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Bahnverkehr zwischen München und Salzburg:Totes Gleis

Schallschutzwand an Bahnstrecke in München, 2013

Die Meridian-Züge von München nach Salzburg müssen bereits in Freilassing umkehren.

(Foto: Angelika Bardehle)
  • Seit gut einer Woche fahren keine Züge zwischen Freilassing und Salzburg.
  • Aufgrund der Kontrollen hat die maximale Verspätung eines Zuges neun Stunden betragen.
  • Ein Ende der Sperrung ist nicht in Sicht.

Von Heiner Effern, Freilassing

Die Grenzbahnhöfe Salzburg und Freilassing trennen lediglich knapp sieben Kilometer. Doch seit gut eineinhalb Wochen, seit die Bundesregierung wegen des großen Flüchtlingsandrangs die Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Österreich wieder eingeführt hat, leben die beiden Nachbarn, als ob feindliche Regierungen eine Mauer hochgezogen hätten. Internationale und auch regionale Züge kehren auf beiden Seiten der Staatsgrenze um.

Von Freilassing aus verkehren wenigstens noch Busse als Ersatz, umgekehrt müssen Passagiere einen Haltepunkt der Buslinie 24 in Salzburg finden oder ein Taxi nehmen, um die Reise in Bayern fortzusetzen. Bis 4. Oktober wird hier die Grenze auf der Schiene dicht sein, so lange werden laut Bundesregierung die Kontrollen mindestens fortgesetzt.

Die Bahnunternehmen nehmen die Situation bisher mit Geduld. "Wir haben eine Ausnahmesituation, die jeder respektiert", sagt Klaus-Dieter Josel, Chef der Deutschen Bahn (DB) in Bayern. Beinahe täglich kommen Tausende Flüchtlinge an den Bahnhöfen in Salzburg und Passau an. Seit die Bundesregierung am Sonntag, 13. September, beschlossen hat, deshalb temporär an der Grenze nach Österreich wieder zu kontrollieren, ist der Zugfahrplan auf der Hauptroute von Salzburg nach München außer Kraft.

Notfallfahrplan im Fernverkehr

Am ersten Tag nach dem Beschluss versuchte die Bahn noch, den Betrieb regulär aufrechtzuerhalten. Doch die Kontrolle der Fahrgäste, meist Asylsuchende, dauerte pro Zug in Freilassing zwei Stunden. Wartezeiten schaukelten sich auf, bis eine maximale Verspätung von neun Stunden erreicht wurde. Am Tag darauf versuchte es die Bahn mit einem ausgedünnten Fahrplan, doch auch das brachte keine Verbesserung. Der Verkehr über die Grenze wurde am Mittwoch, 16. September eingestellt. "Diese Entscheidung lag bei der Bahn", sagt Josel.

Seitdem gilt ein Notfahrplan im Fernverkehr. Züge von Frankfurt nach Klagenfurt oder von München nach Budapest fahren zum Beispiel zwischen der bayerischen Landeshauptstadt und Salzburg nicht. Auch Nachtzüge nach Venedig oder Zagreb sind betroffen. Ausweichrouten nach Wien führen über Passau, nach Salzburg über Wörgl und Zell am See. Trotzdem sei die Situation für die Fahrgäste "schwierig", sagt ein Sprecher der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB).

Fahrgäste bekämen ihre Tickets deshalb unkompliziert erstattet. Erleichtert zeigen sich die ÖBB, dass die sogenannten Korridorzüge wieder verkehren können. Das sind Verbindungen, die von Salzburg aus über Bayern ohne Halt nach Kufstein führen und somit als innerösterreichischer Verkehr gelten. Über die offene Grenze im Inntal können von dort aus Fahrgäste auch in die Regionalzüge des Meridian nach München umsteigen.

Kein Ende in Sicht

Auch diesen privaten Anbieter, der den Nahverkehr von München nach Kufstein und Salzburg betreibt, betreffen die Grenzkontrollen. Man habe für die Fahrgäste auf eigene Kosten einen Busanschluss vom Freilassinger zum Salzburger Bahnhof eingerichtet, sagte eine Sprecherin. Die Meridiane könnten dort genauso wenig wie die Fernzüge der Bahn über die Grenze fahren. Alle Verbindungen enden und starten in Freilassing. Abgesehen davon werde der Fahrplan regulär eingehalten, heißt es bei Meridian. "Wir sind zudem in Gesprächen, dass in Kürze wenigstens der S-Bahn-Verkehr zwischen Freilassing und Salzburg wieder aufgenommen wird." Das würde wenigstens einen begrenzten Austausch zwischen den Bahnhöfen erlauben.

Die Entscheidung, ob auf den Gleisen gefahren werden darf, liegt bei der Deutschen Bahn. Bayernchef Josel ist Mitglied im Krisenstab und verfolgt die Entwicklung genau. Daneben hat er einen Job als Krisenmanager: Bis zu sechs Sonderzüge am Tag muss er organisieren, die Flüchtlinge nach der Ankunft ins ganze Bundesgebiet transportieren. Sie fassen in der Regel 500, in der Spitze aber auch mehr als 800 Personen.

Ein Ende der Grenzsperre sei erst zu erwarten, wenn aufgrund einer politischen Lösung die Zahl der ankommenden Flüchtlinge deutlich sinke. Der Berchtesgadener Landrat Georg Grabner (CSU) verweist auf die schwierige Lage der Pendler. "Für die brauchen wir unbedingt eine Entlastung." Wenigstens ein vernünftiger Busverkehr in beide Richtungen müsse installiert werden. Denn ein Ende des Ausnahmezustands in Freilassing könne noch auf sich warten lassen.

© SZ vom 24.09.2015/vewo

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