Arbeitsmarktbericht:Arbeitslosigkeit steigt in Bayern um 17,6 Prozent

Bundesagentur gibt Arbeitsmarktstatistik für April 2020 bekannt

Die Aussichten auf einen neuen Job sind in der Corona-Krise so schlecht wie lange nicht.

(Foto: dpa)

Im April waren 40 738 Menschen mehr arbeitslos als im Vormonat. Einen solchen Zuwachs gab es noch nie.

Von Maximilian Gerl

In der Arbeitsagentur hatten sie in der Vergangenheit oft Grund zum Jubeln, regelmäßig gab es neue Rekorde bei der Arbeitslosigkeit zu vermelden. Auch für April schlagen wieder Rekordzahlen zu Buche - allerdings solche, die niemand gerne verkündet. Als Chef der Regionaldirektion blieb Ralf Holtzwart am Donnerstag indes wenig anderes übrig. "Die Corona-Pandemie trifft den Arbeitsmarkt hart", sagte er am Telefon.

Die Arbeitslosigkeit sei gegenüber März "deutlich" gewachsen, um 40 738 Menschen oder 17,6 Prozent. "So einen hohen Anstieg hatten wir noch nie." Insgesamt seien in Bayern 271 853 Menschen arbeitslos gemeldet. Gleichzeitig breche die Nachfrage nach Arbeitskräften ein, "die Zahl der gemeldeten Stellen ging in fast allen Branchen zurück". Alles in allem: "völlig untypisch für diese Jahreszeit", so Holtzwart.

Normalerweise würde spätestens im April die sogenannte Frühjahrsbelebung einsetzen, weil viele Gewerke ihren Betrieb nach dem Winter wieder ausweiten. Doch die Zeiten sind eben alles anderes als normal. Immerhin lässt sich anhand der neuen Zahlen erstmals abschätzen, wie schwer die Corona-Krise die Beschäftigten hierzulande getroffen hat.

In blanken Zahlen und aus der Entfernung sieht das mitunter gar nicht so schlimm aus: Die Arbeitslosenquote etwa ist zwar um einen halben Punkt auf den höchsten Wert für einen April seit fünf Jahren gestiegen, liegt aber bei 3,6 Prozent. Zum Vergleich: Bei Werten zwischen zwei und drei Prozent sprechen Ökonomen von Vollbeschäftigung. Und in anderen Bundesländern und Staaten sind die Zahlen weit verheerender.

Für all jene, die in der Krise ihren Arbeitsplatz verloren haben, ist das freilich kein Trost. Vor allem, da die Aussichten auf einen neuen Job so schlecht sind wie lange nicht. Branchenübergreifend wurden im April nur 12 944 neue Stellen gemeldet - 55,4 Prozent weniger als im Vorjahr. In der Gastronomie beträgt der Rückgang gar 90 Prozent. Auch im Handel, der Zeitarbeit und im verarbeitenden Gewerbe sind die Auswirkungen der Corona-Krise besonders spürbar. Von Entlassungen sind Akademiker, Fachkräfte und Aushilfen gleichermaßen betroffen.

Vergleichsweise gut geht es noch den Beschäftigten, die auf Kurzarbeit umgestellt wurden: Sie verdienen teils deutlich weniger - oft auch zu wenig, um langfristig ihre Existenz sichern zu können -, sind aber vorerst vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Zuletzt hatten bayernweit 119 850 Firmen Kurzarbeit angemeldet, jeden Tag kommen Hunderte neue Anzeigen hinzu. 1,7 Millionen Menschen sind nach Schätzungen davon betroffen, in unterschiedlichem Umfang. Manche arbeiten 90 Prozent ihres Wochenpensums und damit fast so viel wie vorher, andere sind komplett freigestellt.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund in Bayern zeigte sich am Donnerstag vor allem über das Ausmaß der Kurzarbeit "schockiert". Die Zahlen machten aber auch deutlich, dass sich dieses "Auffangnetz" in der Krise bewähre. Ähnlich äußerten sich Arbeitgeberverbände. Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft geht davon aus, dass die aktuellen Arbeitsmarktzahlen erst den "Anfang der Auswirkungen der Corona-Krise" abbildeten. Arbeitsministerin Carolina Trautner (CSU) rief Unternehmer dazu auf, die bestehenden Hilfen zu nutzen, um Arbeitsplätze "nach Kräften zu erhalten". Es würden "alle Anstrengungen unternommen", um Betriebe vor der Insolvenz zu retten.

Das wird zunehmend schwieriger. Verbände und Kammern gehen längst davon aus, dass nicht alle Firmen und Solo-Selbstständigen die Krise wirtschaftlich überleben werden, zu groß, zu heftig sind die Einschnitte. Auch deshalb dürfte die Zahl der Arbeitslosen in den kommenden Monaten weiter steigen. Wie sehr, lässt sich schwer prognostizieren. Alles hängt vom weiteren Verlauf der Krise ab. Unter anderem die FDP nahm daher die neuesten Zahlen zum Anlass, um abermals für ein "konsequentes Vorgehen bei der Öffnung der gesamten Wirtschaft unter Beachtung von Hygiene- und Sicherheitsauflagen " zu werben.

Immerhin einen erfreulichen Aspekt konnte man in Nürnberg aber vermelden. Bei den bislang für Herbst eingegangenen Ausbildungsstellen sei nur ein "ganz leichter Rückgang" zu beobachten, sagte Holtzwart. Offenbar haben viele Firmen die Hoffnung noch nicht aufgegeben, bald wieder einigermaßen normal arbeiten zu können - was auch immer "normal" in diesen Zeiten heißt.

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