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Naturwissenschaft:Regensburg ist Start-up-Zentrum

Germany Bavaria Munich Scientist doing medical research in laboratory model released property rel

Arbeit im Verborgenen: Was sich hinter den Türen von Laboren im Detail abspielt, ist oft nur für Kenner der Biotechnologie-Szene zu durchschauen. Die Ergebnisse der Forschung sollten allerdings im besten Fall allen Menschen dienen, etwa wenn es sich um die Entwicklung neuer Medikamente handelt.

(Foto: Biopark)
  • Regensburg ist neben München-Martinsried Bayerns zweitgrößter Standort für Biotechnologie.
  • Dort gibt es eine rege Start-up-Szene, die Zellkulturen züchtet, Chemikalien herstellt und neue Medikamente und Diagnostikverfahren entwickelt.

Die Lage ist günstig und deshalb wenig einladend. Wer vor die Tür tritt, blickt auf eine Ansammlung grauen Betons, die Rückseite der Regensburger Universität. Davor verläuft eine Straße wie eine Grenze. Auf Uni-Seite wird gelehrt und geforscht. Auf der anderen Seite wird versucht, Erforschtes zu Geld zu machen, auch wenn das vielleicht noch nicht jeder mitbekommen hat. Thomas Diefenthal sieht das natürlich ein bisschen anders: "Wer uns kennen sollte, kennt uns."

Überall in Bayern wurden zuletzt Gründerzentren und Hightech-Cluster eingerichtet - staatlich geförderte Netzwerke, die Know-how im Freistaat halten und junge Firmen unterstützen sollen. Nur wie das genau funktioniert, ist für Außenstehende oft rätselhaft. Dabei gibt es ein gutes Beispiel: den Großraum Regensburg, nach München-Martinsried Bayerns zweitgrößter Standort für Biotechnologie.

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Hier werden Zellkulturen gezüchtet und Chemikalien hergestellt, neue Medikamente und Diagnostikverfahren entwickelt. Ein Innovationsmotor, der seit Jahren und meist ohne großes Aufsehen vor sich hin brummt. Ein bisschen schade ist das schon. Denn was in der vermeintlichen Provinz Oberpfalz passiert, bekommen so nur Branchenkenner und ein paar Einheimische mit.

Wie gesagt, Diefenthal sieht das anders. Aber er ist ja auch so etwas wie die Spinne im örtlichen Biotech-Netz. Diefenthal, Jahrgang 1960, warnt gleich davor, den Standort Regensburg mit München messen zu wollen: "Wir sind anders aufgestellt, das ist wie Äpfel und Birnen zu vergleichen." 1999 kam der Rheinländer nach Regensburg, die Stadt suchte damals einen Leiter für eine neue Tochtergesellschaft.

Der Auftrag: Jungen Biotech-Firmen unter die Arme greifen, bis sie von selber stehen können. Diefenthal bekam einen Vertrag über fünf Jahre, mal schauen, wie es läuft. 18 Jahre später ist er immer noch da. Auf der ehemals grünen Wiese hinter der Uni stehen inzwischen drei unscheinbare Bürogebäude, Sitz der BioPark GmbH und Herz der Life-Science-Region Regensburg. Ob er damals gedacht habe, dass die Sache so gut läuft? "Nein."

Im Grunde läuft die Sache im BioPark ähnlich ab wie in anderen Gründerzentren in Bayern. Wer eine Firma aufmachen will, kommt vorbei, lässt sich beraten, nimmt an Schulungen und Veranstaltungen teil. Falls gerade Platz ist, kann er sich günstig in einem der drei BioPark-Gebäude einmieten. Aber in der Oberpfalz haben sie einen Vorteil kultiviert, besonders gegenüber München, dem Biotech-Hotspot: Alles ist ein bisschen einfacher. Die Szene ist groß genug, um interessant zu sein, aber klein genug, um überschaubar zu bleiben.

"Kurze Wege", sagt Diefenthal. Gründer fänden oft schnell Kontakt zu potenziellen Geschäftspartnern, Förderern, Mitarbeitern. Und das nicht nur im Bereich Biotechnologie. Für Informationstechnologie etwa ist in Regensburg ebenfalls ein von der Stadt betriebenes Zentrum entstanden, die Techbase, nur ein paar Meter die Straße runter. Eine Einladung an alle Unternehmer, quer zu denken, branchenübergreifend nach Lösungen zu suchen.