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Unter Bayern:Markus Söders landesväterliche Enzyklika

Markus Söder, der bayerische Ministerpräsident

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder

(Foto: dpa)

Der Ministerpräsident hat gerade das Lehrschreiben "Mit brennendem Anstand" vorgelegt. Schriften zur Schönheit des Polizeipferds und eine Übersetzung des Alten Testaments sollen folgen.

Glosse von Roman Deininger

München. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat jüngst seine erste Enzyklika veröffentlicht. In seiner vierhundertseitigen Lehrschrift mit dem Titel "Mit brennendem Anstand" mahnt Söder die Bürgerinnen und Bürger des Freistaats zu einer "Wiederentdeckung von Respekt und Stil im politischen Miteinander".

Wer die Liebe abschaffe, schreibt der Ministerpräsident, "der schafft auch den Menschen ab". Dies sei besonders aktuell in "unseren Tagen, in denen Schwestern und Brüder sich selbst am heiligen Sonntag von ihrer Missgunst auf die regennassen Straßen treiben lassen". Streit nütze nie, so Söder weiter. Er bete dafür, dass "alle Menschen guten Willens rasch zur vollkommenen Einigkeit mit mir zurückkehren können".

Söder wendet sich in seiner Enzyklika auch gegen eine Verrohung der Sprache: "Ich sage für mich ganz persönlich, ich werde das Wort Wohnungsnot, wenn es jemanden verletzt, nicht mehr verwenden." Das Gleiche gelte für die belasteten Begriffe "Flächenfraß" und "Bayerntrend". Söder ermutigte auch die anderen Parteien im Landtag, "diesem Beispiel zu folgen, und sei es nur für drei Monate".

Enzykliken sind verbindliche landesväterliche Lehrschreiben, die sich an alle wahlberechtigten Bayern wenden. Die politische Theologie hält sie allerdings nicht für unfehlbar. In seiner in prächtiger Sütterlinschrift verfassten Abhandlung geht Söder direkt auf diese Frage ein: "Lirum, larum Löffelstiel, auch dieses Endspiel um die Glaubwürdigkeit wird die CSU gewinnen." CSU-Chef Horst Seehofer teilte mit, er habe übrigens auch eine Enzyklika mit 63 Punkten geschrieben, diese sei aber leider geheim.

Zugunsten seiner Enzykliken will Söder künftig auf Regierungserklärungen komplett verzichten, "obwohl das Ding vom April schon mega war". Söders zweite Enzyklika soll erscheinen, wenn die CSU in den Umfragen unter die 30-Prozent-Marke fällt, also voraussichtlich Mitte August. Dem Vernehmen nach will der Ministerpräsident sich darin der "inneren und äußeren Schönheit des Polizeipferdes" widmen. Ebenfalls noch vor der Landtagswahl will Söder seine Neuübersetzung des Alten Testaments vorlegen, bunt und fröhlich illustriert von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen.

© SZ vom 28.07.2018
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