Machtkampf in der CSU Doppelspitze statt Spitzenduell

Schon in der Nachspielzeit? Horst Seehofer (links) beließ es am Sonntag noch bei Andeutungen, wenn es um seine politische Zukunft ging.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)
  • Statt eines Spitzenduells will der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber eine Doppelspitze für die Partei.
  • Auch Ministerpräsident und Parteivorsitzender Horst Seehofer bekräftigt, nicht an seinen Ämtern zu klammern.
  • Ob es an diesem Montagvormittag in der CSU-Fraktion zu einer Kampfabstimmung zwischen Innenminister Joachim Herrmann und Markus Söder kommt, ist unklar.
Von Roman Deininger und Wolfgang Wittl

Wenn es gar keinen Draht mehr gibt zwischen den Lagern in der CSU, wenn sich zwei Seiten so unerbittlich gegenüberstehen wie in diesen Tagen, dann hilft nur noch eine Form der Verständigung: die Sprache des Fußballs. Und wer fände bessere Worte als ein einst raubauziger Hobby-Verteidiger, der heute im Aufsichtsrat des FC Bayern München sitzt? Also sprach Edmund Stoiber: Es ergebe keinen Sinn, in so einem wichtigen Spiel zur Halbzeit den Vollblut-Stürmer Robert Lewandowski auszuwechseln und in vorderster Reihe durch den gelernten Mittelfeldspieler Thomas Müller zu ersetzen.

Auch die Nicht-Fußballer im Bezirksvorstand der Oberbayern-CSU sollen am Samstag rasch kapiert haben, was Stoiber da meinte. Es war das Plädoyer für eine Lösung, wie sie den Anhängern von Finanzminister Markus Söder schon lange vorschwebt. Der Top-Stürmer Lewandowski ist mit CSU-Chef Horst Seehofer gleichzusetzen, das wichtige Spiel läuft in Berlin und nennt sich Regierungsbildung - Verlängerung für Seehofer als Bundesminister nicht ausgeschlossen.

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Ferner sagte Stoiber: Er habe große Hoffnung, dass die zwei Stärksten sich doch noch vertragen. Heißt wohl: Seehofer, 68, soll das Amt des Ministerpräsidenten zugunsten seines Erzrivalen Söder, 50, räumen und mit diesem eine Doppelspitze bilden - der Junge in München, der Alte in Berlin.

Die Runde in der Münchner CSU-Zentrale, in der Stoibers Referat fast eine Fußball-Halbzeit gedauert haben soll, war prominent besetzt. Auch Seehofer nahm an der Sitzung teil. Mehrmals soll er seinen Satz bekräftigt haben, er klammere nicht an seinen Ämtern. Stoibers Vorschlag, Seehofer solle Parteichef bleiben, stieß jedenfalls auf Zustimmung - sowohl bei den Freunden Söders als auch bei dessen Gegnern wie der oberbayerischen CSU-Chefin Ilse Aigner. "Horst Seehofer hat unsere volle Unterstützung", sagte sie. Nur Seehofer könne die Partei in diesen turbulenten Zeiten zusammenhalten.

Ob sich Aigners Wunsch erfüllt, hatte Seehofer da noch offengelassen. Erst am Sonntag in der Parteizentrale habe er seine Bereitschaft signalisiert, erneut als CSU-Chef anzutreten, verlautete aus Parteikreisen. Wie es als Ministerpräsident weitergeht, wird Seehofer an diesem Montag vor der Landtagsfraktion erklären.

Schon vor zehn Tagen habe er verkünden wollen, dass er 2018 nicht mehr als Spitzenkandidat für die Landtagswahl zur Verfügung steht. Nur die Bitte seiner engsten Vertrauten in der Partei habe ihn davon abgebracht, heißt es, man befürchtete eine unkontrollierte Personaldebatte. Falls er zur Seite trete, werde er sich in Nachfolgefragen nicht mehr einmischen, soll Seehofer gesagt haben. Das müsse die nächste Generation dann unter sich ausmachen - durchaus neue Töne für einen, dem bislang der unbedingte Wille nachgesagt wurde, den ungeliebten Söder zu verhindern.

In Sachen Parteivorsitz dürfte sich Seehofer offiziell am Montag in der CSU-Vorstandssitzung äußern, die dem Fraktionstreffen folgt. Nicht alle sind wie Stoiber und die Oberbayern der Ansicht, Seehofer müsse beim Parteitag am 15. und 16. Dezember in Nürnberg noch einmal als CSU-Chef antreten.

Wer hat Ambitionen auf den CSU-Vorsitz?

Auch der niederbayerische Vorstand tagte am Samstag, hier sei die Stimmung deutlich kritischer gewesen, berichten Teilnehmer. Gerade die Jüngeren hätten sich für einen Wechsel ausgesprochen. Auf ihren Favoriten haben sich die Niederbayern bereits festgelegt: der Europapolitiker Manfred Weber, ihr niederbayerischer Landsmann. Weber werde auf dem Parteitag wieder als Parteivize kandidieren, sagte Bezirkschef und CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer. Sollte Seehofer aber - anders als erwartet - nicht mehr weitermachen wollen, stehe Niederbayern hinter Weber.

Das Gerangel um die beste Startaufstellung hatte also schon begonnen, ist nun aber hinfällig, wenn Seehofer als Parteichef erneut kandidiert. In Oberbayern werden Landesgruppenchef Alexander Dobrindt Ambitionen auf den Parteivorsitz attestiert. In der CSU beliebter dürfte Weber sein. Er gilt als Söders entschlossenster Gegner. Das kann von Vorteil sein bei all jenen, die sich das größtmögliche Gegengewicht zu Söder wünschen.

Den Söderianern wäre am liebsten, Seehofer bliebe Parteichef. Dann, so das Kalkül, könnte Söder sich später auch den Parteivorsitz greifen. So kommt es nun vielleicht. Bemerkenswert auch: Obwohl die Niederbayern Weber als Parteichef bevorzugen, sollen die niederbayerischen Landtagsabgeordneten Söder als Ministerpräsidenten favorisieren. In Oberbayern ist das anders: Dort plädieren offenbar zwei Drittel der Fraktionsmitglieder für Innenminister Joachim Herrmann, sollte er sich einer Abstimmung mit Söder stellen.

Seehofer sagte dazu am Samstag, eine Wahl gehöre in einer Demokratie zur Normalität. Auch er wusste wohl noch nicht, ob Herrmann Anspruch auf die Spitzenkandidatur erhebt. Der Innenminister dürfte noch die Gespräche vom Sonntag abgewartet haben. Ob Herrmann wirklich das Franken-Duell sucht, diese Frage wurde in der Fußballersprache vorerst mit unentschieden beantwortet.

Der ehemalige Fraktionschef Alois Glück sagte am Samstag, die beiden Stärksten müssten sich nicht nur vertragen, sondern auch vertrauen. Wie Seehofer und Söder das hinbekommen sollen, dafür gibt es auch im Fußball kein Beispiel.

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