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Fahrerlose Züge:Dann eben ohne Lokführer

Erste vollautomatische U-Bahn in Nürnberg

In Nürnberg fährt Deutschlands einzige fahrerlose U-Bahn. Die Züge stammen von Siemens.

(Foto: dpa)

Fahrerlose Züge sind technisch längst machbar. In vielen Städten, darunter in Nürnberg, fahren schon seit vielen Jahren U-Bahnen ohne Lokführer. Im Fernverkehr bleiben sie dennoch eine Zukunftsvision. Das liegt vor allem an den Fahrgästen.

Das autonome Fahren ist derzeit eines der Lieblingsthemen der Automobilingenieure. Schon heute halten einige Modelle im Kolonnenverkehr selbständig die Spur und den Abstand zum Vordermann. Von 2020 an, so die Pläne der Industrie, sollen die ersten Autos dann ganz ohne Hilfe eines Fahrers durch den Straßenverkehr finden.

Die Hersteller von Zügen und Bahnen sind den Autobauern in dieser Hinsicht aber weit voraus. In mehr als drei Dutzend Metropolen weltweit sind bereits automatisierte Züge unterwegs. In Europa beispielsweise in Barcelona, Kopenhagen und Paris, dazu in zahlreichen asiatischen und amerikanischen Städten. Weitere Ballungsräume, etwa die finnische Hauptstadt Helsinki oder im Nahen Osten, sind mit ihren Plänen für Bahnen schon weit vorangekommen.

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Fahrerlose Transportmittel sind längst etabliert

Die bislang einzige deutsche Stadt, die solche Züge einsetzt, ist Nürnberg. Seit Sommer 2008 verkehren auf den Linien U2 und U3 automatisierte Bahnen - mit großem Erfolg. Die Technik funktionierte in den bislang mehr als sechs Jahren reibungslos. Auch fahrerlose Transportmittel an Flughäfen, die Passagiere zwischen Terminals, Parkhäusern und Bahnhöfen hin und her chauffieren, sind lange etabliert.

Bei einem Ereignis wie dem aktuellen beispiellosen Lokführerstreik stellt sich daher zwangsläufig die Frage, ob automatisch gesteuerte Züge nicht auch im Fernverkehr eingesetzt werden könnten, wenn die an den U-Bahnen bereits erprobte Technik adaptiert würde.

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Tatsächlich ist die Herausforderung dabei aber größer und geht - wie auch in der Autoindustrie - weit über die technischen Eckpunkte hinaus. Denn es sind die andere Einflüsse, die für Unwägbarkeiten sorgen. Die fehlenden gesetzlichen Rahmenbedingungen für Züge, die nicht von entsprechend ausgebildeten Menschen kontrolliert werden, sind nur eine davon.

Besonders sensible Gleisüberwachung

Fahrerlose Züge brauchen derzeit noch ein weitgehend geschlossenes System, um sicher funktionieren zu können. In Tunneln wie bei den U-Bahnen oder bei Hochbahnen wie an den Flughäfen Düsseldorf und Frankfurt sind kaum Störfaktoren zu befürchten. Fällt ein potenzielles Hindernis auf die Schienen oder steigt ein Mensch ins Gleisbett, schlagen die Sicherheitssysteme Alarm. "Unsere Gleisüberwachung registriert auch kleinste Unregelmäßigkeiten und stoppt sofort den Zug, wenn es gefährlich wird", sagt Elisabeth Seitzinger, Sprecherin des Nürnberger Verkehrsbetriebes VAG. Sie hält die fahrerlosen Bahnen gar für sicherer, weil es bei ihnen keine verzögerten Reaktionszeiten gäbe und ihre Reaktionen nicht tagesformabhängig seien.

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Lediglich an den Bahnhöfen bestehe eine erhöhte Unfallgefahr. Doch auch hier würden die Überwachungssysteme besonders sensibel auf potenzielle Gefahren reagieren. Zudem müssen sich U-Bahnen die Gleise nicht mit anderen Zügen teilen - ganz anders als im überregionalen Verkehr, wo Regional-, Güter- und Schnellzüge dieselben Schienen nutzen.

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