Plagiatsvorwurf gegen Ursula von der Leyen Prüfer gehen nicht jedem Plagiatsverdacht nach

Annette Schavan hat zuletzt ihren Doktortitel verloren, nachdem sie des Plagiats überführt wurde. Wäre das bei Ursula von der Leyen auch die logische Konsequenz?

Das muss die Kommission der Medizinischen Hochschule Hannover entscheiden, die sich jetzt mit der Dissertation befasst. Ich denke, dass die Arbeit und der damit erworbene Titel nicht einfach akzeptiert bleiben dürfen, wenn klar ist, dass die Verfasserin vorsätzlich getäuscht hat. Sobald ein Plagiat in einer Arbeit erkannt wurde, muss das in der Wissenschaft deutlich kommuniziert und die Arbeit entsprechend gelabelt werden. Es dient dem wissenschaftlichen Fortschritt nicht, wenn solche Dissertationen weiterhin in Bibliotheken stehen und von anderen Forschern als reguläre Quellen verwendet werden.

Für eine Doktorarbeit wie die von Ursula von der Leyen gibt es einen Betreuer und zwei Korrektoren. Warum fallen Plagiate dennoch so häufig niemandem auf?

Nur weil sie nicht moniert werden, muss das nicht heißen, dass sie niemandem aufgefallen sind - ohne dies im Fall von der Leyen unterstellen zu wollen. Leider scheuen einige Prüfer an den Universitäten den Aufwand, jedem Plagiatsverdacht nachzugehen. Definitiv beschäftigen sich diejenigen, die Studenten auf wissenschaftliche Arbeiten vorbereiten und sie dann auch bewerten sollen, noch viel zu wenig mit Plagiatsprüfung und -prävention. An vielen Hochschulen fehlt auch die institutionelle Unterstützung - und der Faktor Zeit sowie Leistungsdruck spielen natürlich eine Rolle. Manche Betreuer sind für so viele Doktoranden verantwortlich, dass eine umfängliche Betreuung der Arbeit und später eine gründliche Begutachtung der Arbeit nicht stattfinden. Da lautet die Einschätzung des Zweitgutachters gerne mal: "Ich schließe mich dem Gutachten meines Kollegen an." Ziemlich unwahrscheinlich, dass die Arbeit bei so einem Ein-Satz-Gutachten wirklich aufmerksam gelesen wurde. Problematisch sind auch sogenannte Gefälligkeitsgutachten, wo beide Augen vor Schwächen der Arbeit - inklusive Plagiate - zugedrückt werden, um die Anwärter von Titeln durchzuwinken.

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Eine Masterarbeit für 7500 Euro: Akademischer Betrug hat Konjunktur, trotz aller Skandale um Plagiate und Fehlverhalten in der Wissenschaft. Zu Besuch bei einer florierenden Ghostwriting-Agentur.   Von Matthias Kohlmaier

Gerade Doktorarbeiten im Fach Medizin haben seit langem einen schlechten Ruf. Zu Recht?

Ein medizinisches Studium ist meist so aufgebaut, dass extrem viel Wissen in wenig Zeit aufgenommen und reproduziert werden soll. Wie wissenschaftliches Arbeiten funktioniert, das lernen Medizinstudenten zwar auch kurz. Dies geht unter all dem Auswendiglernen aber schnell verloren. Dass die Dissertationen dann in vielen Fällen wenig taugen, ist kein Wunder.

In der Medizin ist die Bearbeitungszeit und Länge von Doktorarbeiten auch meist deutlich geringer als in anderen Disziplinen.

Im Durchschnitt ist das definitiv so. Dissertationen in der Medizin würden in anderen Disziplinen oft gerade einmal den Ansprüchen einer Bachelorarbeit genügen. Die Standards sind relativ gering. Eine durchschnittliche medizinische Doktorarbeit dürfte daher meist nicht als Indikator dafür taugen, dass der Verfasser wissenschaftlich arbeiten kann, was eigentlich ein Ziel einer solchen Arbeit ist. Häufig haben wir es hier nur mit kurzen Literaturüberblicken zu tun und wenig tiefgründigen Auswertungen einiger Krankenhausdaten.

Die vergleichsweise dürftigen Arbeiten könnten damit zu tun haben, dass Mediziner aus den falschen Gründen promovieren.

Einigen Promovenden geht es mit Sicherheit nicht darum, eine gute Arbeit zu schreiben, sondern darum, den Titel "Dr. med." zu bekommen. Aus wissenschaftlicher Sicht ist das sehr traurig. Denn eigentlich soll es einem Forscher ja um den Erkenntnisgewinn gehen und nicht um eine bloße Namensverlängerung aus Status- und Profitinteressen.

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Könnten die Plagiatsvorwürfe von der Leyen das Ministeramt kosten?

Ursula von der Leyen soll für ihre Doktorarbeit abgeschrieben haben. Bisher sind es nur Vorwürfe. Sollten sich diese erhärten, könnte es eng für die Verteidigungsministerin werden.