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Asyl:60 Einsätze bis September - die Polizei klagt über Überlastung

Den Abrams-Komplex haben lange die Amerikaner genutzt, nach dem Krieg erst weiter als Lazarett, später als Erholungszentrum für Soldaten und als Hotel. "Edelweiss Lodge and Resort" steht noch an vielen Glastüren. Inzwischen gehört das Gelände dem Bund.

2014 kamen erste Flüchtlinge, im September 2015 richtete der Landkreis hier die Not-Erstaufnahme ein, die der Abrams-Komplex immer noch ist. Es ist die letzte in der Verantwortung eines Kreises, bald soll auch hier die Regierung übernehmen. Von der Drohung aus dem Brief der Bürgermeisterin, die weitere Nutzung über das Planungsrecht zu verhindern, zeigen sich Kreis und Regierung wenig beeindruckt.

Bald soll es hier neben den freiwilligen Helfern auch Asylsozialberater geben, sagt Landrat Speer, man arbeite an einer Videoüberwachung, und am Wochenende ließ die Polizei gar ihre Reiterstaffel aus Rosenheim antraben, um Präsenz zu zeigen. Der Polizeipräsident nennt "neben der objektiven Sicherheit" auch das Sicherheitsgefühl "ein essenzielles Grundbedürfnis".

Die Beamten der Polizeiinspektion, die selbst über eine Überforderung vor allem im September wegen dauernder Einsätze im Abrams-Komplex geklagt hatten, waren laut Statistik des Präsidiums in den vergangenen zwölf Monaten genau 60 Mal in der Gemeinschaftsunterkunft, davon 17 Mal im September und meist wegen Beleidigungen, Sachbeschädigungen, Bedrohungen, aber auch wegen Körperverletzung. Ausschließlich innerhalb des Abrams und unter den Flüchtlingen selbst. Lediglich eine Mitarbeiterin des Landratsamts wurde strafwürdig beleidigt.

Eine junge Frau aus der Flüchtlingsunterkunft hält eine Merkel-Autogrammkarte in die Kamera.

(Foto: Stephan Rumpf)

Hans Steinbrecher, der beim Garmischer BRK für den Rettungsdienst verantwortlich ist und im Abrams ehrenamtlich Sanitätsdienst leistet, weiß von keinen ernsten Zwischenfällen zu berichten. BRK-Bereitschaftsleiter Michael Debertin spricht eher von Blessuren vom Fußballspielen. Dass sich ihre Ehrenamtlichen angeblich nicht mehr ins Abrams trauen, davon haben beide zwar gehört, aber noch nie von den Ehrenamtlichen selbst. "Die machen das alle freiwillig und gerne", sagt Debertin. Die Flüchtlinge hülfen sich oft gegenseitig, und wenn es doch Reiberereien gebe, dann sei das Abrams groß genug, sich aus dem Weg zu gehen.

Junge Männer treten bestimmter auf als Flüchtlingsfamilien

Auf den 44 000 Quadratmetern hätten weit mehr Menschen Platz als die 325, für welche die Erstaufnahme gedacht ist. Aktuell leben 231 Menschen hier, 20 wurden gerade verlegt. Die größten Gruppen sind 64 Nigerianer, 55 Afghanen und 41 Somalier. An den Grenzen kämen derzeit eben zu 88 Prozent junge Afrikaner an, sagt Florian Hibler vom Garmischer Ausländeramt. Und sie träten oft bestimmter auf als die syrischen Familien, die zuvor die meisten im Abrams waren.

Im Abrams lehnen sie in Badelatschen im Foyer vor dem Speisesaal und tippen in ihre Handys, denn freies Wlan gibt es neuerdings auch hier drinnen. Kinder gibt es im Abrams auch noch. Die Gemeinde hat für sie eine Schule eingerichtet, so wie sich viele Garmischer bisher überhaupt mit Geschlossenheit für die Flüchtlinge eingesetzt haben. Dann hat die Bürgermeisterin einen Brief geschrieben. Am Wochenende demonstriert in Garmisch die AfD.

© SZ vom 26.10.2016/bhi
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