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Kirche in Bayern:Mesner dringend gesucht

Jugendkorbinian

Das Schwingen von Weihrauch, wie hier im Mariendom in Freising, kann ebenfalls zu den Aufgaben eines Mesners gehören.

(Foto: Marco Einfeldt)

In Cham ist ein sicherer Job frei, den niemand machen will. Kandidaten, die sich im ersten Anlauf beworben hatten, machten im letzten Moment einen Rückzieher.

Glosse von Johann Osel

Wer weiß, vielleicht hat sich ja die Geschichte mit dem Teufel im Kirchturm in der Gegend herumgesprochen. Mit Sagen und Anekdoten aus der Gemeinde Stamsried im Landkreis Cham hat der im Frühjahr gestorbene Johann Oswald, als "Macherl-Schouster" bekannt, die Leute begeistert. Das Bayerwald-Echo druckte diese überlieferten Schätze regelmäßig. Eine Erzählung handelt vom Mesner, der die Abendglocken läuten will und im Turm Stimmen hört: "Mir einen, dir einen!" Er meldet dem Pfarrer, dass da droben Herrgott und Teufel die Seelen der Gemeinde unter sich aufteilten, wohl gerade die der beiden Männer der Kirche. In Wahrheit waren es zwei Apfeldiebe, die im Pfarrgarten gestohlen hatten und ihre Beute prüften. Ohne die Pointe freilich erscheint der Job des Mesners wenig begehrenswert.

Ist das der Grund für die aktuelle Malaise in der Pfarrei Sankt Jakob in Cham? Dort wird dringend ein Mesner gesucht, Bezug zur katholischen Kirche und Geschick für Hausmeisteraufgaben sind nötig. Schreckhaft und abergläubisch sollte man nicht sein, wenn man sich die Legende vom Macherl-Schouster anschaut. Wobei das als Grund letztlich wegfällt, schließlich wird das Problem fehlender Mesner bayernweit beklagt.

Zum zweiten Mal hat der Chamer Stadtpfarrer jetzt die Stelle ausgeschrieben. Im ersten Anlauf haben sich zwar Kandidaten beworben - machten aber im letzten Moment einen Rückzieher. Das Salär hat eine Rolle gespielt. Horcht man sich um in Bayern, erfährt man: Auch das Arbeiten am Sonn- und Feiertag behagt Bewerbern oft nicht, generell herrscht keine richtige Vorstellung vom Beruf. Eine schwäbischen Pfarrei teilt mit: "Viele sind sich nicht bewusst, was es heißt, Mesner zu sein." Erst bei Nachfragen werde klar, was damit alles verbunden ist: von der Vorbereitung der Gottesdienste über die Betreuung von Ministranten bis hin zu eben Handwerk und Hausmeisterei.

In Cham geht man nun offensiv vor, die Ausschreibung nennt sogar die Handynummer des Pfarrers. Es bliebe noch gezieltes Headhunting in der kommunalen Belegschaft. Das Beispiel Roding, ebenfalls im Kreis Cham, gibt Hoffnung: Denn da hat zum Jahresbeginn ein junger Straßenwärter der Stadt als Mesner angefangen.

© SZ vom 17.11.2020/infu/syn
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