bedeckt München

Und jetzt?:"Wir haben jetzt ganz andere Möglichkeiten"

"Ein bisschen Normalzustand herstellen" - Margarethe Stadlbauer, diesjährige Faschingsprinzessin.

(Foto: Catherina Hess)

Margarethe Stadlbauer, Münchens Narrhalla-Faschingsprinzessin, die normalerweise von einem Termin zum nächsten eilen würde, hat jetzt nichts zu tun? Von wegen

Interview von Anton Kästner

Im normalen Leben leitet Margarethe Stadlbauer das Referat für regionale Veranstaltungen der Hanns-Seidel-Stiftung. Doch jetzt ist die 34-Jährige als diesjährige Münchner Faschingsprinzessin gefordert. Auf absolutem Faschingsneuland: Gemeinsam mit Prinzgemahl Bernie Filser muss sie ihre Faschingsbegeisterung jetzt digital verbreiten. Geht das überhaupt?

SZ: Frau Stadlbauer, wie sieht Ihr Alltag denn aus als Faschingsprinzessin?

Margarethe Stadlbauer: Normalerweise finden 80 Prozent unserer Auftritte in Altersheimen, Kindergärten oder Krankenhäusern statt. Die Idee ist, die Menschen, die nicht so einfach am Fasching teilnehmen können und die vielleicht auch einen nicht so abwechslungsreichen und spannenden Alltag haben, zum Lachen zu bringen. Den Rest der Zeit sind wir dann in normalen Jahren auf Bällen, der Narrhalla Soirée oder bei der Verleihung des Karl-Valentin-Ordens. Und wir haben jedes Mal ein Verkleidungsmotto, nach dem Motto üben wir unseren Tanz und präsentieren den.

Im vergangenen Jahr war das Motto die Wiener Melange. Dieses Jahr ist aber ohnehin alles anders.

Ja. Und wir hatten vom Präsidium total freie Hand. Wir haben zum Beispiel zum Faschingsstart am Mittwoch gleich einen Livestream gemacht.

Was ist sonst geplant?

Wir werden Grußbotschaften aufnehmen, individualisiert für verschiedene Altenheime. Und dann auch unsere Tänze per Video schicken. Wenn aber zum Beispiel ein Altenheim auch einen Innenhof hat, in dem die Leute einfach außen um uns herum stehen können, hinter ihren Fenstern, dann überlegen wir uns gerade, ob wir mit der Garde draußen doch einen Auftritt machen können. Oder wir ermuntern die Leute, sich schön daheim anzuziehen, sich einen Punsch zu machen, für den wir das Rezept mitliefern, dazu vielleicht ein Gebet und dann singen wir zusammen. Wir haben einige Ideen.

Wie sind Sie denn eigentlich Prinzessin geworden?

Die Narrhalla hat gefragt und gesagt: "Margarethe, das wär doch was für dich. Du bist doch online sehr aktiv." Sie hatten offenbar mitbekommen, dass ich moderiere und bei der Stiftung schon mehr als 25 Sendungen mit Auslandsrepräsentanten gemacht habe.

Auch bei einem Online-Fasching könnte man ja den Karneval aus anderen Ländern einbeziehen.

Absolut. Man muss sagen: Wir haben jetzt ganz andere Möglichkeiten. Wir werden nicht nur münchenweit, sondern wir können weltweit denken. Und wir können jetzt auch Menschen, etwa im Krankenhaus erreichen, die wir bisher nie erreicht haben - weil jemand nicht mobil ist oder wir nicht auf die Zimmer durften. Jetzt kann uns jeder mit seinem Smartphone auf dem Display haben, mit uns mitfeiern und mitreden.

Sehen Sie darin auch Ihre Aufgabe als Prinzessin? Die Menschen miteinander zu verbinden?

Der Fasching ist ja eigentlich jedes Jahr eine Art Ausstieg aus dem Alltag. Der Fasching ist dann ein Ausnahmezustand, genauso wie auch die Wiesn. Normalerweise ist es dann ja so, dass man mit Faschingsbeginn vom Normalzustand in den Ausnahmezustand übergeht. Jetzt haben wir aber mit Corona den Ausnahmezustand als Normalzustand. Das heißt also für uns: Wir müssen wieder ein bisschen Normalzustand herstellen. Die Menschen wieder im Herzen erreichen und mit ihnen lachen. Das ist ja auch für uns eine Premiere, als erstes Münchner Prinzenpaar, das online geht.

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Prinzessin neben dem Faschingsprinzen?

Die Narrhalla ist schon ein sehr traditioneller Verein. Der Prinz spricht immer als Erster, die Prinzessin spricht als Zweite. Dagegen habe ich nichts. Trotzdem sind wir gleichberechtigt, paritätisch besetzt. Ich kenne viele Faschingsgesellschaften, weil ich schon in ganz Bayern im Fasching unterwegs war. Ganz wenige sind so paritätisch besetzt wie wir. Jeder von uns hat etwas anderes, mit dem er die Menschen erreicht.

Sie haben eben Ihre Stärken beim Umgang mit dem digitalen Medium erwähnt. Was planen Sie denn da noch alles?

Wir haben zum Beispiel ein neues Instagram-Profil @prinzenpaarmucofficial. Und wir haben einen Tanz vorbereitet, den man auf Abstand tanzen kann. Den kann jeder zuhause üben. Die ganze Stadt könnte am Ende mittanzen.

© SZ vom 14.11.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema