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Plug-in-Hybrid im Test:Der Hybrid-Panamera ist schwerer als das Tesla Model S

Die Antriebsarchitekturen aus Schwaben und Kalifornien könnten indes kaum unterschiedlicher sein. Mit enormem Aufwand wollen die deutschen Hersteller ihre hochgezüchteten Ottomotoren am Leben erhalten. Statt 600 Kilogramm Batteriegewicht sattelt Porsche 300 Kilo auf einen konventionellen Panamera drauf. Weil Batterien plus Kraftstofftank und Elektro- sowie Verbrennungsmotor mitgeschleppt werden, wiegt der 4 E-Hybrid mehr als ein Model S.

Höheres Gewicht bedeutet automatisch einen höheren Energieverbrauch, weshalb ein Ökoauto mit 2170 Kilo Leergewicht (ohne Fahrer) ziemlich sinnfrei ist. Das Power-Meter zeigt zwar, wie viel Energie aktuell abgerufen, respektive via Rekuperation zurückgewonnen wird. Aber machen wir uns nichts vor: Auch beim Tesla findet nur ein kleiner Teil der Schubenergie den Weg zurück in die Akkus.

Ein Pendlerauto vom Feinsten

Trotzdem ist der Panamera 4 E-Hybrid ein Pendlerauto vom Feinsten. Mit 14,1 Kilowattstunden Kapazität kommt er im urbanen Umfeld problemlos auf 50 Kilometer elektrische Reichweite. Wer ein- oder zweimal pro Tag nachladen kann, ist mit dem Akku unter dem Kofferraum bestens bedient. Aber wehe das Öko-Pummelchen wird länger von der Ladeleine gelassen: Mit 340 kW (462 PS) Systemleistung spielt dieser Porsche in der Liga der Achtzylinder-Supersportwagen. Artgerecht auf der Autobahn bewegt, entwickelt sich der V6-Biturbo aus der Entwicklungspartnerschaft mit Audi bald zum Säufer. Dann ist die Batterie nur noch Ballast, der auf der Autobahn zwar stabilisierend wirkt. Doch das verlockt zum Noch-schneller-Fahren und die Ökobilanz ist beim Teufel.

Auf 1340 Kilometer Strecke konnten wir nur zwei Mal ausreichend lange an die Steckdose. Anders als bei Teslas Riesenbatterien genügen sieben Stunden am üblichen Haushaltsanschluss, um die Lithium-Ionen-Akkus wieder komplett zu laden. Doch in der Stadt ist selbst so eine Buchse nicht immer zu finden. Auch deshalb haben wir knapp zehn Liter Benzin je 100 Kilometer gebraucht. Auf solche Verbrauchswerte kommt der ähnlich starke Panamera 4S auch. Beim Panamera 4 E-Hybrid gibt Porsche den Verbrauch indes ganz legal mit 2,5 Liter auf 100 Kilometer an, plus 15,9 Kilowattstunden elektrischer Energie. Aber das funktioniert wie gesagt nur, wenn man die meiste Zeit mit vollen Batterien und mit mäßigem Tempo rollt.

Die meisten Plug-in-Hybride fallen im ADAC-Ecotest durch

Bei keinem anderen Antrieb ist die Diskrepanz zwischen Realverbrauch und Normangabe abhängiger vom Nutzer als beim Plug-in-Hybrid. Deshalb fallen die meisten Teilzeitstromer auch im ADAC Ecotest durch. Aus Umweltsicht sei nur der Toyota Prius Plug-in ein echter Saubermann. Wer Toyotas Stecker-Hybrid kennt, weiß aber, dass nach 35 Kilometern mit dem reinen Stromern Schluss ist. Und der Fahrspaß mit leeren Akkus gegen null tendiert. Der V6 im Panamera 4 E-Hybrid ist dagegen alles andere als ein schwächlicher Hilfsmotor. BMW übt sich mit Vierzylindern im Plug-in-Spagat. Das spart zwar Sprit, kann beim Fahrspaß aber nicht vollends überzeugen.

Es bleibt das Prinzip Hoffnung: Vielleicht profitieren die Teilzeitstromer ganz besonders vom technischen Fortschritt. In Form des induktiven Ladens zum Beispiel: Ab dem nächsten Jahr wird ohne Stecker mit 3,5 kW Leistung geladen. Ein Energie-Snack, der kaum ein reines Batterieauto satt macht. Der Weg ins Elektro-Zeitalter könnte also länger dauern als gedacht. Das müssen wir uns in der Urlaubszeit ganz konkret vorstellen: Mit langen Schlangen an den Ladestationen auf der Autobahn. Und mit Plug-in-Hybriden, die dank 700 Kilometer Reichweite einfach weiterfahren.

© SZ vom 02.09.2017/harl

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