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Katholische Kirche:Über das Verhältnis von Bischof Voderholzer und Müller

Und jetzt? Was hat sich verändert, seit Rudolf Voderholzer Bischof ist? "Nichts", sagt der Donaustaufer Bürgermeister Jürgen Sommer (SPD), der sich als "überzeugten Christen" bezeichnet. In seinem Büro hängt ein Kruzifix, nicht holzgeschnitzt, eines aus blauem Glas. Die Kirche müsse moderner werden, sagt Sommer. Es freue ihn, dass Müller bald auch in seiner Gemeinde auftritt, aber damals seien Dinge passiert, "die ich nicht nachvollziehen kann". Als Bischof habe Müller die Kirchengemeinde "definitiv gespalten" - und Nachfolger Voderholzer tue wenig, um den Graben zu füllen. "Man braucht sich nicht zu wundern, wenn immer weniger Leute in die Kirche gehen."

Für Voderholzer, das ist bekannt, war Müller ein Mentor. Inhaltlich liegen die beiden nah beieinander, beide Dogmatiker, "Ratzingerianer", erzkonservativ. Beide "halten an einer Theologie fest, die in der Jetzt-Zeit problematisch ist", sagt Sigrid Grabmeier von der katholischen Reformbewegung "Wir sind Kirche". Auch der Führungsstil habe sich unter Voderholzer nicht geändert: "Es herrscht immer noch die Idee, dass der Bischof als Person eine Autorität ist." Einerseits sei es da nicht überraschend, dass das Bistum Müller gerade den roten Teppich ausrolle. Andererseits "ist es schon so, dass die Leute den Kopf schütteln", sagt Grabmeier.

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Wer die Geistlichen im Bistum fragt, hört dagegen nur Nettes über Müller. "Ich habe den Eindruck, dass sich alle freuen" auf seinen Besuch, sagt Walter Karger, Diakon in Donaustauf. Für Karger war Müller immer "wie ein Bischof von nebenan, mit dem man gern am Tisch sitzt". Gerne würde man auch Voderholzer befragen zur Tournee, die Müller im Bistum absolviert. Man würde gern wissen, wie viel Müller tatsächlich in Voderholzer steckt. Doch die Anfrage für ein Interview lehnt er ab.

Dabei hätte Rudolf Voderholzer, 57, keinen Grund, sich zu verstecken. Weil er getan hat, was Müller bis heute nicht schafft: die Opfer des Domspatzen-Skandals um Vergebung zu bitten. Aber hat er sich damit von Müller emanzipiert? Einer, der im Bistum etwas zu sagen hat, reagiert genervt auf "dieses guter Bischof, böser Bischof", wie er sagt. Offen will er nicht reden, aber er versichert: alles bestens zwischen Voderholzer, dem angeblich guten, und Müller, dem angeblich bösen Bischof.

Es ist später Vormittag, in Sulzbach-Rosenberg ist die Messe rum. Morgen werde er zurück nach Rom reisen, sagt Müller, vorher treffe er Freunde in Regensburg. Wer zum Freundeskreis gehört, verrät er nicht. "Privat", sagt er. Aber es gibt da ein paar Namen, die in Frage kämen. Prälat Heinrich Wachter etwa, Vertrauter der Ratzinger-Brüder. Und, klar: Gloria von Thurn und Taxis, die kürzlich sagte, es sei "richtig gemein", der Kirche die Schuld am Domspatzen-Skandal zu geben. Als Müller im Herbst 2016 zu Gast im Schloss war, chauffierte Gloria den Kardinal in ihrem Golfkart, in dem sie sonst gern durch die Stadt flitzt. Im Schloss gab es Filet vom Saibling und Zwetschgentarte.

Wie die Faust aufs Auge, sagen manche: Die eine, Gloria, sehe nicht ein, dass der Adel nichts mehr zu melden hat. Der andere, Müller, klammere an vordemokratischen Zeiten, als die Kirche noch Meinungshoheit hatte. Vielleicht kein Zufall, dass der hochmütige Franz-Peter Tebartz-van Elst nach Regensburg zog, als er wegen seiner Prunksucht aus dem Bistum Limburg rausgeflogen war. Auch die Kritik an Tebartz-van Elst bezeichnete Müller damals als Kampagne gegen die Kirche.

Nun ist es Müller selbst, der nach seiner Entmachtung in Rom die Nähe zu Regensburg sucht. Hier habe er "ein Umfeld, das ihn vorbehaltlos annimmt", sagt Müller-Kritikerin Grabmeier etwas spöttisch, "das gibt Halt". Die jüngste Kritik habe ihn getroffen, gibt Müller zu, als man ihn in Sulzbach-Rosenberg danach fragt. Aber richtig geknickt wird man diesen Mann wohl nie erleben. "Ich kann mich vor Einladungen aus der ganzen Welt nicht retten", sagt Müller. Eine dieser Einladungen wird ihn bald wieder nach Regensburg führen.

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