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Brenner-Basistunnel:Augen zu und durch

Immer wieder war die Finanzierung umstritten, und wegen Edmund Stoiber ist Deutschland bis heute nicht beteiligt. Dennoch wird jetzt endlich in Innsbruck die Hauptphase zum Bau des Brenner-Basistunnels eingeläutet.

Im Inntal bei Baumkirchen in Tirol steht eine Kapelle. Sie wurde 1986 erbaut, ist der heiligen Jungfrau Maria gewidmet und soll den Kampf gegen ein fürchterliches Ungeheuer heiligen: Den Kampf gegen den Transitverkehr, gegen den blechernen Lindwurm, der Tag für Tag ungeheure Mengen an Gütern und Menschen von Deutschland über den Brenner nach Italien und zurück transportiert, der das Land mit Krach und Qualm quält, der Flora und Fauna mit Gift überschüttet und dem Verdienst durch den Tourismus schadet.

Jetzt geht es los: Mit 64 Kilometern soll der Brenner-Basistunnel zum längsten Bahntunnel der Welt werden.

(Foto: oh)

Die Kapelle steht nicht weit vom sogenannten "Sautrog". So haben die Tiroler Umweltaktivisten die in einer gewaltigen Betonrinne über das Tal geführten Gleise der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) genannt, die Zuführung zum künftigen Brennerbasistunnel.

Am Montag endlich, also 25 Jahre später, nimmt das so umstrittene wie herbeigesehnte Projekt endlich Fahrt auf. In einer Fassung freilich, die nach Ansicht vieler Experten verzagt, kleinlich, und letztlich kaum geeignet ist, das "Heilige Tirol" wirklich von dem alten lärmenden Drachen zu befreien.

64 Kilometer lang soll der Tunnel werden (einschließlich des Zufahrtsstollens von Baumkirchen), der das Inntal unter dem Brennerpass hindurch mit dem Südtiroler Eisacktal verbinden soll. Er wäre dann der längste Bahntunnel der Welt, würde die 57 Kilometer des Gotthard-Basistunnels übertreffen, den die Schweiz gerade in Betrieb genommen hat. Knapp 250 Kilometer Tunnel werden es insgesamt sein, mit Belüftungen, Versorgung, Entwässerung, Sicherheitspfaden.

Die Eröffnung am Montag - die EU-Kommission und die Regierungen Italiens und Österreichs waren hochkarätig vertreten - war ein Meilenstein unter Dutzenden mehr oder weniger verzagten Schritten.

Immer wieder war die Finanzierung umstritten: Der Bau soll acht Milliarden Euro kosten, die sich, realistisch gerechnet, am Ende aber auf 15 Milliarden summieren werden. Obwohl bereits drei Kilometer vom eigentlichen Tunnel bestehen und weitere fünf Kilometer an Zufahrten und Atemlöchern gebohrt wurden, soll mit dem Bau des Hauptasts 2016 begonnen werden. In nur drei Jahren will man dann fertig sein.