Bahnverkehr in Bayern:Not driving home for Christmas

Bahnverkehr in Bayern: Die nächsten Tage werden für Bahnreisende eher ungemütlich.

Die nächsten Tage werden für Bahnreisende eher ungemütlich.

(Foto: Christian Charisius/dpa-tmn)

Nach Schneechaos und "Zoltan": Wer in Bayern mit dem Zug nach Hause fahren will, um Weihnachten mit der Familie zu feiern, sollte viel Zeit einplanen - und den Baustellen-Newsletter abonnieren.

Wie verwirrend die Lage ist, lässt sich exemplarisch auf der Strecke zwischen Hof, Regensburg und München beobachten. Den hier verkehrenden RE 2 übernahm die DB Regio erst Mitte Dezember als Betreiberin - und kündigte kurzfristig bis 7. Januar Zugausfälle an. Allerdings finden sich dazu bislang keine Angaben im offiziellen Baustellenportal der Deutschen Bahn.

Laut dem Fahrgastverband Pro Bahn hat das einen einfachen Grund: Die vermeintlichen Bauarbeiten auf der Strecke gebe es gar nicht. Vielmehr habe die DB Regio nicht ausreichend Fahrzeuge, um die Linie zu betreiben. Durch die Ausfälle würden daher exakt zwei Zuggarnituren eingespart.

Eine Frechheit, wie der bayerische Pro Bahn-Vorsitzende Lukas Iffländer mitteilte: "Nicht nur ist die Qualität bei der Übernahme der Strecke Hof-München ein Desaster, man lügt die Fahrgäste auch noch an." Iffländer forderte von der DB Regio eine öffentliche Entschuldigung. Inhaber von Zeitkarten auf der Strecke verdienten zudem eine finanzielle Entschädigung.

Die DB wies den Vorwurf zurück, sie habe Fahrzeugprobleme "vertuscht". Die Bahn habe am 11. Dezember informiert, dass nach den massiven Schneefällen auf der betreffenden Linie RE 2 nur rund die Hälfte der Fahrten ausgeführt werden könne. Ursache seien Schäden an Komponenten der Wasser- und Stromversorgung an zahlreichen Fahrzeugen, die wegen der heftigen Schneefälle längere Zeit bei strengem Frost ohne Energieversorgung waren.

"Da auch Busersatzverkehr unterwegs ist und erfahrungsgemäß viele Fahrgäste Abonnenten des Baustellen-Newsletters sind, haben wir entschieden, die Information auch über diesen Kanal zu veröffentlichen und in der Fahrplanauskunft darauf zu verlinken", sagte ein Bahn-Sprecher. "Leider kam es dabei zu einem Fehler und es war stellenweise irrtümlich von 'Bauarbeiten' die Rede." Das sei mittlerweile korrigiert.

Auch auf anderen Strecken wird es in den kommenden Wochen Einschränkungen geben. So bleibt im Oberland der Abschnitt Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald wegen Baumaßnahmen bis mindestens 7. Januar 2024 gesperrt. Zwischen Nürnberg und Augsburg fallen beim RE 7 Verbindungen aus. Das Baustellenportal der DB empfiehlt, stattdessen auf Züge mit der Nummer RE/RB 16 auszuweichen.

Jedoch sind für diese Linie ebenfalls Ausfälle angekündigt - zwischen Donauwörth und Augsburg. Denn die Gleiserneuerung in Meitingen zieht sich noch bis voraussichtlich 19. Januar hin. Laut GoAhead gibt es einen Schienenersatzverkehr. Ausfälle und Einschränkungen bis in den Sommer hinein gibt es außerdem beim RE 32 auf der Strecke Bayreuth-Lichtenfels-Bamberg/Coburg.

Im Fernverkehr sollen zwischen 27. und 30. Dezember einige EC- und ICE-Züge nicht in Günzburg halten. In diesem Zeitraum entfallen auch die französischen TGV-Züge von Straßburg und Paris (TGV 9576, 9577, 9579) zwischen Stuttgart und München.

Auch auf den übrigen Strecken ist eine gewisse Vorsicht zumindest angeraten: Zu häufig geriet der Fahrplan in den vergangenen Jahren bayernweit durcheinander, zum Beispiel wegen erkranktem Personal. Zumal nun auch noch Sturmtief "Zoltan" gewütet und einigen Schaden angerichtet hat.

Die Deutsche Bahn warnte am Freitag vor ganztägigen witterungsbedingten Beeinträchtigungen. Der Fernverkehr sei dabei besonders stark betroffen. Reisenden wird geraten, sich vor Fahrtantritt online über die möglichen Verbindungen zu informieren. Die Zugbindung sei für Freitag aufgehoben. Die DB verwies allerdings auch darauf, dass die Züge im Fernverkehr wegen der bevorstehenden Weihnachtstage bereits sehr stark ausgelastet seien.

Auf der Bahnstrecke zwischen Schirnding (Landkreis Wunsiedel) und Nürnberg prallte am Donnerstagabend ein Zug gegen einen Baum, der auf die Gleise gestürzt war. Nach Polizeiangaben wurde niemand verletzt. Die Fahrgäste mussten auf einen Schienenersatzverkehr ausweichen. Im oberfränkischen Stockheim (Landkreis Kronach) musste eine Bahnunterführung gesperrt werden, die wegen des andauernden Regens überschwemmt wurde.

Auch Verkehr auf den Straßen beeinträchtigt

Auch auf der Straße kam es bayernweit wegen der starken Sturmböen und des Dauerregens zu Beeinträchtigungen und zahlreichen Einsätzen von Polizei und Feuerwehr. Vor allem haben umgestürzte Bäume und abgerissene Äste für kleinere Schäden gesorgt.

In Niederbayern verzeichnet die Polizei rund 100 witterungsbedingte Einsätze, überwiegend wegen umgestürzter Bäume und umgefallener Baustellenabsicherungen. Auf der Autobahn 93 kam es zwischen den Anschlussstellen Aiglsbach und Mainburg (Landkreis Kelheim) zu mehreren Unfällen, nachdem ein Baum auf die Fahrbahn gestürzt war.

Auf der Autobahn 9 bei Himmelkron (Landkreis Kulmbach) kam es in Fahrtrichtung München wetterbedingt zu zwei halbstündigen Vollsperrungen. Nach Polizeiangaben ragten Hinweisschilder sturmbedingt auf die Fahrbahn.

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