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Schnelle Reaktion:Lokführer verhindert Zugunglück

Gerade noch gebremst: Vor dem Haltepunkt Griesen kamen zwei Züge aufeinander zu.

(Foto: Bundespolizei)
  • Mit Tempo 60 ist ein Regionalzug mit Fahrtziel Reutte in Tirol auf den Haltepunkt Griesen zugefahren, während zeitgleich dort noch ein Gegenzug stand.
  • Nach einem heftigen Bremsmanöver kam der Zug rund 25 Meter vor dem wartenden Zug zum Stehen.
  • Ob die ungeplante Begegnung auf einen technischen Defekt oder auf eine menschliche Unachtsamkeit zurückzuführen ist, ermittelt nun die Bundespolizei.

Das Gleis, das von Garmisch-Partenkirchen entlang der B 23 hinauf zu dem kleinen Bahnhof Griesen führt, ist zur Loisach hin von Bäumen gesäumt. Nach einer langen Geraden beschreibt die Strecke unmittelbar vor dem Ort eine leichte Linkskurve; für den Lokführer ist der Bahnhof wohl keine 500 Meter vor der Einfahrt erstmals zu sehen. Und doch hat der Fahrer der Regionalbahn nach Reutte am späten Mittwochnachmittag seinen Zug kurz vor Griesen gerade noch rechtzeitig zum Stehen gebracht - direkt vor dem Gegenzug, der ihm auf der eingleisigen Strecke plötzlich gegenüberstand. Er hat damit einen Unfall verhindert, der für beide Lokführer und die 60 Fahrgäste in den zwei Zügen schlimmstenfalls tödlich hätte enden können.

Nur noch 25 Meter voneinander entfernt standen sich die beiden Regionalzüge der Deutschen Bahn schließlich gegenüber, je drei Lichter an den beiden Zugspitzen erhellten das bisschen Gleis dazwischen. Der Zug von Garmisch Richtung Reutte in Tirol war nach Angaben der Bundespolizei vom Donnerstag mit rund 60 Stundenkilometern unterwegs, 25 Fahrgäste saßen darin. Der andere Zug stand demnach mit 35 Fahrgästen auf dem einen Gleis, aus dem die Strecke fast durchgehend besteht. Nur der Bahnhof Griesen selbst hat zwei Gleise, dort könnten zwei Züge aneinander vorbeikommen. Warum sie sich auf der eingleisigen Strecke begegnet sind, ist offen. Laut Bundespolizei ereignete sich der Zwischenfall gegen 17 Uhr, was für keinen der Züge dem Fahrplan der DB entspricht. Auch ein Halt in Griesen ist zu der Zeit für keinen Zug vorgesehen.

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Die Bundespolizei ermittelte noch am Mittwoch und auch am Donnerstag in Griesen. Man müsse zunächst alle Möglichkeiten einbeziehen und könne nichts ausschließen - auch keinen technischen Defekt, sagte ein Sprecher. Der Zwischenfall könne aber auch "auf eine menschliche Unachtsamkeit im Bahnbetrieb zurückzuführen" sein. Das Bremsmanöver des Lokführers hielt sich laut Bundespolizei im Rahmen einer "normalen Betriebsbremsung", gilt also nicht als Notbremsung.

Verletzte gab es bei der plötzlichen Bremsung nicht. Beide Züge wurden mit Hilfe der Feuerwehr evakuiert, die Passagiere mussten ihre Fahrt in Bussen fortsetzten, und auch für die späteren Verbindungen richtete die Bahn einen Schienenersatzverkehr ein. Etwa um 20.30 Uhr galt die Situation als bereinigt, von Donnerstagmorgen an lief der Verkehr nach Angaben der Deutschen Bahn wieder wie gewohnt.

Was den Zwischenfall und mögliche Ursachen dafür betrifft, gibt sich die DB dagegen einsilbig und verweist "auf die Behörden" und deren laufende Ermittlungen. Diese könnten laut Bundespolizei noch dauern, denn es müssten nicht nur die Gleis- und Signaltechnik, sondern auch Betriebsbücher und sonstige Dokumentationen genau geprüft werden. Solche Unterlagen haben auch nach dem Eisenbahnunglück von Bad Aibling im Februar 2016 eine große Rolle gespielt. Dort hatte ein vom Hantieren mit dem Handy abgelenkter Fahrdienstleiter zwei Züge in Gegenrichtung auf die Strecke geschickt; die teils veraltete Stellwerkstechnik hatte das nicht automatisch verhindert. Bei dem Zusammenstoß starben zwölf Menschen, 89 wurden teils schwer verletzt.

© SZ vom 24.01.2020/sim
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