Mitten in Bayern:Der Speiseplan der Jungsteinzeit

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Forscher haben mit Hilfe von Fettrückständen jahrtausendealte Essgewohnheiten nachvollzogen. Da wird es für unsere Nachfahren mit Schweinsbraten und Weißwurst mutmaßlich einfacher

Glosse von Florian Fuchs

Der Schweinsbraten wird auch in ein paar tausend Jahren noch mit Kruste daherkommen. Bloß wird vielleicht kein Schwein mehr drin sein, eher Erbsenproteine mit viel Eisen. Kann sein, dass die Kartoffelknödel, die dazu serviert werden, weiter aus Kartoffeln bestehen. Unsere Nachfahren brauchen allerdings keine aufwendigen Analysen von Bodenproben aus einschlägigen Biergartenarealen, um in Wissenschaftsmagazinen neueste Erkenntnisse auszutauschen, etwa dass schrullige Völker zu Beginn des dritten Jahrtausends nach Christus tatsächlich einmal Schweine gegessen haben. Sie ziehen sich dieses Wissen einfach aus dem Internet, in dem es für Jahrmillionen wird abgespeichert sein.

So einfach ist es mit der Jungsteinzeit nicht, deshalb ist es verdienstvoll, dass Forscher mithilfe von Experten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg nun aus in Schottland geborgenen Tonscherben ein wenig Licht in den Speiseplan der damaligen Zeit bringen. Die unter Wasser gefundene Keramik stammt aus der Zeit zwischen 3600 bis 3300 vor Christus. Molekulare Fettrückstände auf ihr deuten auf den Genuss von Getreide, Milch und Fleisch hin. Die Fette haben sich während des Kochens oder der Aufbewahrung im porösen Ton festgesetzt. Von der Uni heißt es, dass die biomolekularen Komponenten mittels Gaschromatographie und Massenspektrometrie entschlüsselt worden seien. Es entstehe ein chemischer Fingerabdruck, der zusammen mit einer Bestimmung des Verhältnisses der Kohlenstoffisotope der Fettsäuren die Identifikation der einst verwendeten Nahrungsmittel ermöglicht. So zeigen die Analysen, dass die Menschen damals bereits Weizen, und nicht wie bisher angenommen nur Gerste konsumierten. Es zeigte sich auch, dass sie Fleisch in größeren Gefäßen getrennt von Getreide und Milch kochten.

Man darf hoffen, dass sich in noch einmal 3600 Jahren auch die Rezepte für Weißwurst nicht in den Untiefen des weltweiten Gedächtnisses namens Internet verlieren. Falls doch, könnten künftige Forscher vielleicht ebenfalls auf Gaschromatographie und ähnliche Wundermittel zurückgreifen, um die Zusammensetzungen dieses bayerischen Kulturguts nachzuvollziehen. Erbsenproteine, so viel sei der Nachwelt schon verraten, werden sie in Fettrückständen der Weißwurst nicht finden. Wundern werden sich unsere Nachfahren trotzdem.

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