Ruhpolding:Ungewöhnlicher Investor sichert Wintersport am Unternberg

Wintersport am Unternberg

Das Skigebiet am Unternberg ist für Einheimische und den Tourismus wichtig.

(Foto: Korbinian Eisenberger)

Sponsoring statt Kredite: Die Volksbank Rosenheim nimmt der Gemeinde Ruhpolding das chronisch defizitäre Skigebiet ab.

Von Matthias Köpf, Ruhpolding

Der 1425 Meter hohe Unternberg bei Ruhpolding hat durchaus ein bisschen was von all dem, was ein Skigebiet heute zu brauchen scheint. Die "Kristallabfahrt" ist sogar vom Weltverband FIS für Slalomrennen zugelassen. Wer in Ruhpolding und der weiteren Umgebung ganz umstandslos ein paar Stunden Ski fahren will, und sei es nach Feierabend bei Flutlicht, findet am Unternberg zwei Schlepplifte mit knapp zwei Kilometern Piste. Freerider, die keine komplett präparierte Piste brauchen, können sich von der Doppelsesselbahn ganz hinauf tragen lassen und gute drei Kilometer abfahren.

Auch der Unternberg lockte im Winter zuletzt zwar immer mehr Tourengeher, Schneeschuhwanderer und Rodler an, doch das Skigebiet steckt schon lang in den roten Zahlen. Jetzt hilft eine Bank, und zwar nicht mit Krediten: Die Volks- und Raiffeisenbank im südöstlichen Oberbayern übernimmt das ganze Skigebiet von der Gemeinde.

Die hatte am Unternberg bis vor wenigen Jahren pro Saison ein sechsstelliges Defizit erwirtschaftet. Erst als sie den Sessellift an einen privaten Pächter weitergereicht und die Bayerischen Staatsforsten einer fünf Kilometer langen Rodelbahn auf einer Forststraße zugestimmt hatten, wurden die roten Zahlen kleiner. Die Leihschlitten waren danach oft ausgebucht, und der anhaltende Trend zur Skitour zog zwar immer mehr auswärtige Gäste auf den Unternberg, doch Tourengeher geben kein Geld für Lifte aus.

Die künstliche Beschneiung in dem recht niedrig gelegenen Gebiet forderte angesichts immer wärmerer Winter auch immer mehr Aufwand. Wegen der Corona-Pandemie wurden die Schneekanonen zu Beginn der letzten Wintersaison gar nicht mehr angeworfen. Entschieden hatte das der Ruhpoldinger "Verein zur Unterstützung des Skiliftbetriebs", der zuvor acht Jahre lang sein Möglichstes getan hatte, die 50 Jahre alten Lifte und alle anderen Anlagen überhaupt am Laufen zu erhalten.

Dies wird in Zukunft die Sorge der "Meine Volksbank Raiffeisenbank" sein. Bayerns größte Genossenschaftsbank mit Sitz in Rosenheim trägt diesen Namen seit dem vergangenen Jahr, als sie aus der bisher letzten von zahllosen Fusionen am Genossenschaftssektor hervorgegangen ist. Sie hat immerhin 123 000 Mitglieder und hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 3,2 Millionen Euro für gesellschaftliches und kulturelles Engagement in der Region ausgegeben. Die Übernahme des Skigebiets soll zwar kein reines Sponsoring sein, aber das ganz große Geschäft werden wohl auch die Genossenschaftsbanker damit nicht machen. Man sei sich der Verantwortung für die Region bewusst, sagt Vorstandsvorsitzender Wolfgang Altmüller.

Für den Ferienort Ruhpolding mit seinen rund 240 000 Gästen und mehr als 600 000 Übernachtungen pro Jahr sind die Bahnen von einiger Bedeutung - der Sessellift auch im Sommer, wenn der Unternberg Wanderer, Mountainbiker und Paraglider anzieht. Entsprechend erfreut zeigen sich Bürgermeister Justus Pfeifer und der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch über den Investor, der den Betrieb bis auf Weiteres sicherstellt. Die Bank kauft dazu ein Areal von gut 14 Hektar Größe und will als nächstes die Lifte modernisieren.

© SZ vom 29.07.2021/vewo, van
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