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Sport trotz Corona:Skigebiete sollen Pisten für Tourengeher öffnen

Zwei Skitourgeher im März 2020 in Österreich. Wenn es nach dem Bund Naturschutz geht, soll dieser Sport in den Alpen trotz des Coronavirus möglich sein.

Zwei Skitourgeher im März 2020 in Österreich. Wenn es nach dem Bund Naturschutz geht, soll dieser Sport in den Alpen trotz des Coronavirus möglich sein.

(Foto: imago images/Eibner)

Der Bund Naturschutz spricht sich für einen naturverträglichen Tourismus aus - und möchte langfristig den Autoverkehr zurückdrängen.

Von Christian Sebald

Der Bund Naturschutz (BN) hat sich dafür ausgesprochen, Skigebiete, die wegen der Corona-Pandemie geschlossen sind, für Skibergsteiger und Schneeschuhgänger freizugeben. "Das Skibergsteigen sollte auf Pisten zugelassen werden, weil die Belastung für die Natur und die Umwelt nicht höher ist, als wenn die Lifte offen wären", sagt Axel Döring vom BN-Arbeitskreis Alpen. "Den Tourismus in naturverträgliche Bahnen zu lenken, heißt nicht, die Gäste zu bekämpfen." Zugleich fordert der BN, den umweltfreundlichen Tourismus in den bayerischen Alpen ganzjährig zu stärken.

Die Umweltorganisation bezieht sich auch dabei auf die Corona-Pandemie. "Denn gleich ob kilometerlange Staus, zugeparkte Orte oder Karawanen von Menschen auf Wanderwegen: Die Pandemie hat viele der ohnehin stattfinden negativen Entwicklungen in der Bergwelt verschärft", sagt der BN-Chef Richard Mergner. "Als Lehre daraus müssen wir jetzt die Weichen für einen dauerhaft natur- und umweltverträglichen Tourismus stellen." Seine Forderungen und Vorschläge dazu hat der BN in seiner neuen Studie "Von der Traumlandschaft zum übernutzten Berggebiet" zusammengefasst.

Im Zentrum steht eine neue Verkehrspolitik für die Alpentäler. "Sie ersticken schon heute im Autoverkehr", sagt Mergner. 75 Prozent der CO₂-Emissionen in den Bergen stammten von ihm. Der BN fordert Vorrang für den öffentlichen Personennahverkehr. Wenn man dem alpinen Verkehrskollaps entkommen wolle, müsse man die Millionensummen, die für die Modernisierung und den Neubau von Straßen in den Bergregionen vorgesehen seien, in einen leistungsstarken ÖPNV umlenken. Auch sollen keine Steuergelder mehr in den Bau neuer Bergbahnen und -lifte fließen.

Die Kapazitäten seien in den letzten zehn Jahren praktisch überall in den bayerischen Bergen massiv ausgebaut worden. In Zukunft soll laut BN nur noch der Erhalt bereits vorhandener Anlagen gefördert werden. Zum Schutz der Bergwelt selbst vor dem immer stärkeren Andrang wünscht sich der BN ein Lenkungskonzept. Es soll Zonen umfassen, in denen Mountainbiker, Skitourengeher und andere Bergsportler ihren Aktivitäten nachgehen können. Davon sollen laut BN-Chef Mergner die Bergregionen unterschieden werden, in denen der Naturschutz Vorrang hat und deshalb solche Sportarten nicht mehr ausgeübt werden dürfen.

© SZ vom 23.12.2020/van, wean
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