Landtagswahl in Bayern Die CSU ist vor allem eines: ratlos

Markus Söder bleibt an der Spitze der CSU. Das liegt auch daran, dass potenzielle Nachfolger fehlen.

(Foto: dpa)

Bei der Landtagswahl wird die CSU wohl ein historisches Debakel erleben. Trotzdem bleibt Markus Söder in der Partei unangefochten.

Kommentar von Wolfgang Wittl

Falls die Umfragen nicht trügen, wird die CSU bei der Landtagswahl am 14. Oktober ein historisches Debakel erleben. Sie wird ein Ergebnis ernten, das jeden Spitzenkandidaten in der Geschichte der Partei sofort weggefegt hätte. Bewahrheiten sich die Prognosen, könnte sich nach herkömmlichen CSU-Standards der Ministerpräsident Markus Söder schon jetzt einen neuen Job suchen. Trotzdem hat er gute Chancen, das sich abzeichnende Fiasko zu überstehen. Es wäre dann nicht die eigene Stärke, die Söder im Amt halten würde, sondern die Personalarmut einer von Machtkämpfen erschöpften Partei.

In Bayern regiert Söder unangefochten, sein Fleiß und seine strategischen Fähigkeiten sind in der Fraktion unbestritten. Künftige Konkurrenten sind zu jung oder fühlen sich Söder noch zur Treue verpflichtet. Einstige Rivalen wie Innenminister Joachim Herrmann oder Bauministerin Ilse Aigner haben sich mit ihrer Nebenrolle offenbar abgefunden. Einer wie Söder, der mit unbedingtem Willen an die Spitze strebte, ist nicht in Sicht.

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Knapp sieben Wochen vor der Landtagswahl in Bayern sinkt die Partei weiter in der Wählergunst. Grüne und Freie Wähler legen jeweils zwei Prozentpunkte zu.

Als Horst Seehofer 2008 von Berlin aus in die Staatskanzlei einrückte, lag die CSU bei 43,4 Prozent. Was als Desaster galt, wäre für Söder heute ein Erfolg. Doch anders als damals drängt sich auch außerhalb Bayerns kein Herausforderer auf. Parteivize Manfred Weber greift lieber nach dem Amt des EU-Kommissionspräsidenten. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hat in München keine Machtbasis. Verkehrsminister Andreas Scheuer? Muss noch reifen.

Gewiss, Umfragen sind kein Ergebnis, die Demoskopen täuschen sich immer öfter. Die Hälfte der Wähler zeigt sich unentschlossen, der Wahlkampf geht erst jetzt richtig los. Doch in der CSU hat sich ein Trend verfestigt. Sie liegt seit Wochen unter 40 Prozent, Tendenz fallend. Der aktuelle Wert: 36 Prozent. Die Partei ist im Begriff, sich an die für sie miserablen Werte zu gewöhnen. Auch das könnte Söder schützen - wie der Umstand, dass spätestens vier Wochen nach der Wahl eine Regierung gebildet sein muss. Für einen Putsch bleibt da wenig Zeit.

Die Gesellschaft zersplittert, die Stammwähler werden weniger, die Kleinen größer

Die CSU ist verletzend und verletzlich, sie ist brutal und sentimental, sie ist gnadenlos, im Moment aber vor allem: ratlos. Söder hat alles versucht. Er hat ein Hundert-Punkte-Programm aufgelegt, er schlug asylpolitisch erst scharfe Töne an und dann moderate, er führt auf dem Land einen Wahlkampf gegen die AfD und in den Großstädten gegen die ungewöhnlich starken Grünen. Mit ihrer Definition von Heimat nutzen die Grünen den Platz, den die CSU in der Mitte geöffnet hat. Die Volkspartei CSU bekommt neben ihren hausgemachten Problemen zu spüren, was die (in Bayern) ehemalige Volkspartei SPD schon kennt: Die Gesellschaft zersplittert, die Stammwähler werden weniger, die Kleinen größer. Söder vermag diesen Trend nicht zu stoppen: Er ist Macher, eine Integrationsfigur ist er nicht.

Wie in Baden-Württemberg wünschen sich auch in Bayern viele Menschen eine schwarz-grüne Koalition. Die CSU bevorzugt ein bequemes Bündnis mit FDP oder Freien Wählern. Die Wahl des Partners wird darüber entscheiden, wofür die CSU künftig steht. Sollte sie allerdings sogar zwei Partner für eine Regierungsbildung brauchen, wird es auch für Markus Söder kritisch. Die interne Messlatte liegt bei 35 Prozent - so weit ist es mit dem Anspruch der selbsternannten Staatspartei gekommen.

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