Mitten in Bayern:Kennt sich hier einer aus mit quer scheißenden Vögeln?

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OLCHING / FEURS: Mini-Reportage Partnerstadt FEURS

Dieser Maibaum war's nicht, von dem die Vögel ihre Ladungen abfeuerten, das ist nur ein ganz sauberes Symbolbild, aber immerhin mit querer Perspektive.

(Foto: Johannes Simon)

Ein Mann in Altusried ärgert sich über übermäßigen Kot auf seinem Grundstück und hat die Vögel auf dem Maibaum nebenan im Verdacht. Aber passt dafür überhaupt der Schusswinkel? Ein Sachverständiger soll das klären - wenn sich einer fände.

Glosse von Katja Auer

Glücklicherweise gibt es immer jemanden, der sich mit irgendetwas besonders gut auskennt. Wie wäre die Pandemie nur verlaufen ohne all die Virologen und Infektiologen, niemand hätte Studien für oder gegen irgendwas zitieren können, wen hätten Journalisten interviewen sollen, gäbe es nicht SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

Wer wissen will, warum irgendeine Prinzessin bei der Hochzeit nun doch nicht - oder gerade doch - den Schleier der Schwiegermutter trägt, der fragt Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert. Mit der CSU kennt sich CSU-Experte Heinrich Oberreuter aus, über Fußball und Frauen weiß Fußball-und-Frauen-Experte Lothar Matthäus Bescheid und Fragen zur fränkischen Seele kann am weisesten Franken-Experte Günter Dippold beantworten. Nein, nicht Markus Söder, wenngleich der natürlich als Experte für Ratschläge aller Art parteiübergreifend geschätzt ist.

Es gibt Experten für Kreisverkehre und für Tiefseekabel, für nordwestkaukasische Dialekte und für das Basteln von Fröbelsternen. Umso erstaunlicher ist es, dass sich kein Fachmann für quer scheißende Vögel findet. Ein solchen sucht dringend das Amtsgericht in Kempten, das seit Monaten zu klären versucht, ob der Maibaum in Altusried der Grund für übermäßig viel Vogelkot auf dem Grundstück des Nachbarn ist.

Das behauptet dieser und will deswegen den Maibaum weghaben, den der Trachtenverein traditionell aufstellt. Der Vorsitzende des Trachtenvereins wiederum mag das nicht glauben, viel zu groß sei der Abstand vom Maibaum zum Grundstück: "Das muss mir mal einer zeigen, dass so ein Vogel acht oder zehn Meter quer scheißt." Aber genau so jemand findet sich nicht, deswegen stockt der Prozess. Ein Forschungsinstitut habe zwar schon vor Monaten einen Sachverständigen für Vogelkot vorgeschlagen, heißt es aus dem Gericht, dieser sei aber letzten Endes abgesprungen. Und ein neuer ist nicht in Sicht.

Der hätte nun ohnehin Zeit bis zum nächsten Jahr, denn heuer steht der Maibaum nicht mehr. Und dann soll er einen neuen Platz auf dem neu gestalteten Marktplatz bekommen. Traditionell aufgestellt natürlich von ausgewiesenen Maibaum-Experten. Gottseidank gibt es solche wenigstens in Altusried.

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