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Nürnberg:Wissenschaftsrat stimmt Plänen für neue TU zu

Studenten

6000 Studenten sollen an der neuen Nürnberger Uni studieren, betreut von 240 Professoren.

(Foto: dpa)
  • Der Wissenschaftsrat hat das Konzept für die geplante Technische Universität in Nürnberg gebilligt.
  • Die neue TUN soll einzigartig sein in Deutschland, das Konzept orientiert sich an Unis wie dem Massachusetts Institute of Technology an der amerikanischen Ostküste.
  • Die TUN soll statt Fakultäten interdisziplinäre Departments haben, dazu weitgehend digitale Lehre und hauptsächlich englischsprachige Studiengänge.
  • Es gibt aber auch Kritik seitens des Gremiums: Die geplante TUN dürfte zu klein sein für die wissenschaftlichen und programmatischen Ziele.

Fast zwei Jahre lang hat die Staatsregierung auf das Placet des Wissenschaftsrats gehofft. Nun billigte das Gremium das Konzept für die geplante Technische Universität in Nürnberg. Entsprechend euphorisch spricht Wissenschaftsminister Bernd Sibler von "Signalen für die Zukunft", Ministerpräsident Markus Söder hofft auf einen "Innovationsschub aus Mittelfranken". Söders Plan, seiner Heimatstadt eine Uni zu bescheren, ist einen Schritt weiter.

Die neue TUN soll einzigartig sein in Deutschland, das Konzept orientiert sich an Unis wie dem Massachusetts Institute of Technology an der amerikanischen Ostküste: Die TUN soll statt Fakultäten interdisziplinäre Departments haben, dazu weitgehend digitale Lehre und hauptsächlich englischsprachige Studiengänge. Neben technischen Studiengängen wie Biological Engineering, Computer Science & Engineering oder Mechatronic Engineering soll die TUN auch Geistes- und Sozialwissenschaften anbieten. 40 Prozent der Studenten sollen aus dem Ausland kommen. Als bahnbrechend gilt das Betreuungsverhältnis von bis zu 30 Studenten pro Professor. An anderen deutschen Unis ist ein Verhältnis von eins zu 70 üblich - und durch bundesweite Rahmenbedingungen vorgeschrieben. Dafür will die Staatsregierung 1,2 Milliarden Euro investieren. 6000 Studenten sollen an der Nürnberger Uni studieren, betreut von etwa 240 Professoren.

Wer die Stellungnahme des Wissenschaftsrates genauer liest, entdeckt auch deutliche Kritik und Hausaufgaben für die Staatsregierung: Die geplante TUN dürfte zu klein sein für die wissenschaftlichen und programmatischen Ziele. Die fachliche Breite sei "zu ambitioniert" und mit dieser Größe "kaum erreichbar", heißt es. Die Uni müsse bescheidener beginnen und nach einer Evaluationsphase ausgebaut werden. Die etablierten Hochschulen dürften nicht vernachlässigt werden. Damit bestätigt der Wissenschaftsrat jene, die kritisiert hatten, wieso Söder nicht in die bestehenden Nürnberger Hochschulen investiere, statt eine neue Uni zu bauen. Zumal diese bereits ähnliche Themen erforschen. Zwar hatte Söder den Chefs der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und der Technischen Hochschule Nürnberg im Zuge des TUN-Beschlusses 1,8 Milliarden Euro zugesagt, aber laut Wissenschaftsrat muss mehr Geld fließen.

Die Experten schreiben im Gutachten mehrmals, dass die neue Uni mit den etablierten Hochschulen zusammenarbeiten müsse, um erfolgreich zu sein. Die TUN solle die FAU und die Technische Uni in München "sinnvoll ergänzen" und "besonders die Spitzenforschung der FAU berücksichtigen". Das interdisziplinäre Curriculum loben die Experten, warnen aber davor, dass TUN-Absolventen Probleme bekommen könnten, wenn sie die Uni wechseln oder einen Job suchen. Studenten anderer Hochschulen dürfe der Zugang zur TUN nicht verwehrt sein. Das Gremium regt Brückenkurse an. Kurz gesagt: Innovation ja, aber keine Exklusion. Und: Alle bayerischen Hochschulen müssen eher früher als später von Innovationen profitieren.

Passend dazu ist die Stimmung bei vielen Hochschulchefs nach außen positiv. Im Vertrauen fürchten einige, dass der Sanierungsstau bleibt und Investitionen von sechs Milliarden Euro aufgeschoben werden. Weil die Regierung gerade erst zwei Milliarden Euro für Forschung zur Künstlichen Intelligenz verteilt hat, sagt das niemand offen.

Die Präsidenten der Nürnberger Hochschulen fühlen sich bestätigt: FAU-Chef Joachim Hornegger und THN-Präsident Michael Braun hatten schon vor Jahren ihre Zusammenarbeit angeboten. Beim Konzept für die TUN scheint das nicht funktioniert zu haben, nachtarocken wollen sie aber nicht. "Wir freuen uns, im Gutachten steht ja ausdrücklich, dass Zusammenarbeit und gemeinsame Projekte sein müssen", sagt Hornegger. Braun nennt die Analyse "messerscharf" und "wegweisend". Die neue Konkurrenz schrecke nicht, betont er, Wettbewerb sporne an. "Die Frage ist, wer schneller sein wird: Ein neuer Player, der aus dem Nichts kommt? Oder bestehende Hochschulen?" Auch Thomas Hofmann, der neue Chef der Münchner TU, spricht von Wettbewerb und nennt die TUN "die richtige politische Entscheidung". Auch er betont, wie wichtig Zusammenarbeit sei. Die Nürnberger TU müsse Mehrwert für alle bringen. Ein solcher Betreuungsschlüssel für bayerische Unis brächte "völlig neue Strahlkraft" im internationalen Wettbewerb, sagt Hofmann.

Die Gutachter setzen auf starke Gründungspräsidenten. Kandidaten für den Chefsessel soll eine Findungskommission um Wolfgang Marquardt, Chef des Forschungszentrums Jülich, zusammenstellen. Die Kommission trifft sich schon in den nächsten Wochen, ausgeschrieben wird weltweit. 2021 soll die Spitze der TUN besetzt werden. Wann der Betrieb losgeht, steht noch nicht fest.

© SZ vom 05.02.2020/vewo
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