Söder beim Papst Wer das Kreuz aufhängt, muss damit rechnen, darauf festgenagelt zu werden

Papst Franziskus begrüßt Markus Söder im Vatikan.

(Foto: dpa)

Beim Besuch in Rom verspricht Bayerns Ministerpräsident Söder, mehr für Obdachlose zu tun. Jetzt müssen ihn die Kirchen nur noch in die Pflicht nehmen.

Kommentar von Matthias Drobinski

Gut, das mit dem Tweet ist danebengegangen: "Heute Besuch des heiligen Vaters im Vatikan" hat Markus Söder seiner elektronischen Gefolgschaft verkündet und ein Bild von sich verschickt. Bayerns protestantischer Ministerpräsident als neuer Heiliger Vater im Vatikan? Ansonsten aber kann Markus Söder zufrieden sein mit der Reise nach Rom, just an dem Tag, an dem daheim der Erlass in Kraft trat, dass in den Ämtern des Freistaats ein Kreuz aufzuhängen sei.

Papstaudienzen verlaufen immer so: Es gibt ein schönes Bild und ein Gespräch, das dann der Gast deuten kann, wie er mag - der Vatikan schweigt. So konnte Österreichs Ministerpräsident Sebastian Kurz neulich behaupten, Papst Franziskus und er seien sich einig in der Flüchtlingspolitik, obwohl da vielen Kirchenleuten das Gesicht gefror. Und so konnte jetzt Markus Söder erzählen, wie erfreut der Papst über seinen Plan sei, mehr für Bayerns Obdachlose zu tun - und als Mann dastehen der was fürs Christliche im Land tut, für die Kreuze an der Wand und die Armen auf der Straße.

Vatikan-Besuch

Söder im Land der Kreuze

Das Datum der Audienz ist Zufall, und deutsche Ministerpräsidenten bekommen regelmäßig Termine beim Papst, ob von der Linkspartei oder der CSU. Trotzdem ist der Termin ein Geschenk des Himmels für jene konservativen Kirchenvertreter im Vatikan wie in Bayern, die sich über die heftige Kritik des Münchner Kardinals Reinhard Marx am söderschen Kreuzerlass geärgert haben.

Es streiten ja auch die Christen, ob das Pflichtkreuz in den Behörden ein Übergriff des Staates ist und eine billige Wahlkampfaktion - oder ob es nicht gut ist, dass im Zeitalter der Entchristlichung und der Identitätskrise jemand wieder Kreuze aufhängen lässt. Im Münchner katholischen Ordinariat wie im evangelischen Landeskirchenamt soll es Beschwerden gehagelt haben, weil Kardinal wie Landesbischof sich nicht mit der gewünschten Begeisterung dem Kreuzeszug angeschlossen haben.

Doch Marx und sein evangelischer Amtsbruder Heinrich Bedford-Strohm sehen die Gefahr, die das staatlich verordnete Kreuz für die Kirchen bedeutet: In ihm steckt die Versuchung, sich die schwindende institutionelle Stärke vom Staat zu leihen und ihm dafür Begründung und Identitätsstiftung zu liefern. Das klingt nach einem Geschäft auf Gegenseitigkeit - für die Kirchen und das Christentum im Land hätte das aber einen hohen Preis. Als Schmiermittel des Staates verlöre der Glaube seine beunruhigende, verunsichernde Kraft gegenüber aller Macht und Staatsgewalt, für das gerade das Kreuz steht: Der Gefolterte und sozial Vernichtete ist für die Christen der Erlöser der Menschheit. Das Behördenkreuz ist eine Banalisierung dieses Glaubens - wer nicht widerspricht, macht da mit.

Das Kreuz, hat Papst Franziskus im März gepredigt, werde bisweilen missbraucht, als Schmuckstück und Modeaccessoire - dabei stehe es für die Forderung Jesu, sein Leben zu geben für die anderen, weniger an sich zu denken und mehr an die anderen, die Schwachen. Ob er das dem Markus Söder auch in der Audienz gesagt hat? Dann wäre der Ministerpräsident jetzt in der Pflicht, wenn es um Flüchtlinge geht, Obdachlose, Arme, Opfer von Behördenversagen.

Darauf sollten die Kirchen nun achten: Wer das Kreuz aufhängt, muss damit rechnen, darauf festgenagelt zu werden.

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