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Regensburg:Papst Benedikt XVI. besucht schwer kranken Bruder

Papst Benedikt XVI. besucht kranken Bruder in Regensburg

Georg Ratzinger (links) an seinem 80. Geburtstag neben seinem Bruder, Kardinal Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI.

(Foto: dpa)

Er will in Regensburg an der Seite Georg Ratzingers sein, dessen Gesundheitszustand sich offenbar verschlechtert hat. Das teilt das Bistum mit.

Von Katja Auer und Kassian Stroh

Nach 14 Jahren ist der emeritierte Papst Benedikt XVI. wieder in seiner Heimat Bayern - diesmal aber aus sehr privaten Gründen. Wie das Bistum Regensburg mitteilte, flog er am Donnerstag von Rom nach München, um an der Seite seines schwer erkrankten 96-jährigen Bruders Georg zu sein. "Es ist vielleicht das letzte Mal, dass sich die beiden Brüder, Georg und Joseph Ratzinger, in dieser Welt sehen", hieß es in der Mitteilung des Bistums. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing sprach von einem "traurigen Anlass" - der Gesundheitszustand Georg Ratzingers habe sich verschlechtert. Er lebt nach wie vor in Regensburg, wo er lange Zeit die Regensburger Domspatzen geleitet hat.

Das Bistum bat in seiner Mitteilung darum, "diese zutiefst persönliche Begegnung in ihrem privaten Rahmen zu belassen. Sie ist ein Herzenswunsch der beiden hoch betagten Brüder und verträgt weder Fotos, noch öffentliche Auftritte, noch darüber hinausgehende Begegnungen." Alle Menschen, die ihre Anteilnahme zum Ausdruck bringen wollen, seien herzlich eingeladen, ein stilles Gebet für die beiden Brüder zu sprechen. Benedikt XVI., der inzwischen 93 Jahre alt ist und vor sieben Jahren als Papst zurücktrat, habe sich kurzfristig dazu entschieden, nach Bayern zu kommen, nachdem er sich mit seinem Nachfolger, Papst Franziskus, beraten habe.

Laut Bistum landete er kurz vor Mittag am Münchner Flughafen und fuhr dann von dort zusammen mit dem Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer in die Oberpfalz. Er wohne im Regensburger Priesterseminar; wann er nach Rom zurückkehre, stehe nicht fest. Benedikt XVI. reise in Begleitung seines Sekretärs Georg Gänswein, seines Arztes, seines Pflegers und einer Ordensfrau.

Georg und Joseph Ratzinger waren zeitlebens eng verbunden. Sie wuchsen in einfachen Verhältnissen auf, Vater Joseph war Gendarm, Mutter Maria war Köchin. Beide Söhne besuchten das Studienseminar St. Michael in Traunstein, sie studierten beide Theologie und wurden gemeinsam am 1951 zu Priestern geweiht. Joseph Ratzinger machte in der Kirche Karriere, er wurde Professor, Erzbischof von München, Vorsitzender der Glaubenskongregation. Georg Ratzinger wurde Domkapellmeister in Regensburg und Leiter der weltberühmten Domspatzen. Als bekannt wurde, dass Buben im Internat misshandelt und sexuell missbraucht worden waren, stand auch Ratzinger in der Kritik, da er die Vorwürfe zunächst abgetan hatte. Später entschuldigte er sich dafür, selbst Buben geohrfeigt zu haben.

Ihren Ruhestand wollten die Ratzinger-Brüder zusammen in Regensburg verbringen, im Stadtteil Pentling besaß Joseph Ratzinger ein Haus. Doch der 19. April 2005 machte diesen Traum zunichte. An jenem Tag wurde Joseph Ratzinger zum Papst gewählt, wenige Tage nach seinem 78. Geburtstag. Darüber zeigte sich der ältere Bruder zunächst wenig erfreut. "Ich hatte gehofft, dass dieser Kelch an ihm vorüber geht", hatte er damals gesagt.

Ein Jahr nach seiner Wahl zum Papst besuchte Joseph Ratzinger seine Heimat Bayern. Auch damals machte er in Regensburg Station, wo er eine große Freiluft-Messe feierte - und zusammen mit seinem Bruder das Grab der Eltern besuchte. Georg Ratzinger ist 96 Jahre alt. Die regelmäßigen Besuche im Vatikan ließ er zuletzt aus gesundheitlichen Gründen bleiben. Er ist nahezu blind und war zuletzt auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen.

© SZ.de/imei
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