Gustl Mollath Mollath sieht "kein nennenswertes Fehlverhalten"

Mit seiner Beharrlichkeit überreizte Mollath die Geduld seiner Anwälte. "Wenn man mir hier die Möglichkeit zur objektiven wahrheitsgemäßen Darstellung nimmt, spricht das für sich", beklagte er vergangenen Mittwoch, als das Gericht anmahnte, dass der Schwarzgeldkomplex nicht Thema des Verfahrens und weitere Zeugen deshalb nicht vorgesehen seien. Er sei entsetzt über die Auswahl der Zeugen durch Staatsanwaltschaft und Gericht.

Verteidiger zieht die Notbremse

Einen Tag nachdem die Verteidiger von Gustl Mollath ihr Mandat niederlegen wollten, sitzen Anwälte und Angeklagter wieder einträchtig nebeneinander. War also alles nur ein Sturm im Wasserglas? Wohl kaum. Gerhard Strate hat Mollath gezeigt, wo die Grenzen sind. Ein Kommentar von Hans Holzhaider mehr ...

Daraufhin legte Strate sein Mandat nieder - nur um kurz darauf die Bestellung als Pflichtverteidiger durch das Gericht anzunehmen. Im Nachhinein lässt sich das als Warnschuss für den Angeklagten werten, wirklich sitzenlassen wollen ihn seine Anwälte zu diesem Zeitpunkt wohl nicht. Ein Dämpfer für Mollath? Er sehe bei sich "kein nennenswertes Fehlverhalten", sagte er und beteuerte mit betroffener Miene, dass er noch immer vollstes Vertrauen in seine Verteidiger habe.

Am 14. Prozesstag schien ihm aber auch das verloren gegangen zu sein. Noch vor Verhandlungsbeginn kommt es zum Schlagabtausch. Mollath sagte, er sei "befremdet" über die Art und Weise, wie Strate mit seinen Forderungen umgehe. Der wiederum bezeichnete Mollaths 30 Beweisanträge als "Mist" - und forderte die Entpflichtung durch das Gericht. Der zweite Eklat binnen weniger Tage. Diesmal ist das von den Verteidigern als ernstgemeinter Aufstand zu werten.

Der Prozess sei auf einem guten Wege gewesen, um einen glatten Freispruch und die volle Rehabilitierung Mollaths zu erreichen, sagte Strate. Doch mit einem Mandanten, der "öffentlich Lügen über seine Verteidigung verbreitet", könne er nicht zusammenarbeiten. "Das ist ein Angriff auf meine Ehre."

Mollath-Verteidiger müssen bleiben

Eklat vor dem Landgericht Regensburg: Gerhard Strate will Gustl Mollath nicht länger verteidigen, er fühlt sich in seiner Ehre verletzt - und beantragt seine Entpflichtung. Doch das Gericht lehnt ab. Von Hans Holzhaider, Regensburg mehr ...

Diesmal schien auch Mollath genug zu haben. Trotz Strates herausragender Leistungen habe er Zweifel, "ob mit so einer Art von Feindseligkeit eine ordentliche Verteidigung für mich möglich ist". Davon ließ sich die Vorsitzende Richterin Escher nicht beirren: Die Pflichtverteidiger müssen weitermachen. Und auch von ihrer Haltung zu den Schwarzgeldvorwürfen lässt sich Escher nicht abbringen, er spiele in diesem Strafprozess eigentlich keine Rolle, das Gericht lehnte Mollaths Beweisanträge am Montag ab. Die Behauptungen darin, dass Mollaths Exfrau mit illegalen Geldtransfers zu tun hatte, seien als wahr anzusehen, erläuterte Escher - zugunsten des Angeklagten.

Nach Angaben eines Gerichtssprechers werden die Vorwürfe aber nicht weiter überprüft, haben somit keine Wirkung auf andere Verfahren, also keine strafrechtliche Relevanz. Ob sich Mollath damit zufriedengibt? Wohl kaum.

Ein unbequemer Angeklagter

Erst will Gustl Mollath schweigen, dann redet er dazwischen. Er will sich verteidigen und klagt zugleich an. Beim Prozessauftakt in Regensburg gibt sich der Angeklagte unbequem. Dabei ist ihm ein Freispruch eigentlich sicher. Von Ingrid Fuchs, Regensburg mehr ...

Linktipps

Die einzelnen Berichte zu den bisherigen Prozesstagen:

  • Mollath-Verteidiger müssen bleiben - Tag 14
  • "Eine psychische Störung ist nicht nachweisbar" - Tag 13
  • Zwei Gutachter, zwei Meinungen - Tag 12
  • Angeklagter will Ankläger sein - Tag 11
  • Gutachter sieht keinen Beweis für Misshandlungen - Tag 10
  • Richter Ahnungslos - Tag 9
  • Gutachter verteidigt Einschätzung von Mollath - Tag 8
  • Polizist hält Mollath für den Täter - Tag 7
  • "Dem schaut der Wahnsinn aus den Augen" - Tag 6
  • Urteil "eilig diktiert" - wegen Urlaubsplänen - Tag 5
  • Ärztin glaubte an psychische Störung - ohne Untersuchung -Tag 4
  • Peinliche Befragung für Arzt im Zeugenstand - Tag 3
  • Polizisten berichten von Prügelvorwürfen - Tag 2
  • "Moralisch ist das nicht in Ordnung" - Tag 1