Geschichte BayernsLudwigs Traum in Weiß

Vor 150 Jahren wurde der Grundstein für Schloss Neuschwanstein gelegt. Es gibt viele Gründe dafür, warum die Kitsch-Burg des Märchenkönigs bis heute Romantiker, Royalisten und Technikfans begeistert. Eine Auswahl.

Von Helena Ott und Florian Fuchs

Romantik

Obwohl reine Reminiszenz an die Sagen von Gralsrittern und Herzoginnen ist Neuschwanstein zum Inbegriff einer romantischen Burg des Mittelalters geworden. Der Wiederaufbau alter Burgen war im Historismus üblich, einzigartig an Neuschwanstein ist, dass von der mittelalterlichen Burg über der Pöllatschlucht nur noch Ruinen standen. Das ermöglichte es Ludwig II. seine "Neue Burg Hohenschwangau" in Anlehnung an die Eisenacher Wartburg ganz nach seiner idealtypischen Vorstellung des Mittelalters zu konzipieren. Genug Inspiration hatte er in seiner Jugend bei Mittelaltersagen und später bei Richard Wagners Opern "Lohengrin", "Tannhäuser und "Parsifal" gesammelt. Mit seinem alles überragenden Baudenkmal kompensierte Ludwig II. seine schwindende Macht. So unterzeichnete er 1870, ein Jahr nach Baubeginn in Neuschwanstein, Otto von Bismarcks berühmten Kaiserbrief, trug damit dem preußischen König Wilhelm I. die deutsche Kaiserkrone an und erhielt im Gegenzug geheime Geldzahlungen.

Bild: imago images / Mehrdad Samak-Abe 2. September 2019, 10:372019-09-02 10:37:30 © SZ vom 01.09.2019/pvn