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Skitouren:Ansturm auf die Pisten

Skitourengeher im frischen Schnee

So schön ist es momentan in den verschneiten bayerischen Alpen an der Grenze zu Österreich. Doch für Wintersportler ist es eine schwierige Saison.

(Foto: Angelika Warmuth/picture alliance/dpa)

Tourengeher zieht es trotz Lockdown in die Skigebiete. Doch an vielen Orten sind sie nicht erwünscht.

Von Dominik Prantl

Zuletzt gab es schon einmal einen kleinen Vorgeschmack darauf, welchen Nebeneffekt eine Weihnachtszeit ohne Betrieb der Skigebiete haben könnte. In Tirol etwa machten Bilder von im Gänsemarsch aufsteigenden Skitourengehern an der Axamer Lizum die Runde. Trotz stillstehender Lifte waren die Parkplätze an manchen Skigebieten der Ostalpen gut belegt; an der Hausbergbahn in Garmisch-Partenkirchen standen am vergangenen Sonntag laut Augenzeugen rund 500 Autos. Der Grund: Während die Skianlagen geschlossen bleiben müssen, ist Bergsport weiterhin erlaubt. Und vor allem Skitouren werden immer mehr zum Massenphänomen.

Mit Beginn des bundesweiten Lockdowns hat daher auch der Deutsche Alpenverein (DAV) die Kampagne namens #NatürlichWinter gestartet. Mit ihrer Hilfe soll unter anderem auf die Gefahren im alpinen Gelände und einen schonenden Umgang mit der Natur hingewiesen werden, ganz besonders aber auch auf den Respekt im Umgang mit Einheimischen und Gleichgesinnten. Der Appell: Seid besonnen! Haltet Abstand! DAV-Pressesprecher Thomas Bucher bezeichnet das zuletzt von manchen Beobachtern und Medien beschriebene Chaos zwar als "herbeigeredet". Doch auch er erwartet über die Feiertage gewisse Brennpunkte. "Schon alleine deswegen, weil insgesamt zu wenig Schnee liegt." Dadurch konzentriere sich der Bergsport auf Skigebiete, deren Pisten von den Betreibern bereits technisch beschneit und von Tourengehern genutzt werden. In Garmisch-Partenkirchen sind mit Beginn der Weihnachtsferien am 18. Dezember am Hausberg und Kreuzeck deshalb 15 Euro Parkgebühr pro Tag und Auto fällig.

Tourengeher auf einer Piste in Garmisch-Partenkirchen

Auf den Pisten ist trotz geschlossener Lifte etwas los: Skitourengeher nutzen sie zum Aufstieg, hier bei Garmisch.

(Foto: Angelika Warmuth/picture alliance/dpa)

Wer die Infrastruktur der Skigebiete nutzt, soll auch dafür zahlen

Dennoch ist zu erwarten, dass sich die Situation dort weiter verschärft, denn in vielen anderen Skigebieten sind Tourengeher unerwünscht. Im Allgäu oder auch im Großraum Innsbruck haben zuletzt bereits mehrere Skigebietsbetreiber die Parkplätze und Pisten mit der Begründung gesperrt, dass Haftungs- und Versicherungsfragen nicht geklärt seien. In einer Stellungnahme verweisen die Bergbahnen Oberstdorf-Kleinwalsertal zudem auf drohende Probleme wie massiven Verkehrsandrang, Menschenansammlungen und Schäden für Bergwald und Natur. Sie plädieren für eine Kostenbeteiligung der Skitourengeher an den in Anspruch genommenen Dienstleistungen - vom WC bis zur Pistensicherung. Auch DAV-Sprecher Bucher vertritt die Meinung, dass Skigebiete ruhig neue Geschäftsmodelle entwickeln sollten. "Die Skitourengeher nutzen eine Infrastruktur - und sollen dafür zahlen."

Dabei ist die pandemisch bedingte Zwangspause in den Skigebieten nur der Zunder für ein seit Jahren schwelendes Problem. Benedikt Böhm, Geschäftsführer des derzeit florierenden Tourenski-Herstellers Dynafit, wundert sich schon seit Längerem, warum Skigebietsbetreiber und Touristiker "Jahr für Jahr unvorbereitet in die Wintersaison starten, anstatt aus dem Trend ein gutes Geschäft zu machen, durch Parkplatzgebühren oder indem man Aufstiegspässe verkauft".

Denn Skitouren boomen seit Jahren; nach Angaben des Deutschen Alpenvereins hat sich die Zahl der Tourengeher alleine in Deutschland seit 2000 verdreifacht - auf geschätzte 600 000. Viele davon, gerade auch die heuer zahlreich zu erwartenden Novizen, ziehen selbst bei ausreichend Schnee den - derzeit vermeintlich - sicheren Bereich eines Skigebiets oder zumindest wenig steile Touren in den bayerischen Alpen dem wirklich hochalpinen Bereich mit entsprechend größerer Lawinengefahr vor.

Rudi Mair, Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol, erwartet für diesen Winter daher zwar etliche Konvertiten, die langfristig von Alpin-auf Tourenskier wechseln, aber nicht unbedingt viel mehr Lawinenopfer. "Die Anfänger gehen ohnehin nur selten ins Gelände." Und was die reinen Unfallzahlen betrifft, weist Roland Ampenberger, Sprecher der Bergwacht Bayern, noch auf ein ganz anderes Problem hin: "Die sind beim Rodeln viel höher als beim Skitourengehen."

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