Statistik-Vergleich Bayern vs. Dortmund Raum-Strategen gegen Überfall-Dauerläufer

Worauf kommt es an im deutsch-deutschen Finale? Bayern setzt auf Ballbesitz und Wucht, der BVB hat das Gegenpressing perfektioniert. Doch ein Blick in die Statistik dieser Champions-League-Saison offenbart noch mehr Unterschiede - vier Thesen, die sich aus dem neuen Zahlen-Tool der SZ ableiten lassen.

Von Jonas Beckenkamp

Wie gut, dass im Fußball alles so unvorhersehbar ist. Seit Wochen hyperventilieren hierzulande die Betrachter des Spiels wegen dieses einen, alles überwölbenden Groß-Spektakels, das am Samstag in Wembley aufgeführt wird: Bayern gegen Dortmund, Finale der Champions League, Bundesliga gegen Bundesliga - und am Ende wird einer gewinnen. Nur wer? Genau vorhersagen kann den Ausgang keiner und so bleibt es bei Indizien, Vermutungen und gefühligen Prognosen: Dieses Finale wird wohl durch Kleinigkeiten entschieden, aber wer weiß das schon genau?

Die Beteiligten selbst haben sich hinreichend geäußert, die Bayern müssen sich nach ihrer Wahnsinns-Saison den Schuh der Favoritenrolle anziehen, während der BVB es sich als ambitionierter Underdog gemütlich gemacht hat. "Es wird jetzt über nichts anderes mehr geredet", unterstrich nach der gewonnenen Meisterschaft Bayerns Dauerrenner Arjen Robben. "Wir sind noch nicht am Ende", merkte Kapitän Philipp Lahm an, "wir waren in der Vergangenheit immer nah dran, jetzt wollen wir das Ding auch endlich haben".

Dieses Ding, jenen glitzernden Henkelpott des europäischen Elitewettbewerbs, wollen aber auch die Dortmunder mit aller Macht mit nach Hause bringen - wie sie das zu schaffen gedenken, darüber philosophierte kürzlich Trainer Jürgen Klopp im Fachmagazin Kicker: Seiner Elf sei bewusst, dass "wir unsere Qualität am allerobersten Limit auf den Platz bringen müssen, um die Bayern zu schlagen," erklärte er. Und er sagte noch etwas Interessantes: "Die Bayern haben Barcelona und Juventus so aus dem Stadion gefegt, dass sie den Ausgang kaum gefunden haben. Das ist mit uns nicht möglich."

Die Borussia mag für viele der Außenseiter sein, aber es gilt vermutlich auch: Wenn es ein Team gibt, das die Übermannschaft von der Isar derzeit besiegen kann, dann ist es Dortmund. Neben allen Vorhersagen und Tendenzen über den Ausgang der Partie gibt es jedoch auch harte Fakten: Zahlen und Statistiken, die sich aus dem bisherigen Verlauf der Champions League ergeben. Mit Hilfe unseres neuen Statistik-Werkzeugs auf SZ.de haben wir tief im Tabellen-Dickicht recherchiert, um die Stärken beider Mannschaften herauszuarbeiten. Hier folgen vier Thesen, die ein näherer Blick auf das Tool unserers Partners Opta zu Tage bringt.

  • Dortmund ist aktiver in Zweikämpfen, lässt aber mehr Schüsse zu

Wer die Abwehrarbeit beider Mannschaften betrachtet, stößt auf kleinere Variationen. Der BVB geht mit seinem früh ansetzenden Gegenpressing mehr Risiko ein als die Münchner. Zwar hat Jupp Heynckes seinen Männern mittlerweile auch eine Strategie zum Stören des Gegners eingeimpft - stilbildend bleibt aber weiterhin die Vorgehensweise der Borussia. Die Dortmunder greifen enorm zeitig an und geraten dadurch öfter in Zweikämpfe als die Münchner. 714 direkte Duelle haben sie im Verlauf des Wettbewerbs bereits gewonnen, beim FCB sind es nur 680. Gleichzeitig verlieren die Schwarzgelben aber auch mehr Zweikämpfe (706 zu 594).

Die Bayern verlassen sich beim Verteidigen eher auf gezieltes Dagegenhalten. Ihre Tackling-Quote ist mit 78,9% höher als die des Gegners (75,4%) - ein kleiner Vorteil, der vielleicht auch auf der strategischen Zweikampfführung und Raumaufteilung von Bastian Schweinsteiger und Javier Martínez basiert. Und noch etwas untermauert die Souveränität der Münchner: In zwölf Partien ließen sie erst 32 Schüsse aufs eigene Tor zu, während der BVB mit 53 gegnerischen Versuchen deutlich nachlässiger agiert.

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Ein Blick auf die Angriffsstatistiken offenbart, wie unterschiedlich beide Teams nach vorne auftreten. Der BVB bevorzugt das flinke Umschaltspiel und versucht nach Ballgewinnen rasant in die Spitze zu gelangen, die Bayern dominieren ihre Widersacher mit eigenem Ballbesitz. In Sachen Schussgenauigkeit hat die Borussia klare Vorteile - 55,6% aller Schüsse treffen aufs Tor, beim deutschen Rekordmeister sind es nur 47,8%. Abgesehen davon gehen die Münchner aber wirkungsvoller zu Werke. Sie erzielten deutlich mehr Tore (29 zu 23), schaffen mehr Assists (22 zu 14) und verwerten ihre Möglichkeiten hochprozentiger (18,5% zu 16,2%).

Diese Überlegenheit ist auch eine Folge der Spielweise der Heynckes-Elf. Im System der Bayern geht es mit enormer Kontrolle und viel Wucht nach vorne. Spieler wie der verletzte Toni Kroos, Philipp Lahm oder Franck Ribéry zählen im Wettbewerb zu den fleißigsten Zulieferern für Torschüsse. Aus der großen Anzahl an herausgespielten Tor-Versuchen der Münchner landen eben verhältnismäßig viele zumindest in der Nähe des Gehäuses.

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