Jubiläum: Viermastbark "Passat" Der fliegende Hamburger

Ab heute wird in Travemünde der 100. Geburtstag der Viermast-Stahlbark "Passat" gefeiert - der Großsegler gehörte einst zu den legendären "Flying-P-Linern" einer norddeutschen Reederei.

Von Tobias Opitz

"Der Sturm bedroht in der Nordsee den Segler. Dichter Nebel im verkehrsreichen Kanal bereitet Gefahr. Des Ozeans ganze Wucht trifft ihn in der Biscaya. Erst wenn der Wendekreis überschritten, zieht mit den vom Passat geschwellten Segeln das Schiff in schnellem Lauf seinem Ziele zu. Mögen günstige Winde Dich, Du stolzes Schiff, stets schnell und sicher in den schützenden Hafen geleiten. Diesem Wunsche soll Dein Name Ausdruck geben. Ich taufe Dich Passat."

Hunderte von kleinen und großen Schiffen begleiteten die Viermastbark Passat bei ihrer Fahrt vom Liegeplatz in Travemünde zur Generalüberholung in die Lübecker Flender-Werft (Bild vom August 1997). Nach rund neun Monaten Liegezeit im Trockendock wurde das 1957 außer Dienst gestellte Schiff wieder an die Hansestadt Lübeck zurueckgegeben. Die Generalsanierung kostete damals rund sieben Millionen Mark.

(Foto: dapd)

Man schrieb den 20. September 1911, im Hamburger Hafen herrschte Feierlaune. Denn bei Blohm & Voss sollte an diesem Tag ein 114 Meter langer Neubau vom Stapel laufen und getauft werden.

Überhaupt war in diesen Tagen viel los in der Hansestadt - erst gut zwei Wochen zuvor, am 7. September, war der Elbtunnel nach vier Jahren Bauzeit für den Fußgängerverkehr geöffnet worden und das Hamburger Fremdenblatt kommentierte: "...mit lauter Sprache reden, wie die moderne Technik zu Lande, zu Wasser und unter dem Wasser die an sie herantretenden Aufgaben überwindet".

An Bord der Passat dagegen, so wurde der große Segler getauft, war von moderner Technik noch nicht viel zu sehen. 4600 Quadratmeter Segel, kein Hilfsmotor, traditionelles Seefahrer-Handwerk. Zwar hatten längst Dampfschiffe auf den weltweiten Frachtrouten ihren Dienst aufgenommen, doch die Hamburger Reederei F. Laeisz setzte nach wie vor auf ihre schnellen Segelschiffe, die auf den Weltmeeren als Flying-P-Liner bekannt waren wie bunte Hunde.

Und gleich mit der Jungfernreise, zu der die Passat am 24. Dezember 1911 in Hamburg startete, wurde diese Firmenphilosophie bestätigt. Mit bis zu 18 Knoten war die Passat unter dem Kommando von Kapitän J. Wendler rund Kap Hoorn nach Chile unterwegs und bot so den Dampfschiffen die stolze Stirn.

In den 100 Jahren, die seither vergangen und Anlass für die Geburtstagsparty rund um die Passat in dieser Woche in Travemünde sind, überstand das Schiff eine wechselvolle Geschichte. Ursprünglich für den Transport von Salpeter von Südamerika nach Europa vorgesehen, zwangen die Folgen des Ersten Weltkrieges die Passat 1914 dazu, für mehrere Jahre in Chile zu bleiben; erst im Mai 1921 kam die Viermastbark nach Europa zurück und wurde als Kriegsentschädigung an Frankreich abgetreten.

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