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Besuch im Flüchtlingslager:Die Unternehmen sind noch nicht in Goldgräber-Stimmung

Ministerpräsident Söder besucht Äthiopien

Söder trifft bei der Eröffnung der FC Bayern Football School Giovane Elber (rechts), den ehemaligen Bayern-Spieler, und Kwesi Quartey, den stellvertretenden Vorsitzender der Kommission der Afrikanischen Union.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Eineinhalb Stunden dauert der Besuch, mehr als ein grober Eindruck kann da nicht entstehen. "Sie brauchen eine stabile Demokratie, am Ende kann es dann eine neue Gesellschaft und neue Perspektiven für die junge Generation geben", sagt Söder zu den Flüchtlingen. Dass Äthiopien zu einem Stabilitätsanker für Ostafrika werden könnte, wegen seines politischen Wandels, eingeläutet durch den seit knapp einem Jahr amtierenden Premierminister Abiy Ahmed, ist ein Grund für das Reiseziel. Der Besuch führe "ins richtige Land zur richtigen Zeit", das ist auch eine zentrale Botschaft dieser Tage.

Den Premierminister trifft Söder nicht, wohl aber Staatspräsidentin Sahle-Work Zewde, das einzige amtierende weibliche Staatsoberhaupt Afrikas. Der Ministerpräsident bringt einen großen Nymphenburger Löwen mit, aus Porzellan, das Tier ist in Äthiopien ebenso symbolträchtig wie in Bayern. Da weicht die Staatspräsidentin kurz vom Protokoll ab und führt Söder in den Garten des Nationalpalastes. Da hält sie nämlich zwei echte Löwen.

"Es wird sehr begrüßt, was wir hier machen", sagt Söder hernach über das Gespräch. Besonders wichtig sei der Staatspräsidentin das wirtschaftliche Engagement Bayerns, also Investitionen, von denen Äthiopien profitieren könne. Denn die Demokratie könne nur funktionieren, wenn die jungen Leute Perspektiven hätten im eigenen Land.

Ministerpräsident Söder besucht Äthiopien

Beim Besuch in einem Flüchtlingscamp wurde der Konvoi des Ministerpräsidenten streng bewacht.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Alles hängt mit allem zusammen, da ist es wieder, Söders Reise-Mantra. Er hatte sich heftig gewehrt gegen die Kritik der Grünen am wirtschaftlichen Schwerpunkt der Reise. Eine Wirtschaftsdelegation ist gleichzeitig unterwegs, 40 Unternehmensvertreter unter der Führung von Staatssekretär Roland Weigert (Freie Wähler). Eine starke Wirtschaft stärke die Demokratie, sagt Söder wieder und wieder. Bayern könne da helfen, Bayerns Unternehmen vor allem, und nach ersten Gesprächen zeigt er sich optimistisch. Das Interesse sei groß, das bayerisch-äthiopische Wirtschaftsforum mit etwa 300 Teilnehmern ein guter Austausch gewesen.

Die Unternehmer sind da zurückhaltender. "Es herrscht nicht gerade Goldgräberstimmung", fasst der designierte Präsident der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, Wolfram Hatz, die Stimmung zusammen. Noch sei vielen zu unsicher, ob die junge Demokratie hält, dazu kommen Devisenprobleme und andere Unwägbarkeiten. In einem aber sind sich Unternehmer mit der Politik einig: "Wir dürfen nicht alles den Chinesen überlassen", sagt Hatz. Die investieren in Afrika und erschließen sich so nicht nur Märkte, sondern schaffen Abhängigkeiten. Und hängen in der Söderschen Arithmetik folglich auch mit allem zusammen.

Das Münchner Feinkostunternehmen Dallmayr war schon vor dem chinesischen Investitionsboom da, seit bald 60 Jahren importiert die Firma äthiopische Kaffeebohnen. "70 Millionen Dollar lassen wir im Jahr da", sagt Mit-Inhaberin Marianne Wille, Dallmayr nimmt zehn Prozent der 200 000 Tonnen Kaffee ab, die Äthiopien im Jahr produziert. Damit ist das Land Afrikas größter Kaffeeproduzent.

Sie könne anderen Unternehmen nur raten, in Afrika zu investieren, sagt Wille, Dallmayr habe in all den Jahren nur gute Erfahrungen gemacht. Vor allem Kleinbauern liefern die Bohnen und haben damit ein sicheres Auskommen. Das Unternehmen engagiert sich auch sozial, gerade wird eine Schule gebaut, eine Kaffee-Kooperative in Zusammenarbeit mit dem Hilfswerk "Menschen für Menschen" soll folgen. Die Staatsregierung spendiert 150 000 Euro, solche Projekte stellt sich Söder für seine neue Afrikapolitik vor.

Die soll jetzt erst richtig losgehen, die Reise nur der Auftakt sein. Und ein weiterer Schritt für Markus Söder weg von der dunklen Seite der Macht.

© SZ vom 18.04.2019/axi
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