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Eine Industrie im Wandel:Vom Autohersteller zur Software-Company

BMW i3 und BMW Connected

Bei BMW Connected wird der Kunde per Smartphone oder -watch darüber informiert, wann er zu seinem nächsten Termin aufbrechen muss - abhängig von der Verkehrslage.

(Foto: BMW AG)

BMW und Mercedes wollen Vorreiter bei digitalen Geschäftsmodellen sein. Ein wichtiger Schritt dahin ist der persönliche digitale Assistent. Stehen der Mensch und sein Auto bald pausenlos in Kontakt?

Design, Mode, Kultur - ein paar Klicks auf bunte Bilder und schon findet der digitale Butler das passende Auto. "Sag mir, wie du lebst, und ich zeige dir den perfekten mobilen Partner" - so einfach sieht die Welt für den Mercedes-Lifestyle-Konfigurator aus. Das Echtzeit-Empfehlungssystem kommt gerade rechtzeitig, denn neue Fahrzeuge mit dem Stern lassen sich jetzt auch online bestellen. Für weitere digitale Services rund um die Kundenplattform "Mercedes Me" haben die Stuttgarter gerade eine Business Unit mit 100 neuen Stellen geschaffen.

Das Thema digitale Geschäftsmodelle treibt die gesamte Branche um. Audi-Chef Rupert Stadler verkündet frohgemut, dass die Ingolstädter in wenigen Jahren 50 Prozent ihres Umsatzes "in neuen Feldern" erwirtschaften werden.

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Das Nutzererlebnis soll im Vordergrund stehen

Alle führenden Autohersteller gründen momentan Geschäftsbereiche für Mobilitätsdienstleistungen und digitale Services. Die Kunst besteht darin, damit Geld zu verdienen. Deshalb wird in Ingolstadt und Stuttgart jeweils ein Chief Digital Officer (CDO) gesucht. Rupert Stadler erwartet, dass dieser "den kompletten Prozess von der Entwicklung über die Produktion bis zur Vermarktung" definieren kann. Der Autohersteller soll mit "digitalen Roadmaps" stärker wie ein IT-Unternehmen geführt werden.

Die Autoindustrie steht vor einem Paradigmenwechsel. Statt technischer Anforderungen soll nun das Nutzerlebnis im Vordergrund stehen. Doch jeder Kunde ist anders und will mit seinen Wünschen genau verstanden werden.

Mit dem Know-how für maßgeschneiderte digitale Dienste sieht es in der Autoindustrie bisher mau aus. Den Mercedes-Benz-Lifestyle-Konfigurator entwickelten die Big-Data-Spezialisten des Fraunhofer-Instituts (IAIS). Big Data bedeutet, sehr große, heterogene Datenmengen aus verschiedenen Quellen zu handlungsrelevanten Aussagen zu verdichten.

Das System wird immer intelligenter

Der Lifestyle-Konfigurator berücksichtigt mehrere Hunderttausend mögliche Fahrzeugkonfigurationen und eine Vielzahl weiterer Parameter. Das selbstlernende System liefert nicht nur individuelle Empfehlungen, sondern wird mit zunehmender Nutzungsdauer immer intelligenter. Ähnlich selbstlernend ist auch Googles Suchmaschine, die mit jeder Eingabe immer schneller und treffsicherer wird.

Vor zwei Jahren sorgte die Studie "Big Data revolutioniert die Automobilindustrie" für Aufsehen. Automobile werden sich in den Produkteigenschaften immer ähnlicher, schrieben die Autoren von der Unternehmensberatung Bain, "deshalb kommt der Interaktion mit den Kunden sowie deren Erfahrung mit der jeweiligen Markenwelt immer mehr Bedeutung zu". Die Frage ist nur, wie sich durchgängige Geschäftsprozesse zwischen Auto, Cloud und anderen Kontaktpunkten etablieren lassen.