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US-Armee:Truppenabzug trifft bayerische Standorte

Truppenübungsplatz der US-Army in Grafenwöhr

Von dem Abzug der US-Truppen aus Deutschland soll auch der Truppenübungsplatz im oberpfälzischen Grafenwöhr betroffen sein.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Vor allem in der Oberpfalz sind die amerikanischen Soldaten ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Kommunalpolitiker hoffen nun auf eine Wahlniederlage Trumps.

Von Max Ferstl und Florian Fuchs

Es kam nicht überraschend, aber es kommt noch härter als gedacht: Die USA verkündeten am Mittwochnachmittag, dass mehr Truppen aus Deutschland abgezogen werden als bislang öffentlich diskutiert. Die US-Truppenstärke soll um 12 000 Soldaten auf dann 24 000 verringert werden. "Die am stärksten betroffene Region wird Stuttgart sein", verkündete Verteidigungsminister Mark Esper zwar in Washington. Aber auch Bayern, wo im bundesdeutschen Vergleich am meisten US-Truppen stationiert sind, wird stark von der Entscheidung getroffen werden - vor allem der Standort Vilseck im Kreis Amberg-Sulzbach.

Ministerpräsident Markus Söder verkündete am frühen Abend, dass die Staatsregierung allen betroffenen Regionen helfen werde. Seit Wochen gibt es Spekulationen, von welchen US-Übungsplätzen Truppen abgezogen werden. Einer der größten europäischen befindet sich in Grafenwöhr, zur US-Garnison Bavaria gehören daneben aber auch Vilseck sowie unter anderem Wildflecken, Hohenfels und Garmisch.

Der US-Verteidigungsminister wollte sich am Mittwoch nicht klar äußern, wie viele US-Soldaten in Bayern von der Neuausrichtung der US-Truppenpräsenz in Europa betroffen sein werden. Zwar stünden nun die Zahlen fest, wie viele Soldaten Deutschland insgesamt verlassen werden. Es sei aber noch nicht abschließend geklärt, welche Auswirkungen dies auf die einzelnen Standorte haben werde. Klar ist nur, dass es Vilseck treffen wird. Ohnehin gibt es im US-Senat und im US-Repräsentantenhaus Pläne, den Teilabzug über das Gesetz zum kommenden Militärhaushalt zu verhindern. Laut US-Verteidigungsminister steht eine Rückverlagerung des 2. Kavallerieregiments im Raum. Die Einheit ist in Vilseck stationiert.

Es wäre wohl das Aus für das Südlager des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr, wenn diese Truppen tatsächlich größtenteils in die USA zurückverlagert werden. "Wenn es so käme, wäre es natürlich sehr problematisch für die Region", wurde Vilsecks Bürgermeister Hans-Martin Schertl schon vor der Verkündung in Washington in der Gruppe Oberpfalz-Medien zitiert. Betroffen wären dort nicht nur 4500 Soldaten, sondern auch etwa 10 000 Familienangehörige - ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor für den Ort. In den Oberpfalz-Medien macht Schertl allerdings deutlich, dass man nicht nur die Nachteile für die Deutschen sehen dürfe. "Die Amerikaner profitieren mindestens genauso sehr von der Stationierung."

Die Hoffnungen ruhen nun auf dem Wahltermin in den USA: Falls Präsident Donald Trump verliert, sei die Chance hoch, dass die Abzugspläne doch wieder abgeblasen werden. Daran glaubt auch sein Amtskollege im nahen Grafenwöhr. Laut Bürgermeister Edgar Knobloch (CSU) sind in der 6500-Einwohner-Stadt sowie in Vilseck mehr als 10 000 Soldaten stationiert. Auch er betont, dass die Präsenz der Truppen für die Region ein enormer Wirtschaftsfaktor sei. Ministerpräsident Söder sagte, dass die Entscheidung das deutsch-amerikanische Verhältnis belaste und die Standortkommune hart treffe. "Wir warten jetzt ab, ob die Entscheidung auf Dauer bleibt."

Laut älterer Studien entsteht durch die amerikanische Truppenpräsenz eine Wirtschaftskraft von rund 2,3 Milliarden US-Dollar, deutschlandweit. Davon entfallen 1,1 Milliarden auf Löhne und Gehälter, 400 Millionen auf Baumaßnahmen und Material. Außerdem entstehen indirekt Arbeitsplätze, durch die 824 Millionen Dollar an Wertschöpfung in die Region fließen. 3000 deutsche Zivilisten sind direkt bei der US-Armee in Bayern beschäftigt, die meisten davon in Grafenwöhr.

Zuletzt wurden dort auch enorme Mittel investiert. Auch deshalb war sich Bürgermeister Knobloch noch im Juni sicher, dass Grafenwöhr nicht betroffen sein werde, selbst wenn die Amerikaner Truppen abzögen. Dafür sprach aus seiner Sicht einiges: Die Großübung "Combined Resolve XII", bei der 2019 noch 20 andere Nationen beteiligt waren. Die 41st Field Artillery Brigade, die die USA Ende 2018 an dem Standort reaktiviert haben. Und außerdem die neue Elementary School. Wer baut schon eine Schule - und zieht dann ab?

Auch wenn also für Bayern noch nicht abschließend geklärt ist, wie sich die Entscheidung des US-Verteidigungsministeriums tatsächlich auswirken wird: Sorgen dürfte man sich auch in Franken machen, wo an den Stützpunkten in Ansbach-Katterbach und Illesheim US-Hubschrauber stationiert sind. Dort leben rund 3000 US-Soldaten. Als weitgehend immun gegen einen Abzug galt zuletzt das George C. Marshall-Zentrum für Sicherheitsstudien in Garmisch-Partenkirchen, das vom deutschen und amerikanischen Verteidigungsministerien betrieben wird. Am Zentrum finden Lehrgänge und Schulungen statt.

© SZ vom 30.07.2020/kbl
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