Graswangtal Wie der Wald den Freistaat geprägt hat

Überhaupt ist die Vorstellung, dass die bayerische Landschaft früher voller Wald und Wildromantik gewesen sei, grundfalsch. Dass heute ein Drittel der Fläche des Freistaates aus Wald besteht, ist ein gewaltiger Fortschritt nach einer langen Ära der Baumknappheit. Im 17. und 18. Jahrhundert war der Wald wegen extremer Holznutzung weitgehend verschwunden. Die Landesausstellung hat schon deshalb ihren Sinn, um die gängigen Vorstellungen vom Waldland Bayern über den Haufen zu werfen.

Wie das Haus der Bayerischen Geschichte herausgefunden hat, wurde 1690 beispielsweise aus Holznot das Aufstellen von Maibäumen verboten, und 1732 durften keine Sonnwendfeuer mehr entfacht werden. In Freising erhielt im Jahre 1775 nur derjenige das Bürgerrecht, der vorher zwei Bäume gepflanzt hatte. Erst danach begann das Zeitalter des Waldschutzes und der Aufforstung, wesentlich vorangetrieben von der 1752 gegründeten Bayerischen Staatsforstverwaltung.

Schloss Linderhof bei Nacht.

(Foto: Sebastian Beck)

Andererseits wird die Schau im Kloster Ettal auch zeigen, wie der Wald das Bayernbild ganz wesentlich geprägt hat, vor allem der Gebirgswald rund um Ettal und der ihn durchstreifende Ludwig II., dem deshalb ebenfalls eine zentrale Rolle in der Ausstellung zufällt. Der Mythos dieser Gegend wurde von den Königsträumen ebenso genährt wie vom Wald und vom Gebirge. Das ist für die 1500 Quadratmeter große Ausstellung in den Räumen des Klosters Ettal nicht die schlechteste Melange.

Technisch aufwendige Panoramen und Inszenierungen werden die Ausstellungsbesucher nicht nur über Berge, durch Wälder und an Flüssen entlang führen, sondern auch die letztlich nicht mehr realisierten Bauträume des Königs virtuelle Wirklichkeit werden lassen. So hatte Ludwig II. 1869, am Anfang der Linderhofer Entwicklung, noch den Bau eines byzantinischen Palastes erwogen. Außerdem plante er in Linderhof den Bau eines Theaters und eines chinesischen Sommerpalastes.

Wie das alles ausgehen hätte, wird in einem großen Pavillon präsentiert werden, dessen Umrisse im Ettaler Klostergarten bereits zu erahnen sind. "Hier werden die Besucher mit dem König träumen und sich in die Welt seiner gebauten und ungebauten Projekte hineinversetzen können", kündigte Richard Loibl, der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, bei der Präsentation am Donnerstag an.

Warum ist der Mythos Bayern im Voralpenland entstanden?

Pater Johannes, der Cellerar des Klosters, bekräftigte, wie stolz das Kloster sei, die Landesaustellung im Jubiläumsjahr 2018 ausrichten zu dürfen. Dieser Stolz kommt in den umfangreichen Umbaumaßnahmen zum Ausdruck, die gerade im Gange sind und das Kloster, was schon erkennbar ist, baulich enorm aufwerten werden.

Die Landesausstellung wird die Frage, warum der Mythos Bayern im Alpenvorland entstanden ist und hier seinen Schauplatz hat, vielschichtig beantworten. Dass Maler und Künstler ihn verfestigten, dass Bierbrauer mit ihm warben und der Tourismus ihn in die Welt hinaus trug, ist unstrittig. Und doch werden Rätsel übrig bleiben.

Der im Starnberger See entdeckte Einbaum, der in der Rosner-Aula des Klosters präsentiert wurde, gehört in diese Kategorie. Vor 3000 Jahren wurde dieses 13,5 Meter lange Boot gebaut, ein technisches Meisterwerk, das von der Konstruktion her bis in unsere Zeit herein unerreicht blieb. Es ist ebenso einzigartig wie die herrlich kehlige Werdenfelser Mundart, die der Garmischer Landrat Anton Speer bei der Veranstaltung pflegte, und die an Rom erinnernde Großarchitektur des im 14. Jahrhundert errichteten Klosters Ettal.

Bayerische Landesausstellung "Wald, Gebirg und Königstraum - Mythos Bayern", Kloster Ettal, 3. Mai bis 4. November 2018.

Quiz Wie gut kennen Sie Ludwig II.?
Quiz

Kini-Quiz

Wie gut kennen Sie Ludwig II.?

Vor mehr als 130 Jahren, am 13. Juni 1886 ertrank König Ludwig II im Starnberger See. In einem Brief schrieb er einmal: "Ein ewig Rätsel will ich bleiben mir und anderen". Wie viele Geheimnisse können Sie lüften?