ARD "Saupreißn" verderben Passauern ihren Krimi

In Passau ist man recht stolz darauf, nun Schauplatz eines Krimis zu werden.

(Foto: dpa)

Athen, Lissabon, Barcelona: typische Kulissen für weltläufig inszenierte ARD-Krimis. Jetzt kommt Passau dazu. Aber es geht ausgerechnet um "Zugezogene".

Glosse von Andreas Glas

Dass das Erste Deutsche Fernsehen demnächst einen Passau-Krimi dreht, hat bei den Passauern große Freude ausgelöst. Die Reaktionen auf der Facebook-Seite der Passauer Neuen Presse (PNP), Stand Dienstagnachmittag: 319 Daumen hoch, acht Wow-Smileys, vier Haha-Smileys, nur ein einziges hochrotköpfiges Wut-Gesicht. Der Film soll in der ARD-Reihe "Der Donnerstags-Krimi" laufen. Die Donnerstags-Krimis kommen schon mal aus Athen, Barcelona oder Lissabon. Das schmeichelt den Passauern natürlich: die eigene Stadt, 51 000 Einwohner, in einer Reihe mit internationalen Metropolen.

Eine gute Nachricht also. Oder? Es deutet vieles drauf hin. Trotzdem lohnt es sich, dem einzigen nörgelnden Facebook-Kommentator Aufmerksamkeit zu schenken. Das Nörgeln hat mit der Überschrift des PNP-Artikels zu tun: "ARD dreht Passau-Krimi über ,Zugezogene'". Den Facebook-Kommentator regt das so auf, dass er gleich neun Satzzeichen in vier Sätze rammt. Die Tippfehler dürften ebenfalls seinem Wutausbruch geschuldet sein: "Über Zugezogene??? Wisst ihr auf was das raus läuft? Möchte sich Passau auch Blöd hinstellen lassen??? Währet den Anfängen!!"

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Man muss wissen: Die Niederbayern sind gebrannte Kinder, wenn es um Niederbayern-Krimis geht. Die Oberbayern werden gestreichelt von den Krimi-Machern, Beispiel "Rosenheim Cops": Berge, Geranien, himmlisches Postkartenbayern. Die Niederbayern werden zuweilen recht hergehauen, Beispiel "Sau Nummer vier" (2010). Nach der Ausstrahlung hat die PNP seitenweise Briefe gedruckt, die Leser gifteten, dass die "Niederbayern wieder mal als vertrottelte, hinterwäldlerische Deppen dargestellt werden", "ahnungslos und hintengeblieben, fern vom Rest der Welt".

Der Titel des Passau-Krimis: "Saupreißn". Die Hauptfigur ist eine Berliner Ex-Polizistin, die nach Passau zieht, samt Tochter, die eine Abneigung hat gegen alles "Bayerisch-Provinzielle". Ahnt der zornige Facebook-Kommentator was? Nun, es spricht für die Mehrheit der Passauer, dass sie sich erst mal freuen und dem Krimi eine Chance geben. Der Drehbuchautor, ein Berliner, sollte allerdings gewarnt sein. Der Niederbayer kann ziemlich niederträchtig werden.