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Digitale Zukunft im Auto:Das Auto wird einem Flugzeug immer ähnlicher

Wie einfach eine solche Überwachung technisch wäre, zeigt das Herzstück der künftigen Audi-Bordnetzarchitektur. Im zentralen Fahrerassistenzsteuergerät (zFAS), das kaum so groß ist wie ein Tablet-PC, laufen alle verfügbaren Sensorinformationen zusammen. Der Supercomputer unter dem Beifahrersitz ist dabei ständig mit einem Backend-Server vernetzt, der die Fahrzeugdaten fast in Echtzeit weiterverarbeitet. Funktionen wie das automatisierte Fahren werden so zum lernenden System, das sich unabhängig von der Auto-Hardware und ihren Modellzyklen ständig weiterentwickeln kann.

Steckt in jedem Auto künftig ein perfekter Spion? Wie dünn das Eis im Datenschutz ist, zeigen die juristischen Querelen um die sogenannten Dashcams: Die heimliche Videoüberwachung durch die Kameras an der Windschutzscheibe ist in Deutschland verboten. Trotzdem wurde eine solche Videoaufzeichnung jüngst als Beweismittel beim Verwaltungsgericht Ansbach zugelassen.

Für das automatisierte Fahren sind aber nicht nur Kameras, sondern wesentlich mehr Sensoren im Einsatz, die das Umfeld komplett überwachen. Das Auto wird in dieser Hinsicht einem Flugzeug immer ähnlicher - was zusätzliche Fragen in Sachen Datenschutz aufwirft. Seit mehr als einem halben Jahrhundert wird jeder Flugverlauf akribisch von einer sogenannten Blackbox überwacht, die alle Daten aufzeichnet. Wer den Fahrer zum Piloten stilisiert, kann daher leicht missverstanden werden: "Der neue A8 wird das erste Modell sein, mit dem Audi vom assistierten zum pilotierten Fahren übergeht", kündigt Entwicklungschef Ulrich Hackenberg an. Aber welcher Fahrer wünscht sich eine Totalüberwachung per Blackbox im Auto?

Die USA schreiben bereits Datenrekorder vor

Bis vor wenigen Jahrzehnten waren Autos isolierte Blechbüchsen, deren Bordnetz sich hauptsächlich um Licht und Zündung kümmerte. Mit dem Antiblockiersystem ABS, den Airbags und dem Schleuderschutz ESP wurden elektronische Systeme zum Standard, die unabhängig vom Fahrer agieren.

Weil es in den USA immer wieder Prozesse wegen Fehlauslösungen von Airbags gab (häufig mit fatalen Folgen, weil die Passagiere nicht angeschnallt waren), haben Hersteller wie Ford und General Motors dort seit Mitte der Neunzigerjahre einen Großteil ihrer Fahrzeuge mit Unfalldatenspeichern ausgerüstet. Seit dieser Zeit wird auch in europäischen Gremien intensiv über solche Event Data Recorder (EDR) diskutiert, bisher scheiterte die Einführung allerdings an den Kosten. In den USA sind solche EDR-Systeme seit dem Herbst letzten Jahres vorgeschrieben, um die Schuld- und Haftungsfragen nach Unfällen zu klären.

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