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Flüchtlinge in Bayern:Was die vielen Zufluchtsuchenden für die Behörden bedeuten

Miesbach: Füchtlings-Unterkunft

Bauzäune und Kunststoffplanen als Raumteiler: Eine Turnhalle in Miesbach ist in eine Notunterkunft für 200 Flüchtlinge umfunktioniert worden.

(Foto: Johannes Simon)

Bayerns Behörden schuften am Limit: Täglich müssen neuankommende Flüchtlinge untergebracht und versorgt werden. Ein Besuch im Landkreis Miesbach.

Von Christian Sebald

Neun Uhr morgens, Landratsamt Miesbach: In einem kargen Besprechungsraum sitzen Landrat Wolfgang Rzehak und neun Verwaltungsleute am Tisch. Es ist einer dieser Tage, in denen Tausende Flüchtlinge in Bayern ankommen. Alle Welt spricht von den Ehrenamtlichen, die helfen, den Andrang zu bewältigen. Jetzt reden die Verwaltungsleute. Ihr Job: Die Unterbringung von Flüchtlingen. Seit Monaten tun sie nichts anderes - morgens, mittags, abends, oft nachts. Ein jeder hat einige hundert Überstunden angesammelt. Wenn allein in der Notunterkunft 200 Neuankömmlinge medizinisch durchgecheckt werden müssen, haben das Gesundheitsamt und die Ärzte im Klinikum eine Woche lang zu tun. Dienst nach Vorschrift? Das gibt es hier nicht.

Die Zahlen

Jeden Tag kommen im Schnitt 29 Flüchtlinge an. Im Dezember 2014 lebten noch 400 Asylbewerber im Landkreis Miesbach, im März 2015 waren es 550. Derzeit sind es 682, dazu 68 Jugendliche, die alleine unterwegs sind, und weitere 100 Menschen in der Not-Erstaufnahmeeinrichtung in einer Miesbacher Turnhalle. Die Regierung von Oberbayern hat unlängst angeordnet, dass das Landratsamt die Plätze in dieser Erstaufnahme auf 300 erhöhen muss. Im Behörden-Deutsch heißt das "Nachverdichtung". Nach einer Prognose werden Ende des Jahres 1333 Asylbewerber im Landkreis leben.

Stefan Köck, Leiter der Abteilung öffentliche Sicherheit: "Ich habe bei jeder Korrektur der Zahlen nach oben gedacht, das kriegen wir nicht hin. Dann haben wir es doch immer geschafft. Und wir werden es auch schaffen, 1333 Asylbewerber unterzubringen, auch wenn wir dafür noch mehr Turnhallen akquirieren und Traglufthallen aufstellen müssen. Es geht nur so, die Leute müssen ja irgendwo hin. Früher haben wir versucht, sie in Wohnungen unterzubringen. Aber das gibt der Markt schon lange nicht mehr her."

Heike Hergenröder, Chefin des Gesundheitsamts: "Die Asylbewerber lasten uns komplett aus. Alles, was ein Gesundheitsamt für gewöhnlich macht, findet nur noch statt, wenn es ein akutes Problem gibt. Alleine die Gutachten für fachärztliche Behandlungen, was die Zeit binden. Ein Hausarzt darf nicht einfach einen Flüchtling an einen Facharzt überweisen, wenn er zum Beispiel Bauchschmerzen abklären lassen will. Da müssen wir ein Gutachten schreiben, dass wir einen Facharzt für angezeigt halten. Fast alle Neuankömmlinge leiden an Krätze, der permanente Wechsel der Wäsche, die Reinigung der Matratzen und die anderen Maßnahmen sind ein ungeheurer Aufwand."

Die Unterkünfte

Die 682 erwachsenen Asylbewerber im Landkreis sind auf 35 Unterkünfte verteilt, zumeist Wohnungen, alte Gasthöfe oder Pensionen. In Holzkirchen und Miesbach stehen Wohncontainer-Anlagen für jeweils 50 Flüchtlinge. Ein Container hat 13,56 Quadratmeter Wohnfläche, in ihm leben zwei Menschen. In Holzkirchen, in Tegernsee und in Gmund sind Flüchtlinge auch in Turnhallen untergebracht. In Warngau und Valley plant der Landrat bereits zwei weitere Container-Standorte für jeweils 50 Flüchtlinge. Außerdem will er zwei Traglufthallen aufstellen. In ihnen sollen jeweils bis zu 300 Flüchtlinge einquartiert werden. Die 68 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge sind in acht Unterkünften untergebracht.

Martin Pemler, Leiter der Verwaltung: "Wir haben lange unsere Flüchtlinge in Wohnungen, leeren Gasthöfen oder ähnlichen Immobilien einquartiert. Inzwischen halte ich Wohncontainer oder Traglufthallen für sehr viel besser geeignet. Nicht nur, weil es so viele Asylbewerber sind, die wir unterbringen müssen. Sondern weil die Wohnungen und Gebäude, die uns angeboten werden, meist menschenunwürdige Schrottimmobilien sind, die unter normalen Umständen niemals vermietbar wären. Selbst wenn wir da Fußböden und anderes reinrichten, bleiben sie schäbig. Außerdem haben wir viel Ärger mit den Besitzern. Sie wollen zwar Miete, aber nichts tun. Wohncontainer erfüllen wenigstens Mindeststandards."

Miesbach: Füchtlings-Unterkunft

Kein Platz für Spinde: Das Gepäck liegt offen herum.

(Foto: Johannes Simon)

Stefan Köck, Leiter der Abteilung öffentliche Sicherheit: "Wo immer wir eine Unterkunft einrichten, haben wir Debatten mit Bürgermeistern und Anwohnern. Die einen wollen nur Männer, die anderen nur Familien. Dann gibt es immer welche, die nur Syrer wollen, und wenn mehrere Nationalitäten, dann keine Schwarzen. Ich verstehe, dass alle ihre Vorstellungen haben und einbringen wollen. Aber die Debatten machen uns die Arbeit noch schwieriger, als sie sowieso schon ist. Zumal wir keine Spielräume haben, wenn wir es schaffen wollen, alle Flüchtlinge einigermaßen akzeptabel unterzubringen. Wir sind übrigens für eine gemischte Unterbringung möglichst mit Frauen und Kindern. Vor allem Kinder haben den Effekt, dass die Männer sich zusammenreißen und Konflikten nicht einfach freien Lauf lassen."

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