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Mitten in Coburg:Ein Schild in der Dauerschleife

Woher nur hätten Stadtpolitiker wissen sollen, dass eine klitzekleine Straßenumbenennung zugunsten eines gewissen Max Brose Einzug in eine bundesweit ausgestrahlte Satiresendung findet

Glosse von Olaf Przybilla

Kleine, nicht allzu gewagte Prognose: Natürlich werden sie das Max-Brose-Schild in Coburg irgendwann wieder abmontieren. Die Frage dürfte lediglich sein, wann es so weit sein wird: in absehbarer Zeit schon - oder dauert das noch ein paar Dutzend Jahre?

Was künftige Stadtpolitiker dann in etwa sagen werden, um die Ehre ihrer Vorgänger zu retten, liegt auch schon auf der Hand. Sie werden gnädig sein: Ja nun, die Verantwortlichen hätten damals 2015 natürlich nur das Allerbeste gewollt. Hätten das ewige Missvergnügen in der Stadt zu befrieden versucht; hätten einem Wohltäter Coburgs einen Gefallen tun wollen; hätten ja auch nur ein unbedeutendes Sträßlein jenem Max Brose gewidmet, der in einer in Auftrag gegebenen Arbeit zuvor so menschenfreundlich skizziert worden war; und hätten ja nie damit rechnen können, dass diese klitzekleine Straßenumbenennung auf einen Wehrwirtschaftsführer und frühen NSDAP-Mann, der in seiner sonst so vorbildlichen Firma Zwangsarbeiter beschäftigt hat, bundesweit auf reges Interesse stoßen würde - und das auch Jahre danach noch.

So weit sind sie in Coburg aber noch nicht. Weshalb nach der ersten Böhmermann-Satire auf die Brose-Freunde von Coburg sogleich von schäumenden Lokalpolitikern zu lesen war, die vor "Legendenbildung" zu warnen sich genötigt fühlten und über "böswillige Verdrehung der Tatsachen" schäumten. Was man eben so tut, wenn man sich noch nicht eingestehen will, dass da was gehörig in die Hosen gegangen ist, mindestens imagemäßig. Dass sie beim ZDF-Böhmermann daraufhin die Sektflaschen geöffnet haben - da hätte man natürlich niemals drauf kommen können. Jedenfalls nicht in Coburg. Dort müssen sie sich nun darauf einstellen, dass demnächst das in der neuen Folge nun angekündigte "Max Brose did nothing wrong"-Straßenschild eingeht. Und Böhmermann die Causa Coburg womöglich zum running gag seiner neuen Satiresendung macht. Glückwunsch dazu.

Es waren übrigens zwei 18- und 22-Jährige, die das echte Brose-Schild in Coburg kürzlich ungehörigerweise abschraubten, ehe sie von der Polizei dingfest gemacht wurden. Keine repräsentative Aktion, klar. Aber, wer weiß, womöglich doch ein kleiner Wink, was nachfolgende Generationen von jenem Schild halten mögen?

© SZ vom 15.12.2020/van
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