Unter Bayern:Was Horst Seehofer nicht gesagt hat

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Das Verhältnis zwischen dem früheren CSU-Chef und seinem Nachfolger Markus Söder ist bekanntermaßen angespannt. Gut, dass manchmal nicht alles ausgesprochen wird.

Von Katja Auer

Früher in der Schule gab es immer solche, die vor der Rückgabe einer Klassenarbeit einen mittleren Nervenzusammenbruch erlitten. Oder zu erleiden schienen. Gar nichts hätten sie gewusst, jammerten sie, eine Fünf kriegten sie bestimmt, und überhaupt hätten sie von Latein keine Ahnung. Das waren immer diejenigen, die nachher - natürlich - eine Eins kassierten und dann die absolute Überraschung mimten. Nein, damit hätten sie wirklich ü-ber-haupt nicht gerechnet. Schon klar. Wollte nur keiner mehr hören.

Und es gab solche, die es eh schon gewusst hatten. Dass es überhaupt nichts genützt hätte, die Hausaufgaben zu machen, weil der Lehrer eh nur unlösbare Aufgaben stelle. Oder umgekehrt, dass sie doch gleich gesagt hätten, dass eine Ex anstehe und deswegen halt einfach gelernt hätten. Wollte nur auch keiner hören.

Horst Seehofer hat gerade analysiert, dass es mit Markus Söder als Kanzlerkandidat auch nichts geworden wäre. Nicht der Kandidat sei das Problem gewesen, sondern der Inhalt. Die Union habe die Sozialpolitik vernachlässigt und deswegen viele Stimmen an die SPD verloren. Blöd nur, dass sich viele in der CSU so schön eingerichtet haben mit der Legende, dass es allein der falsche Kandidat war, der von der Schwesterpartei nämlich, der die Bundestagswahl verbockt habe. Was anderes will keiner hören.

Gut, immerhin hat Seehofer nicht gesagt, dass Söder genau genommen noch keine Wahl so richtig gerockt hat, seit er die höchsten Bayernämter errungen hat. Und er hat auch nicht dazu gesagt, dass er selbst, also Seehofer, immerhin die absolute Mehrheit für die CSU im Landtag zurückgeholt hatte, bevor sie Söder hernach wieder verloren hat. Er hat die legendäre "50 plus X" nicht angesprochen oder sie gar als Ziel ausgegeben.

Seehofer hätte sagen können, dass er es ja immer schon gewusst habe, dass Söder "charakterliche Schwächen" habe, wie er sie ihm auf einer CSU-Weihnachtsfeier 2012 in dessen Abwesenheit attestiert hatte und dass der Mann zu "Schmutzeleien" neige. Dass sich das ja wohl gezeigt habe, im Bruderkampf mit Armin Laschet. Dass Söder ein schlechter Verlierer sei.

Hat Horst Seehofer alles nicht gesagt. Dabei hätte es möglicherweise der eine oder andere ganz gerne hören wollen.

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