Untypische Nutzung:Polizei setzt in Nürnberg Wasserwerfer zum Gießen ein

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Untypische Nutzung: Mal was anderes: Die Wasserwerfer der Bereitschaftspolizei richten ihren Strahl nun nicht auf Demonstranten, sondern auf durstige Stadtbäume in Nürnberg.

Mal was anderes: Die Wasserwerfer der Bereitschaftspolizei richten ihren Strahl nun nicht auf Demonstranten, sondern auf durstige Stadtbäume in Nürnberg.

(Foto: André Winkel/Stadt Nürnberg)

Eigentlich handelt es sich bei den Tankwagen um Spezialgerät, das bei Straßenschlachten oder Hochrisikospielen aufgefahren wird. In Nürnberg soll es nun die Trockenheit bekämpfen.

Von Olaf Przybilla, Nürnberg

Wann Wasserwerfer der Polizei eingesetzt werden dürfen, ist laut Dienstvorschrift eigentlich klar geregelt. Zur Gefahrenabwehr dürfen die Spezialfahrzeuge mit großen Wassertanks hinzugezogen werden, vor allem bei Demonstrationen, Straßenschlachten oder Hochrisikospielen beim Fußball machen Einsatzkräfte davon Gebrauch. Oder auch - unter bestimmten Umständen - beim Räumen von Sitzblockaden, wenn diese nicht allein mit Personal zu bewerkstelligen sind. Von Dienstag an wird die Bayerische Bereitschaftspolizei das Gerät aber für ganz anderes zu Hilfe nehmen: Wasserwerfer zur "Bewässerung des Baumbestands" in Nürnberg, lautet der Einsatzbefehl.

Vorgesehen sind dafür laut Innenministerium "Wasserwerfer der neuesten Generation" mit einem Tank, der 10 000 Liter fassen kann. Diese werden zunächst bis 7. September zum Einsatz kommen und zwar an den Straßenzügen der Trierer Straße, der Minervastraße, am Finkenbrunn und der Hafenstraße. In einem Sommer wie diesem müsse man "zusammenhelfen", um die von anhaltender Trockenheit geplagten Bäume "vor schwereren Schäden zu bewahren", erklärte Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Die Bereitschaftspolizei werde so lange helfen, wie es notwendig ist. Allerdings mit der Einschränkung, dass die Wasserwerfer nicht anderweitig - also für klassische Polizeieinsätze - benötigt werden.

Nürnbergs Bürgermeister Christian Vogel (SPD) zufolge sei zusätzliche Bewässerung in Nürnberg vor allem deshalb willkommen, weil die Sandböden der Stadt "eine schlechte Wasserspeicherkapazität haben", sodass Böden in der Sommerhitze besonders schnell austrocknen. Der Wasserdruck werde dabei "individuell an die Bedürfnisse der Bäume vor Ort" angepasst, während des Wässerungsvorgangs müsse der Tank bis zu sechsmal neu befüllt werden. Das Wasser für die Bäume werde an Hydranten gezapft, hieß es. Die Stadt versorgt derzeit rund 9500 Bäume mit etwa 18 Millionen Liter Wasser im Jahr. Zuletzt hatten im August 2018 Wasserwerfer der Bereitschaftspolizei beim Bewässern von Grünanlagen in Nürnberg mitgeholfen.

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