Polizeistatistik Kriminalität sinkt in Bayern auf 30-Jahres-Tiefstand

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (links) und Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer stellen die Kriminalstatistik 2017 für Bayern vor.

(Foto: dpa)
  • Die Zahl der Straftaten in Bayern ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken: auf 4533 pro 100 000 Einwohner.
  • Die Aufklärungsquote besserte sich leicht: 64,4 Prozent.
  • Getrübt werde das "phänomenale Ergebnis" nur von der steigenden Zahl der Straftaten, die von Flüchtlingen begangen werden, sagte Innenminister Joachim Herrmann.
Von Johann Osel

Heute zwar ohne den schwarzen Hut mit Sheriff-Stern wie traditionell im Fasching, und doch ist Innenminister Joachim Herrmann genau in dieser Rolle: als oberster Ordnungshüter im Freistaat, als "schwarzer Sheriff", wie es gerne heißt. Und die Rolle gefällt dem CSU-Politiker sichtlich; zumal, weil es Positives zu melden gibt. "In Bayern leben, heißt sicherer leben", sagt der alte und neue Innenminister am Mittwoch bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik für 2017. Die Sicherheitslage habe sich deutlich verbessert, sei "insgesamt ausgezeichnet".

Konkret habe man die niedrigste Kriminalitätsbelastung seit 30 Jahren - 4533 Straftaten pro 100 000 Einwohner, ein Wert wie 1988. Ein "phänomenales Ergebnis". So ging im vergangenen Jahr die Zahl der Delikte um 4,6 Prozent auf 586 206 zurück. Mit dabei sind versuchte Taten. Die Statistik ist bereinigt um "ausländerrechtliche Straftaten" wie illegale Einreise - was quasi alle Flüchtlinge betrifft und das Gesamtbild verzerren würde. Die Aufklärungsquote besserte sich leicht: 64,4 Prozent. Zugleich bleibt die steigende Kriminalität von Flüchtlingen eine Herausforderung.

Die Gesamtkriminalität liegt jetzt wieder unter dem Niveau von 2014 und 2015. In den Datensätzen vergangenes Jahr, für 2016, hatte sich ein klarer Knick nach oben abgezeichnet, Delikte frisch Zugewanderter hatten sich da statistisch niedergeschlagen. Es ist wohltuend, bloße Zahlen zu hören, die bekannte Nüchternheit des Ministers kommt dazu - in Zeiten, in denen Delikte mit ausländischen Tätern in sozialen Netzwerken blitzschnell hundertfach verbreitet werden und nach dem Plan von Rechtspopulisten den Eindruck erwecken sollen, Bürger seien nirgends mehr sicher im öffentlichen Raum.

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Darauf geht auch Herrmann ein, abweichend vom Redemanuskript. Das scheint ihm wichtig zu sein und der CSU, auch wenn der Wahlkampf gerade erst aufzieht. Nach all den Debatten zeige sich, dass man in Bayern sicherer lebe als vor ein, zwei, drei Jahrzehnten. Denen, "die mit Fake-News unterwegs sind und die Mär verbreiten, alles werde immer schlimmer", müsse man das entgegnen.

Also Fakten. Keine gefühlte Sicherheit. Probleme gibt es unbestritten. Der Anteil von "Zuwanderern" (dazu zählt die Statistik Menschen mit Flüchtlingshintergrund, egal ob schutzberechtigt oder unerlaubt) an allen Delikten betrug 2017 gut zehn Prozent - erneut ein zumindest leichter Anstieg im Vorjahresvergleich. Ausländer generell machen 35 Prozent aller Tatverdächtigen aus. Das ist in beiden Gruppen jeweils ein viel höherer Wert als ihr Anteil an der bayerischen Bevölkerung.

12,1 Prozent der Einwohner im Freistaat haben etwa keinen deutschen Pass. Ein womöglich abweichendes Anzeigeverhalten bei Tätern mit fremder Herkunft oder Lebensumstände, die Kriminalität fördern, kann eine Polizeistatistik nicht erfassen. Einordnen könnte das die Zahlen ein wenig, relativieren nicht. Die Werte nach oben treiben Mehrfachtäter: So zählte die Polizei etwa 105 Afghanen, die zusammengerechnet 939 Delikte aufweisen, und 64 Somalier mit 686.