber das wird hoffentlich nicht lange so bleiben.

© SZ/jab
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