Klimawandel Droht das Ende des Wintersports?

Das Skigebiet Leysin in der Westschweiz: Bei viel zu warmem Wetter ging ohne Kunstschnee nicht viel. In Zukunft könnten solche Winter der Normalfall sein.

(Foto: Fabrice Coffrini/AFP)

Eine neue Studie zeigt, wie der Klimawandel die Alpen verändert: Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten 70 Prozent weniger Schnee liegen.

Von Marlene Weiß

Mit dem vergangenen Advent war es in der Schweiz so eine Sache. Schneeromantik konnte man in großen Teilen des Landes komplett vergessen. Ganze zwei Millimeter Niederschlag fielen im Schweizer Mittelland im gesamten Dezember. Normal sind drei Millimeter - pro Tag. Es war der trockenste Dezember seit Beginn der Messungen im Jahr 1864. Auch in höheren Lagen blieb es ungewöhnlich trocken, obendrein war es dort drei bis vier Grad wärmer als üblich. Viele Skigebiete mussten sich mit Kunstschnee behelfen, um wenigstens einen Teil der Pisten befahrbar zu machen.

Dass derart maue Wintermonate in Zukunft noch häufiger werden, gilt schon länger als sicher. Eine Studie von Forschern um Christoph Marty vom Schweizer Schnee- und Lawinenforschungszentrum SLF in Davos zeigt nun jedoch, was in der Alpenregion konkret zu erwarten ist: Wenn der Klimaschutz nicht bald deutlich vorankommt, rechnen die Wissenschaftler bis zum Ende des Jahrhunderts mit 70 Prozent weniger Schnee (The Cryosphere).

Mehr Regen als Schnee

"Wahrscheinlich war die ungewöhnliche Trockenheit im Dezember 2016 eher eine natürliche Schwankung, aber Niederschlagsprognosen sind sehr schwierig", sagt Sebastian Schlögl vom SLF, der an der Studie beteiligt war. Eigentlich sagen viele Klimamodelle eine Zunahme der Winter-Niederschläge voraus - allerdings dürften diese dann eher als Regen denn als Schnee herunterkommen.

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Sicher ist jedoch, dass es wärmer wird. Und das in den Alpen noch mehr als im Flachland, weil die Erwärmung sich selbst verstärkt: Je weniger Schnee, desto mehr heizt sich der Boden auf, desto weniger Schnee.

Der Rückgang ist jedoch je nach Höhenlage sehr unterschiedlich: In den tiefen Lagen um 500 Meter dürfte der Schnee demnach fast komplett verschwinden. Aber selbst in mehr als 3000 Meter Höhe rechnen die Forscher bis zum Jahr 2085 mit 50 Prozent weniger Schnee.

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Am stärksten bemerkbar machen dürfte sich der Rückgang zuerst in Höhen um 1200 Meter. "Diese Zone ist in Bezug auf Schnee die empfindlichste", sagt Schlögl. "Heute sind die Temperaturen dort noch lange genug unter null Grad, um eine kontinuierliche Winterschneedecke zu bilden." Wenn es etwas wärmer wird, kann es damit schnell vorbei sein.

Damit wird es für niedrige Skigebiete schwierig: Zwei Drittel der Pisten in den bayerischen Alpen liegen unterhalb von 1200 Meter. Selbst in Österreich liegt nur ein Drittel der Skigebiete deutlich höher, auf 1500 Meter und mehr. Für die Skigebiete, die meist auf etwa hundert Betriebstage im Jahr angewiesen sind, ist auch die kürzere Saison eine Bedrohung. Nach den Modellen der Schweizer Forscher für das Weiter-so-Szenario wird die Schneesaison um das Jahr 2035 im Schnitt ein bis zwei Wochen später beginnen und bis zu einen Monat früher enden als heute.

Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten demnach ausschließlich Skigebiete über 1800 Meter offen bleiben, für alle anderen wäre der Winter zu kurz. Der sogenannte "Christmas-Easter-Shift" dürfte also höchstens eine Übergangslösung sein: Noch mag es stimmen, dass die Chancen auf Schnee an Ostern oft besser sind als an Weihnachten. Aber die Saison schrumpft hinten stärker als vorne, künftig könnte der Schnee oft auch schon im März wieder verschwunden sein.

Insgesamt verschieben sich laut der Analyse der Forscher die Klimazonen bis 2035 um 200 bis 500 Meter nach oben, bis 2085 um 700 bis 1000 Meter: Um so viel Schnee vorzufinden, wie heute auf etwa 1200 Metern liegt, müsste man sich dann auf gut 2000 Meter Höhe begeben. Eine gute Nachricht gibt es jedoch: Sollte es der Weltgemeinschaft gelingen, das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, dann hat auch der Schnee in den Alpen eine Zukunft. Statt um 70 Prozent würde die Schneemenge nur um 30 Prozent zurückgehen - ein vergleichsweise überschaubarer Wert.

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