Auszeichnung Erika Steinbach bringt da etwas durcheinander

Erika Steinbach gibt ihren Verdienstorden, den der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer ihr überreichte, zurück.

(Foto: ag.dpa)

Weil die CSU die AfD als "braunen Schmutz" bezeichnet, gibt die frühere CDU-Politikerin den Bayerischen Verdienstorden zurück.

Kolumne von Wolfgang Wittl

Es soll Zeiten gegeben haben, in denen sich Horst Seehofer und Markus Söder angeblich nicht so blendend verstanden haben - anders also, als neuerdings in der CSU behauptet wird. Eines hat die beiden aber schon seit Jahren verbunden: eine kleine blaue Anstecknadel am Revers. Sie ist die Miniaturausgabe des Bayerischen Verdienstordens, eine der höchsten Auszeichnungen, die der Freistaat zu vergeben hat. Noch dazu eine, die alle Preisträger mit Stolz tragen, so unterschiedlich sie auch sein mögen.

Der Verdienstorden ist eine Würdigung von erfrischend zeitlosen Werten. Seit 1957 unter dem Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner wird er "an Männer und Frauen ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit in einer Klasse verliehen". Er ist "Zeichen ehrender und dankbarer Anerkennung für hervorragende Verdienste um den Freistaat Bayern und das bayerische Volk", "ein Symbol für den herausragenden Einsatz und das außerordentliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger für unser Gemeinwesen". Die Zahl lebender Ordensträger ist auf 2000 begrenzt, nach der Ehrung im vorigen Sommer waren es 1637. Zu ihnen gehören Politiker, Unternehmer, Sport- und Kulturgrößen ebenso wie die Mutter, die ihre Tochter pflegt, die Leiterin einer Suchtberatung oder der Vorsitzende eines Fördervereins für krebskranke Kinder.

Auch Erika Steinbach, die frühere Chefin des Bundes der Vertriebenen, hat diesen Orden bekommen. Jetzt aber mag sie ihn nicht mehr. Steinbach saß lange für die CDU im Bundestag, dann verließ sie die Partei wegen Angela Merkels Flüchtlingspolitik. Sie sympathisiert nun offen mit der AfD. Und weil die CSU die AfD als "braunen Schmutz" beschimpft, will sie den Orden mit der Post zurückschicken.

Das ist das gute Recht von Erika Steinbach. Erlaubt sei jedoch der Hinweis, dass sie damit so wenig zwischen Partei und Staat unterscheidet, wie Kritiker das sonst der CSU vorhalten. Der Bayerische Verdienstorden ist - wie am Namen unschwer zu erkennen - eine Auszeichnung des Freistaates Bayern, nicht der CSU. Wenn die eingeschnappte AfD-Freundin Erika Steinbach darauf verzichtet, nun ja, die anderen Ordensträger werden es verkraften. Sie bestätigt damit indirekt aber nur, was die CSU der AfD unterstellt: mit Bayern nichts am Hut zu haben.

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