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Wiederaufnahme in Regensburg:Polizist hält Mollath für den Täter

Wiederaufnahmeverfahren Gustl Mollath

Gustl Mollath und sein Anwalt Gerhard Strate im Gerichtssaal.

(Foto: dpa)

War Gustl Mollath der gefährliche Reifenstecher von 2005? Mit dieser Frage beschäftigt sich nun das Landgericht Regensburg. Ein Polizeibeamter sagt als Zeuge, er halte Mollath zu 90 Prozent für den Täter.

  • Am siebten Verhandlungstag nimmt das Gericht in Regensburg die Vorwürfe der Sachbeschädigungen unter die Lupe.
  • Ein Polizeibeamter sagt als Zeuge aus, dass er Mollath zu 90 Prozent für den Täter halte.
  • Nach Vorwürfen der Nebenklage gegen Gustl Mollath erklärt die Vorsitzende Richterin, dass die Staatsanwaltschaft Hannover nicht gegen den Angeklagten ermittelt.

Gericht hört Zeugen zur Sachbeschädigung

Gustl Mollath muss sich in Regensburg wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung verantworten. Unter anderem soll er 2001 seine damalige Ehefrau körperlich misshandelt und eingesperrt haben. Zudem soll er Dutzende Autoreifen zerstochen haben. In einem ersten Verfahren hatte das Landgericht Nürnberg-Fürth Mollath im Jahr 2006 von den Vorwürfen wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen und ihn in die Psychiatrie eingewiesen. Am siebten Verhandlungstag geht es erneut um die Vorwürfe der Sachbeschädigung.

Zeuge hält Mollath für den Täter

Der erste Zeuge - ein Polizeibeamter, der die Sachbeschädigungen bearbeitet hatte - sagt, er sei zu 90 Prozent überzeugt, dass Gustl Mollath der Täter gewesen sei. "Vor allem, weil die Serie nach der Festnahme abgerissen ist", erläutert der 59-Jährige. Nachdem mehrere Anwälte, Geschäftsleute und ein Gerichtsvollzieher, die mit dem Fall Mollath beschäftigt waren, 2005 in einem kurzen Zeitraum Anzeigen wegen zerstochener Autoreifen gestellt hatten, habe sich ein Zusammenhang ergeben. Zudem habe ein Anwalt einen Brief von Gustl Mollath mit dem Hinweis erhalten, dass etwas passieren könnte, sagt der Zeuge.

Petra M. will Mollath auf Video erkannt haben

Bei einer Videoüberwachung eines Tatortes sei später zweimal ein Mann mit Mantel und Baskenmütze aufgezeichnet worden, der sich zu den parkenden Autos gebückt hatte, sagt der Polizeibeamte vor Gericht. Dabei sei in einem Fall auch ein Reifen beschädigt worden. Der ermittelnde Beamte hatte die Aufzeichnung auch der Ex-Frau von Gustl Mollath gezeigt. Sie habe angegeben, dass sie das Gesicht nicht erkennen könne, ihr Ex-Mann jedoch einen solchen Mantel und eine solche Mütze besitze, sagte der Zeuge. "Zudem sagte sie, dass der Bewegungsablauf auf ihren Mann deute."

Verteidigung geht von manipulierten Vorwürfen aus

Zum Teil wurden die Reifen derart fachgerecht angestochen, dass sie erst nach vielen Kilometern platt wurden. Ein Geschädigter hatte geschildert, dass sein Auto bei Tempo 200 ins Schlingern geraten war. Die Verteidigung geht dagegen von manipulierten Vorwürfen aus.

Zu den Geschädigten gehörten nach Angaben des Zeugen mehrere Rechtsanwälte, darunter die Scheidungsanwältin von Frau Mollath, deren neuer Ehemann sowie Anwälte der benachbarten Kanzlei. Auch am Auto des für Mollath zuständigen Gerichtsvollziehers waren die Reifen zerstochen. Dieser hatte unter anderem mehrere wertvolle Sportwagen von Gustl Mollath gepfändet. Bei einem Autohändler, der beim Auszug von Mollaths Exfrau geholfen hatte, wurden zahlreiche Reifen an Gebrauchtwagen und gelagerte Reifen beschädigt.

Bilder vom Prozess

Mollath vor Gericht

Festnahme im eigenen Haus

Der Polizeibeamte sagt weiter, dass Gustl Mollath für eine Befragung zunächst nicht in seinem Haus angetroffen wurde. Nachdem ein Haftbefehl wegen der Zwangsbegutachtung gegen Mollath erlassen wurde, seien Polizisten mit Hilfe eines Schlüsseldienstes in dessen Haus gelangt. Die Beamten hätten den Gesuchten dann in einem Versteck auf dem Dachboden entdeckt. Zudem wurden ein Mantel und eine Baskenmütze sichergestellt. Bei der Vernehmung am folgenden Tag habe ihn Mollath sofort angeschrien und von "Polizeistaat" gesprochen.

Einer der damaligen Beamten, die Mollath in dessen Haus festgenommen hatten, sagt ebenfalls als Zeuge aus. Er berichtet, dass zunächst das Gebäude umstellt worden sei. Er habe eine Person im Haus gesehen, auf Klingeln habe aber niemand reagiert, sagt der 39-Jährige. Nach dem Eindringen in das Haus sei Gustl Mollath dann in einem Versteck auf dem Dachboden entdeckt worden. "Herr Mollath war recht ungehalten, hat laut herumgeschrien und sei unterschwellig aggressiv gewesen." Deshalb habe man Handfesseln angelegt. Mollath habe leicht ungepflegt gewirkt und sein Haar sei zerzaust gewesen. Danach sei er in eine Zelle der Nürnberger Polizei gebracht worden.

Mollath befragt Zeugen selbst

Während die Zeugen an diesem siebten Prozesstag vor dem Landgericht Regensburg befragt werden, ergreift immer wieder Gustl Mollath selbst das Wort. Von den Polizisten will er wissen, wie es zu manchen Entscheidungen gekommen ist. "Wie können Sie erklären, dass Sie bei einem Unterbringungsbeschluss mit mehreren Beamten anrücken?" Mollath fragt den Zeugen, ob er Angst gehabt habe, "vor einem komplett Wahnsinnigen zu stehen"? Als Polizeibeamter müsse er mit allem rechnen, sagt der Zeuge. Warum er nach seiner Festnahme in der Zelle so schlecht behandelt worden sei, fragt Mollath weiter. Doch daran kann sich der Polizist nicht mehr erinnern.

Kein Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Hannover

Nach einer verbalen Auseinandersetzung von Gustl Mollath mit einer Begleiterin am Silvestertag 2013 in Niedersachsen wird nicht gegen den Nürnberger ermittelt. Es seien keine Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Hannover oder der Polizei Bad Pyrmont anhängig, berichtet die Vorsitzende Richterin Elke Escher in dem Prozess vor dem Landgericht Regensburg. Die Nebenklage hatte am Vortag beantragt, dass die Ermittlungsakten zu diesem Fall angefordert werden.

Gustl Mollath hatte den Vorfall im niedersächsischen Bad Pyrmont bestätigt. "Ja, es gab eine verbale Auseinandersetzung mit scharfen Worten", sagte der 57-Jährige in einer Verhandlungspause am Montag. Es sei aber nicht zu Handgreiflichkeiten gekommen. "Der Antrag der Nebenklage ist nicht mal ein Strohfeuer gewesen, sondern eine Luftblase, die nun zerplatzt ist", erklärt sein Verteidiger, Gerhard Strate, als am siebten Verhandlungstag bekannt wird, dass es kein Verfahren gibt.

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